Große Aufregung in der Steinberg-Siedlung in BerlinTegel. Ein 84-jähriger Mieter soll sein Haus räumen. Ihm wurde gekündigt, weil er sich gegen Modernisierungsmaßnahmen sträubt, zu deren Duldung er gerichtlich verurteilt wurde. Einige Nachbarn haben sich vor seinem Haus versammelt, um ihre Solidarität auszudrücken.

Organisiert wird der Widerstand von Hartmut Lenz, der selbst nur zwei Häuser weiter wohnt. Lenz erzählt, der 84-Jährige sei in dem Haus, das er jetzt räumen soll, geboren. Seine Eltern gehörten zu den ersten Mietern der Siedlung, die 1920/21 erbaut wurde.

Berlin-Tegel: Nachbarn setzen sich für den Senior ein

Nun muss er darum kämpfen, bleiben zu können. Der Vorgarten des 84-Jährigen ist voll mit Protestplakaten. Gemeinsam mit der eng vernetzten Nachbarschaft setzt er sich gegen die Räumung zur Wehr.

Die Nachbarn haben im Vorgarten Plakate für den 84-Jährigen aufgestellt.
Die Nachbarn haben im Vorgarten Plakate für den 84-Jährigen aufgestellt.© privat | Privat

2010 wurde die Siedlung an die am Steinberg Entwicklungsgesellschaft mbH verkauft. Sie plant Sanierungen, Instandsetzungen und Umbaumaßnahmen. Nur so könne der Fortbestand der denkmalgeschützten Siedlung gesichert werden, heißt es auf der Webseite.

Steigende Mieten nach der Modernisierung

Einige Häuser sind schon modernisiert. Die alten Mieter können sich die gestiegene Miete meist nicht leisten. Auch für den 84-jährigen Rentner wäre die, so Lenz, auf 850 Euro geschätzte Mieterhöhung nicht finanzierbar. Die Modernisierung würde bedeuten, dass er die Siedlung verlassen muss.

Das Problem: Der 84-Jährige habe niemanden, so Lenz weiter. Deshalb sei er angewiesen auf die Versorgung durch die Nachbarschaft und ein Umzug nicht möglich. Der Mieter selbst war nicht zu sprechen. Er stehe, so Lenz, unter großem psychischem Druck. Er sei „einfach fertig“.

Seit mehr als zehn Jahren Streit

Die aktuelle Auseinandersetzung ist nur das jüngste Kapitel eines mehr als zehn Jahre laufenden Streits um die Siedlung. Zentrum des Widerstands der Mieter ist ein Protestzelt. Mehrere Jahre lang war es dauerhaft besetzt. Mittlerweile läuft der Protest hier noch dreimal die Woche.

Das Zelt steht in einer kleinen Straße, ihr Name: Kehrwieder. Genau hier müsste der 84-jährigen Rentner wegziehen, sollte es zur Modernisierung kommen.

Entwicklungsgesellschaft will sich nicht äußern

Die am Steinberg Entwicklungsgesellschaft mbH verweist auf Nachfrage darauf, dass es sich um einen laufenden Rechtsstreit handele. Für eine weitere Stellungnahme stehe sie deshalb nicht zur Verfügung.