Vergangene Woche sorgte eine Überraschung in der Senefelderstraße in Prenzlauer Berg für Aufsehen: Unbekannte hatten über Nacht Markierungen und Piktogramme auf den Asphalt gesprüht und damit eine Fahrradstraße vorgetäuscht.

Donnerstag

Mein Pankow-Newsletter

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Mittlerweile ist klar: Die Aktion geht auf das Konto der Klimaschutzgruppe „Widerstands-Kollektiv“, die vermutlich aus der „Letzten Generation“ hervorgegangen ist. Der Bezirk Pankow habe inzwischen Strafanzeige gestellt, wie der „Tagesspiegel“ berichtet.

Aktivisten bekennen sich zu Sprühaktion

In einem auf YouTube veröffentlichten Video ist zu sehen, wie mehrere Personen bei laufendem Verkehr mit Schablonen und Sprühdosen die vermeintliche Fahrradstraße aufbringen. Eine der Beteiligten solle es sich um Lilli Gomez handeln, die durch frühere Protestaktionen – etwa Farbangriffe auf die Weltzeituhr und das Brandenburger Tor – bundesweit bekannt wurde. Sie begründet die Aktion mit den Worten: „Klimaschutz selber machen.“

Das Bezirksamt Pankow reagierte prompt: Die Markierungen wurden umgehend entfernt. Auf Grundlage der Videoaufnahmen und der Selbstbezichtigung der Aktivistengruppe wurde nun Anzeige erstattet – wegen des Verdachts auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Sollte sich dieser erhärten, drohen den Beteiligten empfindliche Strafen, im Extremfall sogar bis zu fünf Jahre Haft.

Hintergrund: Geplante Fahrradstraße liegt auf Eis

Die Umwandlung der Senefelderstraße zur offiziellen Fahrradstraße war längst geplant. Bereits 2021 hatte das Bezirksamt beschlossen, dem Abschnitt zwischen Kollwitzplatz und Helmholtzplatz Vorrang für Radfahrer einzuräumen. Die Umsetzung sollte im Zuge des Projekts „Panke-Trail“ erfolgen, einer Radschnellverbindung, die durch das landeseigene Unternehmen Infravelo realisiert werden sollte.

Entdecken Sie mehr Themen aus Pankow

Doch das Vorhaben stagniert. Grund dafür ist ein umfassender Planungs- und Finanzierungsstopp, den die Senatsverkehrsverwaltung unter der neuen Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) verhängt hat. Fast alle Fahrradprojekte in der Hauptstadt wurden dadurch ausgebremst, auch bereits beschlossene Maßnahmen wie in der Senefelderstraße. Der Bezirk erklärte, die Planung pausiere derzeit „auf unbestimmte Zeit“.

Die Aktion reiht sich ein in eine Serie sogenannter „Pinsel-Revolten“, bei denen Bürgerinnen und Bürger aus Unmut über stockende Verkehrsprojekte selbst zur Farbe greifen. Schon 2021 hatten Anwohner in der nahegelegenen Thulestraße Gehwegvorstreckungen auf die Fahrbahn gemalt, um gegen Falschparker und Behördenversäumnisse zu protestieren. Auch damals ließ der Bezirk die Markierungen schnell entfernen.