Bäume statt Bauten

Ein „Klimawald“ für den Blankenburger Süden

Den Klimanotstand nimmt eine Initiative zum Anlass für den Start einer Aufforstungskampagne – auf dem Baugrund von 6000 Wohnungen.

Eine Initiative sammelt Geld für die Anpflanzung eines Waldes auf dem Gebiet des künftigen Stadtquartiers Blankenburger Süden.

Eine Initiative sammelt Geld für die Anpflanzung eines Waldes auf dem Gebiet des künftigen Stadtquartiers Blankenburger Süden.

Foto: imago stock&people via www.imago-images.de / imago images / blickwinkel

Pankow ist seit einer Woche Pionier. Als erster Berliner Bezirk rief die Kommune den Klimanotstand aus und verpflichtet sich, alle Entscheidungen auf ihre möglichen Folgen für die Erderwärmung zu prüfen. Auch im Bereich des Hoch- und Tiefbaus solle der Klimaschutz zum „Primat der Politik“ werden – so steht es im Antrag. Jetzt nimmt eine Initiative aus Blankenburg die dafür verantwortlichen Politiker von SPD, Grünen und Linken beim Wort. Der Verein „Greenwatch“ mit dem Vorsitzenden Wolfgang Papenbrock startet eine Kampagne für die Aufforstung eines „Blankenburger Klimawalds“ auf dem Gebiet des künftigen Großprojekts Blankenburger Süden.

Baumpaten sollen 45 Euro für den Klimawald spenden

Noch immer laufen hier auf der Fläche der früheren Rieselfelder die vertiefenden Untersuchungen für ein Stadtquartier mit 5000 bis 6000 Wohnungen und zwei Schulstandorten. Greenwatch ruft nun aber dazu auf, die fragliche Fläche großflächig mit Bäumen zu bepflanzen. Unter dem Motto „Nicht länger warten – Aufforstung starten“ sollen Baumpaten 45 Euro spenden, die „zweckgebunden, nur für einen Baumsetzling und dessen Aufzucht und Pflege unter wissenschaftliche Aufsicht“ eingesetzt werden, heißt es im Programm der Kampagne. Zunächst geht es darum, Antragsformulare für das Patenschaftsprojekt, die man online abrufen kann, auszufüllen. Spendenzahlungen „ins Blaue“ soll es nicht geben, wird dort betont.

Das Projekt Blankenburger Klimawald sei eine überparteiliche Initiative von Bürgern, die den Umweltschutz ernst nehmen und eine „nachhaltige Lösung“ für den Blankenburger Süden fordern. Ob sich genügend Spender finden, um größere Bereiche des Baugrundstücks zu bepflanzen, muss sich zeigen.

Neues Wohnquartier soll selbst genügend Grünflächen bieten

Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weist man darauf hin, dass bei der Planung des Blankenburger Südens auch ökologische Kriterien wichtig sind. Es gehe darum „ein Quartier zu errichten, welches die bestehenden wertvollen naturräumlichen Strukturen, wie beispielsweise die Gewässerstruktur und Baumalleen weitestgehend erhält und aufwertet“, sagt Katrin Dietl, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). „Es sollen zudem wohnungsnahe wie auch siedlungsnahe Grünflächen entstehen, die den neuen Bewohnern ebenso wie den bestehenden Nachbarschaften als Ort der Erholung dienen“, sagt Dietl. Dafür sei auch die Biotopverbundplanung des Bezirksamts Pankow in die Planung einbezogen worden.

Senat prüft begrünte Dächer und Fassaden in der neuen Siedlung

Im Rahmen des anstehenden städtebaulichen Werkstattverfahrens sollen Teams aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten entsprechende Testplanungen für das neue Stadtquartier entwickeln. In der Ausschreibung für das Verfahren hat der Senat noch einmal die Obergrenze von 6000 Wohnungen fixiert. Damit ist eine 2018 vorgestellte Variante mit bis zu 10.000 Wohnungen, die auch einen Abriss der bestehenden Erholungsanlage Blankenburg mit Hunderten Gartenlauben und Eigenheimen und eines Golfplatzes bedeutet hätte nun endgültig verworfen. Inwiefern eine neue Straßenbahntrasse zum S-Bahnhof Blankenburg und ein Betriebshof der BVG den Gebäudebestand beeinträchtigt, ist noch offen.

Erste Entwürfe für den Blankenburger Süden im April 2020

Der „Kick off“ für das Werkstattverfahren mit vier Architekturbüros soll im November erfolgen, mit dem Ziel im April 2020 die besten Entwürfe vorzustellen. Fest steht: Auch die Wohnhäuser im Blankenburger Süden werden mit klimafreundlichen Details aufwarten. Dazu gehört Dach- und Fassadenbegrünung und die Verringerung von versiegelten Flächen durch neuartige Befestigungsmethoden, stellt die Stadtentwicklungsverwaltung in Aussicht.

Ob Großsiedlung oder Klimawald – eine Grundsatzentscheidung über den tatsächlichen Bau des Quartiers im Berliner Abgeordnetenhaus soll frühestens 2021 fallen. Wenn es dort ein positives Votum gibt, kann der Baubeginn nach weiteren Planungsschritten in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre erfolgen. Unabhängig vom Votum zum Quartier treibt der Bezirk Pankow den Bau einer Schule mit 550 Plätzen an der Heinersdorfer Straße voran. Sie könnte bestenfalls schon in zwei Jahren Grundsteinlegung feiern und wäre damit die Vorhut des Blankenurger Südens.