Erfahrungsbericht

So sicher ist der neue Poller-Radweg an der Hasenheide

Der grün markierte Radweg war teuer (eine halbe Million Euro!) und soll sicher sein. Patrick Goldstein ist ihn abgefahren.

Auf grünem Radweg: Redakteur Patrick Goldstein am Hermannplatz.

Auf grünem Radweg: Redakteur Patrick Goldstein am Hermannplatz.

Foto: Foto: Reto Klar

Berlin.  Eine halbe Million Euro für einen Kilometer Radweg - um zu erfahren, ob sich das gelohnt hat, fahre ich die Kreuzberger Strecke zwischen Südstern und Hermannplatz ab. Der Boden des geschützten Radfahrstreifens ist grün markiert, die weiß-roten Poller übersieht so leicht keiner. Sie reichen bis an meinen Lenker und sind aus massivem Metall. Ein Pkw, Lkw oder Bus überrollt die nicht so leicht, wie gestrichelte und durchgezogene Markierungen. Ein Radfahrer fühlt sich da gleich erheblich viel sicherer.

Radweg an der Hasenheide: Laster parken in der zweiten Spur

Zu den Pollern gibt es eine zusätzliche circa 70 Zentimeter breite Fläche zur angrenzenden Spur der Autos, die nicht befahren werden soll. Kraftfahrer haben beim Konzept klar das Nachsehen. Die Hasenheide wird 200 Meter nach Anfang auf eine Spur reduziert. Dafür ist die verbleibende Spur – man sieht es an den Resten der alten Markierung im Asphalt – zwei Handbreit größer. Viele Parkplätze sind nicht übrig geblieben auf der südlichen Straßenseite. Ergebnis: Dort, wo die Hasenheide wieder zweispurig wird, parken bei meiner kleinen Testfahrt Laster und Handwerkerwagen in der zweiten Spur. Ich frage mich, ob Polizei und der ohnehin überlastete Allgemeine Ordnungsdienst darauf reagieren.

Vor der Hausnummer 73 endet der Weg vorerst. Dort befindet sich eine Baustelle, die zu einem Mehrfamilienhaus gehört. Nicht ideal. Den Weg drumherum sollen sich laut Beschilderung Fußgänger und Radfahrer teilen. Das geht oft nicht gut. Ich steige da lieber ab, würde in Eile aber Zeit verlieren.

Rambo-Radler gibt es auch auf dem geschützten Radweg

Ab Fichtestraße gibt es bis Hermannplatz dann kein Hindernis mehr. Ich fahre einigermaßen mittig, wozu der breite Weg einlädt und was ihn im Vergleich zu den zwölf Kilometern vom Stadtrand, die ich hierher genommen habe, der reinste Luxus ist. Da gab es durch Baumwurzeln pausenlos Auf und Ab, acht verschiedene Typen Pflasterung und hervorstehende Steinplatten sowie die stete lebensgefährliche Raumkonkurrenz mit den Autofahrern.

Doch die Breite des Weges auszunutzen, ist wohl auch wieder falsch. Denn in hautengem Radprofi-Dress schießt ein ausgemergelter Rennradler von hinten vorbei und brüllt: „Rechts fahren!“ Die Typen, die einen im schwarzen Edel-SUV auf Busspuren nonchalant abdrängen, gibt es auch auf zwei Rädern.

An der Wissmanstraße endet der geschützte Radweg. Prompt wird die Strecke wieder uneben. Fußgänger, die zum Hermannplatz wollen, kreuzen den Radweg, ich bremse, rolle weiter und bremse wieder, weil ein Pkw in die Hermannstraße biegt und mich nicht bemerkt hat. Der Unterschied zum geschützten Radweg ist offensichtlich. Als Radfahrer kann ich nicht genug davon bekommen.