Ein schwuler, neo-zionistischer Israeli und ein heterosexueller, eher linker Palästinenser eröffnen ein Restaurant. – Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, ist die wahre Geschichte des Restaurants „Kanaan“ in Berlin Prenzlauer Berg. Und ganz bald auch der Plot einer neuen Serie.

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Die Produktionsfirma „Traumfabrik Babelsberg“ (bekannt von „25km/h“ mit Lars Eidinger) entwickelt derzeit eine Mini-Serie, die stark von den beiden „Kanaan“-Inhabern Oz Ben David und Jalil Dabit sowie ihrem Restaurant im Helmholtzkiez inspiriert ist. „Die beiden haben eine verrückte Geschichte, die den Zeitgeist trifft. Und eine Message“, sagt Produzent Sebastian Fruner im Morgenpost-Gespräch.

Er sieht in der Partnerschaft der beiden den spannenden Stoff für eine Dramedy. „Es soll auf jeden Fall witzig sein, nicht zu politisch. Ein bisschen wie ‚The Bear‘.“ In der preisgekrönten US-Serie geht es um einen Sterne-Koch, der ein heruntergekommenes Restaurant übernimmt und sich mit dem Küchenteam zusammenraufen muss.

Im Restaurant „Kanaan“ kochen ein Israeli und Palästinenser gemeinsam

Das „Kanaan“ ist durchaus etwas Besonderes, selbst im multikulturellen Berlin. Oz Ben David ist Israeli aus einer jüdischen Siedlung im Westjordanland. Jalil Dabit ist Palästinenser und wuchs im israelischen Ramla auf. Unterschiedlicher können zwei Menschen fast nicht sein. Als sie sich vor zehn Jahren entschieden, gemeinsam ein Restaurant zu eröffnen, wollten sie „eigentlich nur guten Hummus und ein gutes Geschäft machen“, erzählt David im Gespräch mit unserer Redaktion.

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„Früher hatten wir die Abmachung, nicht über Politik zu sprechen“, erinnert er sich. „Wir dachten, dass unsere Unterschiede uns schwächer machen würden.“ Immer wieder gerieten sie aneinander. „Doch mit der Zeit haben wir einen Weg gefunden, wie man eine Zukunft mit jemandem aufbauen kann, mit dem man sich in vielerlei Hinsicht nicht einig ist.“

Schon das erste gemeinsame Kochprojekt der beiden sorgte für Streit. Beide hatten völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein guter Hummus zu schmecken hat. Und beide waren nicht bereit, von ihrem Rezept abzuweichen. Bis Dabit, so berichtet es David, sein Ego beiseitelegte und ihm anbot, gemeinsam etwas Neues zu erschaffen, mit dem beide glücklich würden.

Gericht im Kanaan in Prenzlauer Berg
Im „Kanaan“ kommen vegane und vegetarische Gerichte auf die Teller, die von der israelischen und palästinensischen Küche inspiriert sind.© Laura Wagener | Laura Wagener

Restaurant-Inhaber wollen Gemeinsamkeiten feiern – trotz aller Unterschiede

Die Anekdote steht beispielhaft für die Botschaft, die Dabit und David mit ihrem Restaurant in die Welt tragen möchten. „Wir wollen Möglichkeiten schaffen, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Damit sie Gemeinsamkeiten finden, statt auf ihren Unterschieden zu beharren.“

Das fängt schon bei den Mitarbeitenden an. Das Team des „Kanaan“ besteht aus Pakistanis, Syrern, Transpersonen. In Küche und Service prallen unterschiedliche Nationalitäten, Religionen und Identitäten aufeinander. Viel Potenzial für Reibungen also. David berichtet von einer Situation, in der er ein Teammitglied bat, ein anderes beim Ausfüllen von Unterlagen fürs Finanzamt zu unterstützen. Entstanden sei ein Gespräch zwischen den beiden, durch das sie mehr Gemeinsamkeiten gefunden hätten, als ursprünglich vermutet.

„Die Realität ist komplizierter als Schwarz und Weiß.“

Oz Ben David, Co-Inhaber des Restaurants „Kanaan“

In Kochkursen bittet David die Teilnehmenden regelmäßig, Lebensmittel aufzuschreiben, die sie nicht gerne essen. Auf den Zetteln stünden dann Notizen wie Käse. „Aber was für ein Käse? Es gibt ja nicht nur einen. Es gibt milden Käse, Ziegenkäse, Käse aus Frankreich“, sage er dann. Mag man den einen nicht, mag man vielleicht den anderen. Mit dieser Übung wolle er die Menschen zum Denken anregen und ihnen zeigen, was sie verpassen, wenn sie generalisieren.

Produktionsfirma entwickelt Mini-Serie mit berühmter Besetzung

Dass man nicht alle Differenzen aus der Welt schaffen kann, ist David bewusst. Auch nach zehn Jahren gemeinsamer Arbeit und vielen Diskussionen vertreten er und Dabit noch unterschiedliche Haltungen, insbesondere wenn es um die Taten früherer Generationen geht. Doch das scheint für ihn okay: „Die Realität ist komplizierter als Schwarz und Weiß.“

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Die reibungsvolle Dynamik der Restaurant-Gründer und die offene Haltung, für die sie stehen, überzeugten die Produzenten der „Traumfabrik Babelsberg“ von der Serien-Idee. „Ich war inspiriert von ihnen“, sagt Sebastian Fruner. „Ich hoffe, die Serie kann genauso Brücken schlagen, wie die Jungs im Restaurant es schaffen.“

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Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, konnte sich aber bereits Fördermittel des Landes sichern. Fruner hat bereits ein Autoren-Team für das Drehbuch zusammengestellt, bestehend aus Israelis, Palästinensern und Deutschen. Als Schauspieler für eine der beiden Hauptrollen ist Yousef Sweid im Gespräch, der durch Rollen in „Game of Thrones“, „Unorthodox“ und „Homeland“ bekannt wurde. Er besuchte das „Kanaan“ bereits, um die Inhaber kennenzulernen und ein Gefühl für die Charaktere zu bekommen.

Aktuell suchen die Produzenten noch einen Abnehmer für die Serie. Wann mit dem Drehbeginn und einer Veröffentlichung zu rechnen ist, ist noch unklar.