In der Ferienzeit müssen Passagiere mit langen Schlangen vor den Schaltern und bei der Sicherheitskontrolle rechnen. Außerdem könnte es sein, dass sie länger auf ihr Gepäck warten müssen – oder es sogar tagelang nicht wiedersehen.

Wer von den Berliner Flughäfen Tegel oder Schönefeld aus in den Herbsturlaub starten will, sollte generell zwei Stunden Zeit einplanen, rät Hannes Stefan Hönemann von der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). In den beiden Ferienwochen seien es rund zwei Millionen Passagiere, die ab und über Berlin fliegen. Am vergangenen Wochenende waren schon 340.000 Menschen in den Urlaub gestartet; zwei Drittel davon aus Tegel. „Das ist aber in der Ferienzeit normal“, sagt Hönemann. Wenn mehr Menschen unterwegs seien, komme es entsprechend zu längeren Wartezeiten.

Doch all dies erklärt noch nicht, warum es auch zu Menschenmengen vor dem „Lost & Found“-Schaltern in den Terminals kommt. Im „Baggage Service Center“ des Flughafens sind so einige frustrierte Passagiere am Dienstag anzutreffen. Ingenieur Markus Behrendt wartet hier schon über eine Stunde auf sein Gepäck.

Er ist Vielflieger, jettet fast jeden Tag um die Welt. Heute kam er mit der polnischen Fluglinie Lot aus Warschau. „Nirgends, selbst in Libyen, ist es so wie hier. Ein Mitarbeiter verschwindet mit meiner Nummer und kommt seit einer Stunde nicht mehr wieder“, sagt er. Alle Mitarbeiter der Bodendienstleister Wisag oder Aeroground Berlin seien super unfreundlich, ärgert er sich. Um 3 Uhr morgens ist er aufgestanden und will einfach nur ins Bett. Denn um 16 Uhr beginnt für ihn eine wichtige Konferenz. „Ich werde gleich richtig ungemütlich, wenn das so weitergeht.“

Am „Lost & Found“-Schalter im Terminal A der Wisag stranden am Dienstag 31 Franzosen ohne ihr Gepäck.
Am „Lost & Found“-Schalter im Terminal A der Wisag stranden am Dienstag 31 Franzosen ohne ihr Gepäck.© Maurizio Gambarini | Maurizio Gambarini

Probleme mit Bodendienstleistern

Scheinbar sind solche Probleme mit den Bodendienstleistern auf den Berliner Flughäfen kein Einzelfall – und auch ferienunabhängig. Carsten Laqua war kürzlich eine Woche in Griechenland. Er startete mit Lufthansa mehrere Stunden verspätet in den Urlaub. Das Interessante: „Der Pilot sagte, dass er sich geweigert hätte, das Gepäck der vorhergehenden Passagiere wieder mitzunehmen aus Tegel. Es sei kein Personal vorhanden gewesen, um es auszuladen“, erzählt er entrüstet.

Auf dem Rückweg gab es dann in Tegel die gleichen Probleme, sodass die Fluggesellschaft Eurowings sein Gepäck kurzerhand wieder mit zurück nach Köln nahm. Zwei Stunden hatte er zu dem Zeitpunkt schon auf sein Gepäck in Tegel gewartet. „Das ist unfassbar, was da abläuft. Die fliegen einfach mit unseren Koffern durch die Gegend“, sagt er. Erst nach sieben Tagen habe er sein Gepäck wiederbekommen. Er habe Eurowings und deren Piloten wegen Unterschlagung angezeigt.

Die Bodendienstleister Wisag oder Aeroground übernehmen die Abfertigungsaufgaben am TXL. Bis zu 30 Container mit 50 Koffern stünden phasenweise in einem Flughafenbereich, weil kein Personal da sei, um das Gepäck auszuliefern, erzählt eine Wisag-Mitarbeiterin. Da werde „systematisch in Kauf genommen, dass die Leute nicht mehr ihr Gepäck kriegen.“

Für Verdi-Luftverkehrsexperte Enrico Rümker ist das nicht neu

„Die Mitarbeiter der Bodendienstleister verlassen in Scharen den Flughafen im Moment. Seit Monaten ist das akut“, sagt er. Bis zu 80 Mitarbeiter hätten allein dieses Jahr bei der Wisag gekündigt. „Das schlägt natürlich durch.“ Gründe seien laut Verdi die Arbeitsmarktlage und die „miesen Arbeitsbedingungen“ am Flughafen. Viele Mitarbeiter, die im Nordosten wohnen, würden künftig auch nicht am BER arbeiten wollen. Zudem würden die Ladegruppen immer kleiner. Alles sei enger getaktet. Die Mitarbeiter seien überlastet.

All dies sei eine Folge verbilligter Flugpreise, eng getakteter Flugzeiten der Airlines und gedrückter Gehälter für das Bodenpersonal. Schätzungsweise würden bis zu 200 Mitarbeiter in Tegel fehlen. „Und wenn niemand auslädt, hat die Airline die Wahl, entweder fliegt sie mit Gepäck wieder weg oder nimmt Verspätung in Kauf“, erklärt Rümker. Schuld sei auch die Flughafengesellschaft. „Es gibt keinen Flughafen deutschlandweit, der sich aus der Abfertigung derart herausgezogen hat wie Berlin“, sagt Rümker. Verbesserungen würden nur erzielt, wenn die FBB wieder in die Abfertigungsaufgaben einsteige. Jetzt würden die Preise nur zwischen den Airlines und den Dienstleistern verhandelt.

Dienstleister Aeroground Berlin fertigt aktuell rund 50 Fluggesellschaften in Tegel ab. „Bei der Aeroground Berlin gibt es aktuell keine stundenlangen Verzögerungen“, sagt ein Sprecher. Es gäbe auch keine „akuten Personalengpässe“ und ihm seien keine Fälle bekannt, wo Fluggesellschaften das Gepäck einfach wieder mitnähmen. Die Wisag äußerte sich auf Anfrage nicht.

„Das ist nichts, was der Flughafen direkt zu verantworten hat“, stellt Hönemann der FBB klar. Die beschriebene Problemlage sei zwar „zutreffend“, gebe es aber an allen deutschen Flughäfen. Laut einer europäischen Richtlinie sei dem FBB sogar untersagt, direkt Bodendienstleistungen zu betreiben.

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