Fast drei Jahre lang haben Hartmut Benter und Dirk Bufé im Berliner Norden gebaut. Nicht etwa für sich selbst, nein. Sondern alles für die Tiere. Seit 20 Jahren betreibt das Ehepaar den Vogelgnadenhof mit Tieraltenheim im Bezirk Pankow. Zunächst im Ortsteil Blankenburg, doch aus Platzgründen musste ein neuer Standort her. Nach langer Suche fanden die beiden ihn in Französisch Buchholz, wo sie am Freitag mit gut 100 Gästen die große Eröffnung feierten.

Donnerstag

Mein Pankow-Newsletter

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Vier Häuschen strahlen hier in leuchtend frischem Orange. Auf sattgrünem Rasen toben Hunde, nebenan zwitschern Vögel in großen Volieren. Bei sommerlichen Temperaturen und blauem Himmel spazieren Gäste über das Gelände, während auf einer Bühne verschiedene Künstler deutsche Schlagerlieder zum Besten geben. Fast erfolgreich täuscht die gesamte Kulisse darüber hinweg, wie nah Freude und Leid hier im Altenheim beieinanderliegen.

Tieraltenheim
Hartmut Benter (l.) und Dirk Bufé gründeten 2006 den Vogelgnadenhof mit Tieraltenheim.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Tiere in Berlin: Ausgesetzt, abgeschoben, entsorgt, beschlagnahmt

Benter und Bufé hatten schon immer ein großes Herz für Tiere, erzählen sie. 1991 lernten sie sich in einer Berliner Kneipe kennen und lieben. Jahrelang engagierten sie sich ehrenamtlich für Tiere. „Dann wollten wir etwas Eigenes auf die Beine stellen“, erinnert sich Benter.

Auch interessant

2006 gründeten sie mit acht weiteren Personen den Verein „Vogelgnadenhof und Altenheim für Tiere“ und nahmen Vögel, Hunde und Katzen bei sich auf. „Damals hätte ich nicht gedacht, dass wir so weit kommen würden“, sagt Benter. „Wir hatten ruckzuck Tiere ohne Ende.“ Immer mehr Lebewesen, die ausgesetzt oder beschlagnahmt worden waren oder deren Besitzer verstorben waren, fanden bei Benter und Bufé ein neues Zuhause.

Er hat den Tieren zu verdanken, dass er überhaupt noch lebt.

Hartmut Benter über seinen Ehemann Dirk Bufé

Deren Grundstück platzte bald aus allen Nähten. Und auch die Nachbarn waren nicht erfreut über die wachsende Anzahl tierischer Mitbewohner. Jahrelang suchten die Eheleute nach einem neuen Ort für ihr Altenheim und fanden ihn letztlich auf einer brachliegenden Wiese im Gewerbegebiet Pankow-Nord. „Wir mussten bei Null anfangen.“

Tieraltenheim
Die Ehrenamtliche Franzi kuschelt mit vier Monate alten Hundewelpen, die nach einem neuen Zuhause suchen.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

2023 begannen sie mit den Bauarbeiten, erst jetzt sind sie fertig geworden. Der Umzug erfolgte vor wenigen Tagen. 16 Katzen, 34 Hunde und knapp 200 Vögel leben nun in bunten Häusern und genießen zwischen blauem Himmel und grüner Wiese ihre letzten Jahre auf dieser Erde.

Mehr als zwei Millionen Euro investierte das Ehepaar in den Bau des neuen Altenheims. Finanziert durch Spenden, Erbschaften und ihre eigenen Rücklagen. Wer sind die beiden Menschen, die ihr Leben für die Tiere geben?

Auch interessant

Tierliebe hilft Dirk Bufé durch harte Kindheit

Der Grund für die immense Hingabe für Tiere liegt in Bufés Kindheit. „Er hat den Tieren zu verdanken, dass er überhaupt noch lebt“, sagt Benter.

