Reinickendorf
Denkmalschutz

Antennen gefährden die Sanierung der Königin-Luise-Kirche

Wegen sichtbarer Mobilfunkantennen an der Königin-Luise-Kirche in Reinickendorf behält die Stiftung Denkmalschutz 30.000 Euro ein.

Mobilfunkantennen hätten die Förderung der Denkmalschutzstiftung fast  gefährdet. Durch die Farbgebung sind sie kaum zu sehen

Mobilfunkantennen hätten die Förderung der Denkmalschutzstiftung fast gefährdet. Durch die Farbgebung sind sie kaum zu sehen

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Die Holzbalken des Turmes der Königin-Luise-Kirche in Waidmannslust sind von Insekten befallen. Ein Grund für die Kirchengemeinde Waidmannslust, schnell zu handeln und den Kirchturm zu sanieren, bevor die Standfestigkeit infrage gestellt werden muss. Alles war geregelt und genehmigt, die Bauarbeiter schon bestellt, dann der Schock für die Gemeinde: Es gibt doch keine Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Grund sind Mobilfunkantennen. Die Stiftung hatte bereits 30.000 Euro für die Sanierung des Kirchturmes zugesagt. Mitglieder des Fördervereins wollen das Geld leihen. Sonst wäre es mit der Sanierung nichts geworden.

Seit zwei Jahren wird die 115 Jahre alte Kirche an der Bondickstraße nach und nach saniert. In einem ersten Schritt wurden Dächer und Giebel erneuert – Gesamtkosten 253.000 Euro. Im nächsten Schritt ist der Kirchturm vorgesehen. Alle Arbeiten verliefen nach Plan. Bis die Mobilfunkantennen dreier Anbieter zum Problem wurden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bemängelt, dass diese Antennen von außen sichtbar seien. Diese sind seinerzeit am 42 Meter hohen und somit höchsten Turm im Norden des Bezirks von der Denkmalschutzbehörde genehmigt und daraufhin extra in der Farbe der Fassade gestrichen worden, damit sie nicht auffallen, sagt Wolfgang Nieschalk, Vorsitzender des Kirchenfördervereins. Doch die Richtlinien der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind eindeutig: Das zu fördernde Gebäude muss im Originalzustand bleiben – keine Ausnahme.

Sollte sich an dem Bild nichts ändern, fehlen 30.000 Euro von den veranschlagten 233.000 Euro, die der zweite Bauabschnitt – die Sanierung des Kirchturmes samt dem hinteren Teil der Kirche – kosten wird. Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird die Sanierung von der Kirchengemeinde, dem Kirchenkreis, der Stiftung zur Wahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, dem Förderverein und den Bürgern, die regelmäßig bei Veranstaltungen spenden, finanziert.

Verlegung der Antennen muss erst geprüft werden

Die Lösung: Die Antennen müssen entfernt oder nach innen verlegt werden. Passiert das nicht, gibt es keine Unterstützung, hieß es damals seitens der Stiftung. Die finanzielle Hilfe hat die Gemeinde dringend nötig. Eine schnell umsetzbare Lösung ist es allerdings nicht. Es musste nämlich erst geprüft werden, ob eine Verlegung der Antennen überhaupt möglich ist.

Auf das Ergebnis konnte der Förderverein aber nicht warten, die Sanierung des alten Turmes ist mehr als dringlich, finden in der Kirche doch regelmäßig Veranstaltungen statt. „Es bestand aber zu keinem Zeitpunkt Einsturzgefahr“, stellt Wolfgang Nieschalk klar. Dann wäre die Kirche längst gesperrt worden. Seit dem Befund werde die Stabilität regelmäßig überprüft. Doch damit nicht genug. „Verschiebt sich der Starttermin der Sanierung durch die Prüfung zu weit nach hinten, dann müssen wir alle bereits zugesagten Gelder erneut beantragen“, sagt Nieschalk, „dann könnten die Arbeiten erst im kommenden Jahr beginnen. Das wäre viel zu spät.“

Die Mitglieder des Fördervereins hätten oft zusammengesessen und auf zahlreichen Krisensitzungen beraten, welche Lösung am einfachsten – und vor allem am schnellsten sei. Ganz unbürokratisch haben diese sich letztendlich dazu entschlossen, Geld aus dem Topf des Fördervereins zu nehmen und zudem privates Geld zu leihen – das werden die Mitglieder wiederbekommen. Eine Prüfung durch die Mobilfunk­anbieter hat mittlerweile ergeben, dass die Antennen nach innen verlegt werden können, die Stiftung wird das Projekt somit fördern, wenn alles nach den Richtlinien umgesetzt wird – das wird dann nach der Sanierung erneut überprüft. Ob und wann es die finanzielle Unterstützung gibt, ist aber immer noch unklar.

Dachbalken werden in diesen Tagen ausgetauscht

Die Dachdecker haben bereits begonnen, die alten Dachpfannen abzutragen und die hölzerne Dachkonstruktion mit Schutzfolie abzudecken. In den kommenden Tagen können die von Insekten zerfressenen Dachbalken erneuert werden. „Als weitere Baumaßnahme sollen Ende September der Chor- und der Sakristeianbau eine neue Dachdeckung erhalten“, berichtet Nieschalk.

Da allein das Gerüst die Kirchengemeinde 25.000 Euro kostet, werden gleich weitere Arbeiten mit erledigt – unter anderem werden die Fugen der Kalksteine auf ihre Dichtheit überprüft. Diese Arbeit wäre ohnehin in den kommenden Jahren nötig gewesen. So könne man sich das Geld für das Gerüst ein zweites Mal sparen, sagt Nieschalk. Ende November sollen alle Arbeiten an der Königin-Luise-Kirche abgeschlossen sein.

In wenigen Wochen wird nach der Generalüberholung der über 100 Jahre alte Konzertflügel in die Kirche zurückkehren. Drei Monate war dieser in einer Werkstatt, der Förderverein hat die 9000 Euro teure Reparatur aus Spendengeldern finanziert. Am 7. Oktober gibt es ab 17 Uhr die Möglichkeit, den neuen Klang selbst zu hören. Ursula Szabó wird Lieder von Bette Midler, Frank Sinatra, den Beatles und Karat singen, begleitet von Harry Ermer am Klavier. Der Konzert-Eintritt ist frei, der Förderverein bittet um Spenden.

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