Jetzt ist es also offiziell: Stefan Gelbhaar bewirbt sich erneut auf ein politisches Amt. Nachdem die Gerüchteküche über ein mögliches Comeback in der vergangenen Woche hochgekocht war, ist nun offiziell bestätigt, dass der Grünen-Politiker seine Bewerbung für die Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026 beim Kreisverband Pankow eingereicht hat.

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Das teilte zuerst der RBB am Mittwoch mit – ausgerechnet. Denn ebendieser RBB hatte kurz vor der Bundestagswahl 2025 Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Politiker bekannt gemacht, diese aber aufgrund von Fehlern teilweise zurückgezogen. So hätten einige der Zeuginnen ihre Aussagen unter Angabe falscher Identitäten erhoben. Durch den Skandal verzichtete Gelbhaar auf eine Kandidatur für die Landesliste der Grünen bei der Bundestagswahl, sah sich aber als Opfer einer Intrige. Einige Frauen halten jedoch weiterhin an ihren Aussagen fest und schildern übergriffige Erfahrungen mit Gelbhaar.

Jetzt, weniger als ein Jahr nach dem Skandal, möchte Gelbhaar fürs Abgeordnetenhaus 2026 kandidieren, wo er die Grünen bereits von 2011 bis 2017 vertrat. In seiner Bewerbung, die mittlerweile online einsehbar ist, begründet er dies mit seiner Verbundenheit zum Bezirk. „Ich möchte mich einbringen, mit Erfahrung, Kreativität und einer großen Portion Herzblut für diese Stadt“, schreibt der 49-Jährige. Als Vertreter des Bezirks im Abgeordnetenhaus wolle er unter anderem eine Weiterführung der A100 nach Prenzlauer Berg verhindern und sich für einen rechtlich wirksamen Mietendeckel auf Landesebene einsetzen. Gegenüber der Morgenpost wollte sich Gelbhaar nicht weiter zu seiner Bewerbung äußern.

Grüne halten Wahlkreis in Pankow seit 2006

Mit seiner Arbeit will der Politiker nach eigener Aussage an die des aktuellen Abgeordneten Andreas Otto anknüpfen. Der 63-Jährige hat den Wahlkreis 6 in Prenzlauer Berg seit 2006 kontinuierlich für die Grünen gewonnen, zuletzt mit einem Ergebnis von 41,6 Prozent bei den Erststimmen. 2026 will er nach 20 Jahren im Amt nicht mehr antreten. „Ich habe mich aus privaten Gründen entschlossen, nicht mehr zu kandidieren“, sagt er der Morgenpost. „Ich möchte nochmal ein neues Leben anfangen, ohne Abgeordnetenhaus. Politisch macht es immer noch Freude, aber es gibt irgendwann eine Zeit, da muss man an Familie und Privatleben denken.“

Otto, der als enger Vertrauter Gelbhaars gilt, macht keinen Hehl aus seiner Unterstützung für den Parteikollegen: „Ich würde mich freuen, wenn er es wird.“ Von seiner Nachfolge wünscht er sich, dass Themen wie der Jahn-Sportpark, Schulen und Verkehrsfragen weiter vorangetrieben werden. Trotz der Siegesserie der vergangenen zwei Jahrzehnte betont Otto, dass ein Wahlerfolg der Grünen im Wahlkreis „kein Selbstläufer“ sei. Die Partei spiele immer eine Rolle, aber auch als Person müsse es gelingen, die Wählerinnen und Wähler von sich und seiner Politik zu überzeugen.

Zuvor muss Gelbhaar aber erstmal seine eigene Partei überzeugen. Die Grünen in Pankow entscheiden am 8. November, wen sie zur Wahl 2026 aufstellen. Neben Gelbhaar gibt es derzeit eine weitere Bewerberin, die für den Wahlkreis 6 ins Abgeordnetenhaus einziehen möchte. Sunčica Klaas ist Mitglied im Kreisvorstand und hat in der Vergangenheit zu Menschenrechten und Migration geforscht. Politisch will sie sich für Inklusion, gerechte Bezahlung, bezahlbare Mieten und ausreichend Schulplätze im Bezirk einsetzen.

Gelbhaar oder Klaas: Grünen-Kandidatur entscheidet sich im November

Auf die vergangenen Geschehnisse und die Vorwürfe geht Gelbhaar in seiner Bewerbung nur knapp ein: „Eine intensive Zeit verändert Menschen – und hat auch mich verändert“, schreibt er. Viele Gespräche hätten ihm „zusätzliche Perspektiven eröffnet“. Bei den Grünen hält man sich mit Aussagen und Bewertungen zu Gelbhaars Bewerbung derzeit zurück. Landeschefin Nina Stahr richtet auf Morgenpost-Anfrage aus: „Jedes Mitglied hat das Recht zu kandidieren, die Wahlversammlung wird dann entscheiden, welche Person sie auf eine Liste oder für eine Direktkandidatur wählt.“

Im Pankower Kreisverband wirkt man nicht allzu überrascht über das Comeback: „Stefan Gelbhaar hat sich in den vergangenen Wochen immer wieder ins Gespräch gebracht und auf Treffen eine mögliche Kandidatur angedeutet – nun hat er seine Bewerbung offiziell gemacht“, schreibt der Kreisvorstand auf Morgenpost-Anfrage.

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Die Wahl der Grünen am 8. November könnte entscheidend dafür sein, ob die Partei ihre Erfolgsserie im Wahlkreis fortsetzen kann. Die Grünen haben zwar eine starke Wählerschaft im Bezirk, doch der Aufruhr um Gelbhaar könnte Einfluss auf Entscheidungen an der Wahlurne haben. Bei der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus im Jahr 2023 lagen Linke (18,3 Prozent) und SPD (13,9 Prozent) bei den Erststimmen deutlich hinter den Grünen zurück. Rechnen sie sich möglicherweise erhöhte Chancen auf einen Sieg im Wahlkreis aus?

Die SPD-Abgeordnete Linda Vierecke sagt gegenüber der Morgenpost: „Wir machen gute Wahlkreisarbeit, sind präsent auf der Straße und haben ein Büro, das – im Gegensatz zu dem von Herrn Otto – im Wahlkreis liegt.“ Auch Linken-Landeschef Maximilian Schirmer hält sich mit Kommentaren zur Causa Gelbhaar zurück: „Während die meisten Parteien sich mit sich selbst beschäftigen, wird für viele diese Stadt jeden Tag ungemütlicher. Die Linke ist bei der Bundestagswahl in Pankow stärkste Kraft geworden, weil die Mieten jeden Tag weiter explodieren, während Superreiche mehr Geld haben als ganze Länder“, so Schirmer. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 werde bezahlbares Wohnen das zentrale Thema sein. „Unser Fokus liegt auf den tatsächlichen Sorgen der Menschen und weniger auf den anderen Parteien.“