Bevölkerung, Wachstum, Schulneubau und die stadtweit meisten neuen Stadtquartiere – das Maximum des Möglichen zeigt sich immer wieder in Pankow. Auch bei der Unterbringung von Geflüchteten belegt dieses boomende Stadtgebiet aktuell den Spitzenplatz. 5.305 Bewohner können in den bisher 17 Unterkünften zwischen Prenzlauer Berg und Buch Zuflucht finden – was rund 16,4 Prozent der Berliner Gesamtkapazität entspricht. Doch nun sind auch hier nur noch 49 dieser Plätze frei. So berichtet es Sozialstadträtin Cordelia Koch (Grüne) auf Morgenpost-Anfrage.
Aus der Platznot, die sich in ganz Berlin zuspitzt, erklärt sich in Pankow eine überraschende Entwicklung, die Anfang des Jahres noch völlig unbekannt war: In den Höfen der Wohngesellschaft Gesobau an der Kavalierstraße in Pankow entstehen nach Genehmigung durch den Senat 422 zusätzliche Plätze in einer Modularen Unterkunft für Geflüchtete (MUF). Verteilt auf zwei L-förmige Wohnriegel innerhalb einer Nachkriegssiedlung sollen Bewohner ein Heim der neuesten Generation vorfinden, das mit simpel konstruierten, umzäunten MUF-Häusern früherer Jahre nur noch wenig gemeinsam hat.
Obwohl der Bezirk Pankow sich bemüht, seinen Anteil zur Linderung der aktuellen Wohnkrise bei Geflüchteten zu leisten, lehnen sowohl Sozialstadträtin Cordelia Koch als auch Baustadträtin Rona Tietje (SPD) das neue Gesobau-Vorhaben an der Kavalierstraße ab – und müssen sich dem Senatsbeschluss trotzdem beugen. Kritik an einer baulichen Unverträglichkeit durch die Lage im Hof und durch fehlende Kita- und Schulplätze in der Umgebung bleibt ungehört.
Geflüchtete in Berlin-Pankow: Neue Unterkünfte an drei Standorten in Planung
Nun lenkt der Fall Kavalierstraße den Blick auf weitere neue MUF-Projekte in Berliner Bezirken – immerhin hat Sozialstadträtin Katja Kipping (Linke) nun 800 bis 1000 zusätzliche Plätze pro Bezirk in diesem Jahr gefordert. In Pankow sind laut Stadträtin Koch folgende Projekte in Umsetzung oder Planung. Doch nur eines kann nach jetzigem Stand 2023 noch eröffnen.
• Kirchstraße in Pankow-Rosenthal: Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten um eine neuartige Unterkunft mit sieben Einzelhäusern der Gesobau ist dieses Heim mit 320 Plätzen derzeit im Bau und kommt Ende 2023 oder spätestens Anfang 2024 zur Fertigstellung.
• Diesterwegstraße am früheren Krankenhaus Prenzlauer Berg: Einen jahrelangen Vorlauf brauchte es auch für dieses MUF-Heim mit drei Einzelgebäuden und einer Kapazität von 336 Plätzen. Seit wenigen Wochen räumen Bagger nun das Baufeld frei und bereiten den Boden für eine Unterkunft der Gewobag vor, die ab Mitte 2024 in Betrieb gehen soll.
• Elisabeth-Aue bei Französisch Buchholz: Auch hier läuft laut Angaben des Senats ein Verfahren, eine Modulare Unterkunft mit bis zu 400 Plätzen zu errichten. Bislang befindet sich auf dem Feld eine Containersiedlung, die zwischenzeitlich als Corona-Quarantäneunterkunft für das Land Berlin diente und wegen der Platznot weiter in Betrieb blieb.

Auch wenn im Bezirk weiterhin Platzreserven vorhanden sind, um weitere Unterkünfte zu eröffnen, stößt die soziale Infrastruktur an ihre Grenzen. „In der Tat können die Bedarfe der Geflüchteten nicht mehr in Gänze befriedigt werden. Insbesondere die Beschulung aller Kinder mit einem Anspruch auf einen Schulplatz ist seit geraumer Zeit nicht mehr möglich. Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach einem Kinderarzt“, benennt Koch konkrete Mängel.
1800 Geflüchtete in Karow und Buch: Pankow warnt vor fehlender Infrastruktur
Und fordert deshalb, Standorte nicht allein nach Flächen-Kriterien auszuwählen. „Es ist problematisch, dass insbesondere im Norden von Pankow immer mehr Einrichtungen für Geflüchtete entstehen, ohne dass die Infrastruktur auch nur mitgedacht wird. Auch innerhalb der Bezirke Berlins muss es hier Ausgleich und Unterstützung geben.“
Mehr zur neuesten Unterkunft für Geflüchtete in Berlin Pankow:
Eine Folge lässt sich in Karow und Buch ablesen, wo die Unterstützung aus der Nachbarschaft für Gemeinschaftsunterkünfte für rund 1800 Geflüchtete schwindet. Hier warnt Koch den Senat, dass sich Nachbarn schlecht informiert und „zunehmend unwohl“ fühlen. Insgesamt seien Akzeptanz und Hilfsbereitschaft in Pankow aber weiterhin auf einem hohen Niveau.
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