Bufé selbst spricht von einer „schwierigen Kindheit“. Er wuchs in Berlin-Mitte auf, seine Mutter sei alkoholkrank gewesen. Schon am Nachmittag habe sie „im Koma gelegen“, wie er es nennt. Irgendwann nahm der Vater die Schwester mit sich und ließ ihn, den Bruder, zurück. Er sei nicht sein Kind, lautete die Begründung.

Tieraltenheim
Insgesamt 34 Hunde leben im Tieraltenheim in Berlin-Pankow. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Bufé fand Halt bei den Tieren – den zahlreichen Katzen und Meerschweinchen, die er als Junge im Keller und auf dem Dachboden des Hauses hielt. Als er sich mit elf Jahren das Leben nehmen wollte, wurde er in ein Kinderheim gebracht.

In der unbeständigen Kindheit waren ihm die Tiere eine Konstante. Die bedingungslose Liebe, die Bufé von ihnen erfahren hat, möchte er zurückgeben. Und so investieren er und Benter all ihr Geld und all ihre Zeit, um den vielen Hunden, Katzen und Vögeln ein schönes Lebensende zu bieten.

Als es am Tag der Eröffnung einen Notfall gibt, ist Bufé entsprechend aufgescheucht: Hund Ronaldo geht es nicht gut. Die zehnjährige Dogge lebt seit vielen Jahren im Altenheim und leidet an einer Herzschwäche. „Immer bei Wärme hat er Probleme“, erklärt Benter.

Tieraltenheim
Tierärztin Edeltraud Hertz unterstützt seit 15 Jahren mit ihrem Wissen.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Zum Glück ist eine Tierärztin nicht weit entfernt. Edeltraud Hertz ist fast 80 Jahre alt und steht den Betreibern seit 15 Jahren helfend zur Seite. „Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt sie mit belegter Stimme. Während um sie herum die Menschen fröhlich die Neueröffnung des Altenheims feiern, steht sie am Eingang des Geländes und wartet auf ein Medikament für Ronaldo.

Auch interessant

Tierärztin in Berlin: „Man kennt die Hunde und sie kennen einen“

„Man kennt die Hunde und sie kennen einen“, sagt Hertz. Da tue es „im Herzen weh“, wenn es einem von ihnen nicht gut gehe. Dennoch findet die Tierärztin große Freude an der Arbeit im Altenheim. „Alles für die Tiere“, sagt sie.

Hertz‘ Unterstützung ist eine wichtige Stütze für das Tieraltenheim. „Hätten wir unsere Tierärztin nicht, hätten wir schon viel mehr Geld benötigt“, sagt Benter. Tierarztkosten, Versicherungen und Futter, all das werde immer teurer. Hertz nehme für ihre Dienste aber nur die Kosten für Materialien.

Tieraltenheim
Viele Gäste aus der Umgebung kamen am Freitag zur Eröffnung des Tieraltenheims in Berlin – teils mit tierischer Begleitung. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Erst kürzlich mussten die Betreiber 4500 Euro für Strom nachzahlen. „Wir haben drei große Wärmepumpen, der lange Winter war eine Herausforderung“, berichtet Benter. Viele der rund 100 Gäste spenden am Eröffnungstag Tierfutter und Geld, um das Altenheim finanziell zu unterstützen.

Bei der täglichen Pflege helfen 21 Ehrenamtliche dem Ehepaar aus. Sie arbeiten im Schichtdienst. „Es ist immer jemand hier“, sagt Hartmut Benter. Zweimal täglich bekämen die Tiere Futter, nachts Ruhe.

Das Ehepaar selbst widmet heute all seine Zeit den Tieren. Benter ist eigentlich gelernter Holztechniker, Bufé war als Koch tätig. Die letzten Jahre arbeiteten beide als Postzusteller. „Das war zeitlich flexibel“, erklärt Benter. So blieb genug Zeit für Hunde, Katzen und Vögel. Mittlerweile haben beide ihren Job an den Nagel gehängt. Sie wollen rund um die Uhr für das Altenheim da sein. Eben alles für die Tiere.

Wer dem Altenheim der Tiere in Pankow helfen oder ein Tier adoptieren will, kann Kontakt aufnehmen unter https://vogelgnadenhof.de oder telefonisch unter 0157 529 177 78.