Am Borsigdamm versteckt sich der Radweg in nördlicher Richtung, auf der Seite des Humboldthafens, unter einer dicken Schicht aus braun-gelben Linden- und Ahornblättern. Wer hier entlang radelt, riskiert Stürze, Prellungen und sogar Knochenbrüche. Nicht nur, dass feuchtes Laub rutschig ist, unter de Blättern befindet sich auch ein zutiefst sanierungsbedürftiger Radweg, der durch seine Krater und aufgeworfenen Stolperschwellen gefährlich ist. Zudem liegt dort auch anderer Unrat: Ein großer Müllsack mit Renovierungsmüll und daneben ein leerer Feuerlöscher.

Der Borsigdamm ist ein besonders krasses Beispiel, aber auf Twitter erfreut sich der Hashtag #nobodykehrs einer zwiespältigen Beliebtheit. In einer Mischung aus Zorn und Fassungslosigkeit zeigen und schildern die Radler Laubhaufen in Spandau, am Prager Platz und auch auf dem Vorzeigeradweg der neuen Generation an der Hasenheide. Zumindest dieser wurde mittlerweile gekehrt.

Die BSR hat Mühe mit der Verpollerung

Anruf bei der Berliner Straßenreinigung, die erstmal guckt, ob sie zuständig für die Säuberung der Radwege ist, und auch wirklich für alle. Nach fünf Stunden dann die Antwort: „Die BSR ist für Radwege zuständig, die sich im öffentlichen Straßenland befinden und den Straßenreinigungsverzeichnissen A und B zugeordnet sind“, schreibt Sprecher Sebastian Harnisch.

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Der Radweg an der Hasenheide war lange mit Laub  bedeckt.  <p/>
Der Radweg an der Hasenheide war lange mit Laub  bedeckt. 

© Uta Keseling

In den C-Straßen sind die Anwohner auch für die restliche Reinigung zuständig. Die generelle Straßenreinigungsfrequenz reicht von zehn- bis einmal pro Woche. „Unsere Laubbeseitigungsmaßnahmen erfolgen mehrmals pro Herbstsaison, weil naturgemäß immer wieder neues Laub nachfällt. Wir orientieren uns dabei an der Reinigungsfrequenz, die in den entsprechenden Straßenreinigungsverzeichnissen und -klassen vorgesehen ist“, sagt Harnisch.

Die Verkehrswende und der damit einhergehende Ausbau der Fahrradwege auf den Fahrbahnen mit der Verpollerung sind eine gute Sache für die Sicherheit der Radfahrer. Die BSR stellt die schlechtere Zugänglichkeit mit den Reinigungsfahrzeugen vor Mehrarbeit. „Die Reinigung von mit Pollern geschützten Radfahrstreifen erfordert auf jeden Fall einen gewissen Mehraufwand an Personal und Technik.“ Aber neue Absprachen zwischen der Senatsverwaltung und der BSR gebe es noch nicht.

Die Leidtragenden sind die Radfahrer. Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass die Kommune einer auf Laub ausgerutschten Radlerin ein Schmerzensgeld von 4000 Euro zahlen musste. Allerdings traf die Radfahrerin ein Mitverschulden von 60 Prozent. Sie könne, so das Gericht, nicht einfach in eine hohe Laubdecke hineinfahren. Also dann doch lieber auf der Straße fahren und Ärger mit erbosten Autofahrern riskieren?

Die BSR spricht von Einzelfällen

Es handele sich um Einzelfälle, so die BSR. „Bei besonders massivem und schnellem Laubfall – wie in den vergangenen Tagen – kann leicht der Eindruck entstehen, dass einige Flächen noch nicht bearbeitet wurden, obwohl wir dort bereits Reinigungsmaßnahmen durchgeführt haben. Dieses Phänomen ist wohl auch zwischen Südstern und Hermannplatz sowie auf dem Borsigdamm zu beobachten.“

Ein Tipp von der BSR: Problemstellen ans Service-Center melden unter 030/7592-4900 oder service@bsr.de.

NEben Laub liegt auch Müll auf dem Radweg am Borsigdamm.
NEben Laub liegt auch Müll auf dem Radweg am Borsigdamm.© Dirk Krampitz

Die Blätter kommen jedes Jahr im Herbst wieder. Bei Schnee und Eis gibt es noch ein Risiko. Auf Twitter kündigte Bettina Jarasch (Grüne), Senatorin für die Bereiche Mobilität und Umweltschutz, im Januar, kurz nach ihrem Amtsantritt, voller Elan an, zum Enteisen von Radwegen im Winter Sole testen zu wollen. Nun hat die rot-grün-rote Koalition das Vorhaben der Senatorin gestoppt. Die Salzlösung sei schädlich für die Straßenbäume. Jan Thomsen, Sprecher der Senatsumweltverwaltung schreibt auf Twitter, dass die Verwaltung an einem Konzept arbeite, „damit wichtige Radverbindungen und Fahrradstraßen sicher befahrbar bleiben“.

Sanierung startet am 14. November

Eigentlich sollte der Radweg am Borsigdamm auch bald wieder befahrbar ein, weil die Sanierung schon im Oktober beginnen sollte. An der Ausflugsstrecke entlang des Tegeler Sees gelegen, gehört er zum Radvorrangnetz und somit auch zu den 871 Kilometern Radweg, die Berlin bis bis 2030 ertüchtigen möchte. Neben dem Borsigdamm werden in Reinickendorf in diesem Jahr zudem die Waldstraße und Abschnitte der Ollenhauer Straße für Radfahrer hergestellt. Weitere 18 Kilometer Reinickendorfer Radweg befinden sich derzeit in der Planung.

Den Radweg in Tegel erneuern wird die AS + BE Asphalt- und Betonstraßenbau. Die zuständige Bauleiterin sagt nun, dass sie mit den Arbeiten am 14. November beginnen. Spätestens dann wird das Laub beseitigt werden.

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