Königin-Luise-Kirche von Hausschwamm befallen

Bei der Sanierung der Königin-Luise-Gedächtniskirche haben Handwerker Echten Hausschwamm im Dach gefunden.

Bei der Sanierung der Königin-Luise-Gedächtniskirche haben Handwerker Echten Hausschwamm im Dach gefunden. Der Pilzbefall verteuert die Baumaßnahmen. Von Anja Meyer Die Kupfersteine an der Dachtraufe sollten für dieses Jahr die letzen Arbeiten an der Königin-Luise-Gedächtniskirche auf der Roten Insel sein. Doch als der Kupferklempner die Arbeiten Anfang September ausführen wollte, machte er eine Entdeckung, die die gesamte Instandhaltung der mehr als 100 Jahre alten, Schöneberger Kirche verzögert: Einige Balken in der unteren Dachkonstruktion sind vom Echten Hausschwamm befallen - ein Horrorszenario für alle Beteiligten. Denn dieser Befall war nicht vorherzusehen und ist jetzt nicht mehr zu ignorieren. Die Bauzeit wird sich deswegen verlängern und voraussichtlich um rund 180.000 Euro verteuern. Ursprünglich waren für die gesamte Sanierung 1,2 Millionen Euro veranschlagt worden.

Teile des Daches könnten einstürzen

Katja Laudel steht auf dem Baugerüst an der Dachkonstruktion und hebt einen herausgenommenen Balken an. Sie ist die zuständige Architektin und Bauhistorikerin für die Instandhaltung der Königin-Luise-Gedächtniskirche. „Alle Stützbalken an der Nebenfassade sind befallen“, sagt Katja Laudel. Über die Holzoberfläche des Balkens in ihrer Hand zieht sich eine trockene Schicht, die tatsächlich nach einem Schwamm aussieht. „Hier sieht man, wie der Hausschwamm sich richtig ins Holz reingefressen hat.“ Die Balken bröckeln so schon bei leichtem Druck weg. Würde der Pilz nicht beseitigt werden, könnten Teile der unteren Dachkonstruktion einstürzen.

Pilzbefall schon weit fortgeschritten

Der Echte Hausschwamm ist ein holzzerstörender Pilzbefall, der einen feuchten und nicht zu kühlen Nährboden zum Wachsen braucht. Deshalb tritt er laut Katja Laudel so gut wie immer versteckt auf, meist auf der Unterseite von verbautem Holz. „Das kann auch in Altbauten unter dem Dielenboden passieren“, sagt sie. „Der Hausschwamm liebt ein Milieu, das schlecht belüftet ist.“ Im Falle der Kirche konnte das ganze Ausmaß des Pilzbefalls erst festgestellt werden, nachdem ein Holzgutachter probeweise Balken untersuchte. Sein Befund: Der Befall ist schon sehr weit fortgeschritten.

„Wir müssen das auf jeden Fall beseitigen“, sagt die Architektin. Anders gehe es nicht. „Je schneller, desto besser.“ Denn noch steht das Baugerüst, die Witterung ist immer noch warm genug. Doch der Ausschuss, der über den Fortgang entscheidet und Baugenehmigungen erteilt, tagt erst Mitte Oktober. Vorher könne nichts entschieden werden, erklärt Pfarrer Olaf Hansen. Auch er steht mit auf dem Baugerüst, in den vergangenen Tagen war er oft hier oben und hat besorgt auf die vom Hausschwamm befallenen Stellen geschaut. Der 4000 Mitglieder starken Evangelischen Königin-Luise-und-Silas-Kirchengemeinde, dem die Kieze um die Rote Insel und dem Crellekiez angehören, fehlt das Geld. Deshalb hat er jetzt zu Spenden aufgerufen.

Baugenehmigungen fehlen noch

Wenn alles gut geht - also die Genehmigungen und das Geld bald zusammenkommen - könnte der Hausschwamm noch bis zum Oktober oder November beseitigt werden. Im schlimmsten Falle ziehen sich die Arbeiten für diesen ersten Bauabschnitt noch ins neue Jahr hinein. Dann würden sich auch die Kosten noch einmal drastisch erhöhen. „Das große, aktuell noch stehende Baugerüst kostet 1000 Euro pro Woche“, erklärt Pfarrer Hansen. Wie er betont, ist die Sanierung der Kirche mittlerweile absolut notwendig, da sie im Laufe des vergangenen Jahrhunderts einfach marode geworden ist. Insgesamt vier Bauabschnitte innerhalb von vier Jahren sind geplant.

Kirche wurde 1912 fertiggestellt

Die Königin-Luise-Gedächtniskirche ist 1912 fertiggestellt worden - nach nur 15-monatiger Bauzeit. Damals entstand sie aus der Notwendigkeit, der stark gewachsenen Schöneberger Kirchengemeinde ein Gotteshaus zu geben. Der runde Altberliner Zentralbau mit sieben Türen in der Mitte des Gustav-Müller-Platzes wurde im Krieg nur wenig zerstört. Erst in den frühen 60er-Jahren veränderte er sich maßgeblich: Wie es zur damaligen zeit üblich war, erhielt der Innenraum eine schlichte, puristische Gestaltung - so dass die Kirche von Innen ein ganz anderes Gesicht hat, als von Außen. Jahrelang war die Fassade der Königin-Luise-Gedächtniskirche mit Pflanzen bewachsen. Das verlieh ihr schon fast etwas Verwunschenes. Die Mitglieder der Kirchengemeinde sowie die Anwohner hätten das am liebsten so gelassen. Doch die grünen Gewächse führten irgendwann dazu, dass das Teile des Mauerwerk bröckelten und mit der Sanierung begonnen werden musste. Weitere Informationen zum Projekt und das Spendenkonto unter klg.d-4.de