Verkehrsprobleme

Weißensee: Berliner Allee auch für Radfahrer ein Albtraum

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Die Berliner Allee in Berlin-Weißensee wird durch Baustelle, Tramgleise und  zahlreiche Unfälle derzeit immer wieder zum Albtraum für alle Verkehrsteilnehmer.

Die Berliner Allee in Berlin-Weißensee wird durch Baustelle, Tramgleise und zahlreiche Unfälle derzeit immer wieder zum Albtraum für alle Verkehrsteilnehmer.

Foto: Marc R. Hofmann / BM

Bereits 43 Autos zog das Tram-Gleisbett in Weißensee magisch an. Nun droht auf der Berliner Allee auch Radfahrern ein Rückschlag.

Berlin.  Fahrbahn verschwenkt, Tram-Schienen im Asphalt, durch Fahrzeuge im Gleis immer wieder Sperrungen der Straßenbahn-Strecke. Die Berliner Allee in Weißensee ist derzeit ein Albtraum für Verkehrsteilnehmer. Besonders ärgerlich: Trotz jahrelanger Einschränkungen durch mehrere Baustellen in Folge, ist der Mobilitätssenat von der ursprünglich geplanten „grundhaften Erneuerung“ abgerückt. Wie stark sich die Verkehrssituation vor Ort letztlich verbessert, bleibt also unklar. Ein Unding für Mitstreiter des Aktionsbündnisses Berliner Allee und Mitglieder des Abgeordnetenhauses aus dem Wahlbezirk.

„Das ist ein Trauerspiel“, kommentiert der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner die Planung des Verkehrssenats. Auf seine Anfrage hin antwortet die Verwaltung, dass die Berliner Allee zwischen Pistorius- und Rennbahnstraße zwar verkehrliche und straßenbautechnische Defizite aufweise. „Ihr baulicher Zustand bedarf aber derzeit keiner zwingenden grundhaften Erneuerung im Sinne des Berliner Straßengesetzes.“ Daher gebe es von Seiten der Verkehrsverwaltung noch immer keine konkrete Zeit- und Kostenplanung für den genannten Straßenabschnitt.

Weißensee: Berliner Allee wird nicht „grundhaft“ erneuert

Das ist insofern verwunderlich, als dass bereits seit April 2022 am Weißen See im Bezirk Pankow gebaut wird. Nach einer Erneuerung der Schienen durch die BVG laufen nach Aussage der Behörde derzeit Kanalarbeiten der Berliner Wasserbetriebe. Danach sollen noch neue Trinkwasserleitungen verlegt werden. Geplante Dauer: Bis Ende Januar 2025.

Zur Erinnerung: Noch 2018 hatte das bereits damals grün geführte Ressort auf Anfrage der Sozialdemokraten Dennis Buchner, Tino Schopf und Clara West geschrieben, dass es „aktuelle Zielstellung“ des Landes Berlin sei, Straße und Gleise grundhaft zu sanieren. „Im Rahmen der Erneuerungsmaßnahme wird eine Neugestaltung des gesamten Straßenraumes vorgenommen“, so die Behörde.

Im Moment verlaufen dort neben den Tram-Gleisen in der Straßenmitte zwei Fahrspuren je Richtung und ein Parkstreifen. Im Gespräch war etwa die Umwidmung je einer Fahrspur oder des Parkstreifens für den Radverkehr. Die Bundesstraße 2 ist dafür nach Angaben der Verwaltung mit mehr als 40.000 Fahrzeugen pro Tag laut Senat jedoch zu stark befahren, vor allem im Anbetracht weiterer Bauvorhaben im Norden der Stadt. „Da Nebenstraßen der Berliner Allee Bestandteil von Tempo-30-Zonen sind, gibt es für den Fahrradverkehr alternative Ausweichstrecken“, so die Verwaltung.

Klare Aussagen der Behörde, wie die Situation während der jetzt laufenden langwierigen Bauphase und grundsätzlich verbessert werden kann, sind indes immer noch vage. Nachdem nach neuesten verfügbaren Angaben vom 30. Dezember auch nach Veränderung der Baustellenbeschilderung noch 14 Autos (43 insgesamt) in das Gleisbett gefahren sind, sind nun „weitere Maßnahmen“ geplant.

Senatsverwaltung plant graduelle Verbesserungen

Aktuell werde etwa eine „verkehrsabhängige Steuerung der Signalisierung mit Bevorrechtigung des ÖPNV“ geprüft, ebenso wie Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für den Radverkehr in dem Bereich, wie es in bestem Behördendeutsch heißt. Möglich wären damit Signalanlagen für Radfahrer, eine veränderte Beschilderung und/oder Markierung der Straße, die auch die Belange des Lieferverkehrs berücksichtigen soll.

Dem Abgeordneten Dennis Buchner reicht das nicht. „Offenbar gibt es keinen Plan, was mit den Arbeiten erreicht werden soll“, kritisiert er. Es könnte nicht sein, dass sich die zuständige Verwaltung erst während der Arbeiten Gedanken darüber mache. So werde Geld verbrannt, anstatt die Gegebenheiten zu verbessern. Dabei sehe bereits das Berliner Mobilitätsgesetz Radwege auf oder an allen Hauptverkehrsstraßen in der Stadt vor. „Die Situation in den Außenbezirken für die Grünen offenbar keine Priorität“, so der Politiker im Wahlkampfmodus.

Zuvor hatte bereits der CDU-Abgeordnete Dirk Stettner das Vorgehen der Senatsverwaltung in Bezug auf die vielen verunglückten Fahrzeuge im Gleisbett als fahrlässig kritisiert. „Wenn so viele Autofahrer im Gleisbett landen , ist die Verkehrsführung mangelhaft“, so Stettner zur Berliner Morgenpost.

Mitglieder des Aktionsbündnisses Berliner Allee, die ob der Verkehrssituation in Weißensee bereits im vergangenen Jahr eine Fahrrad-Demo abgehalten hatten, stören sich auch am Zustand der Verbindung von Lichtenberg/Friedrichshain über den Weißenseer Weg und die Indira-Gandhi-Straße bis zur Berliner Allee nach Weißensee.

„Die Radwege sind weder breit genug noch sicher und zudem voller Schlaglöcher, Kanten, Beulen und Baumwurzeln“, so Jens Herrmann von Initiative. Die Mitglieder wünschen sich die Umwidmung jeweils einer Fahrspur in durchgehende Fahrradstreifen. Versprochen worden sei auf Anfrage zumindest eine Sanierung.

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„Doch der Blick auf die Lage vor Ort macht klar, dass hier die zu schmalen Radwege nur in wenigen kurzen Abschnitten notrepariert wurden“. Damit verfehle die Verwaltung ihre eigen Vorgabe, bei Sanierungen von Radwegen die „Regelbreite“ von mindestens zwei Metern zuzüglich Sicherheitsabstand herzustellen. So bleibe es bei einer „Rennstrecke“ für den Autoverkehr.

Die Durchschlagung des Gordischen Knotens in Sachen Verkehrsplanung lässt damit im Berliner Norden offenbar weiter auf sich warten. Zumindest bis nach der Wiederholungswahl.