Pankow sagt nein

Gegen Nachtflüge in Tegel: Bürger bereiten Klagen vor

Pankower Initiative will oberste Luftfahrtbehörde mit 5000 Beschwerdeschreiben zum Handeln zwingen.

Neben Regionalmaschinen lassen auch große Langstrecken-Jets ihre Turbinen heulen - zu allen Tages- und Nachtzeiten.

Neben Regionalmaschinen lassen auch große Langstrecken-Jets ihre Turbinen heulen - zu allen Tages- und Nachtzeiten.

Foto: Thomas Schubert

Turbinengeheul zu nächtlicher Stunde, ein Grollen am Himmel zu Zeiten, in denen Ruhe herrschen sollte. Für Zehntausende Berliner, die in der Einflugschneise des Flughafens Tegel wohnen, ist das ein Störfaktor, der eher zunimmt als verschwindet. Mit einer Ausnahmegenehmigung dürfen Postflüge, Ambulanzflüge, die Flugbereitschaft der Bundesregierung, Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung, aber auch bestimmte verspätete Linienflüge trotz des Nachtflugverbots zwischen 23 und 5.59 Uhr landen.

Hat sich die Ausnahme zur Regel verkehrt? Die Initiative „Pankow sagt nein zu Tegel“ befürchtet genau das, will die Aushöhlung des Nachtflugverbots verhindern und hat jetzt eine Protestaktion gestartet. In den nächsten Tagen will sie an 5000 Haushalte in der Einflugschneise Musterbriefe verteilen. Wer sich über Fluglärm zur Unzeit beschweren möchte, braucht nur seine Daten einzutragen und kann sie weiter an die Oberste Luftfahrt- und Luftsicherheitsbehörde senden. Die wiederum müsse dann ein Antwortschreiben schicken, erklärt die Initiative. „Aufgrund dieser Antwort können Sie individuell Klage einreichen“, heißt es in der Erklärung an die Teilnehmer der Kampagne.

Senatsverkehrsverwaltung: BER soll Problem lösen

Diese Maßnahme sei nur ein erster Schritt – „wir sind dabei, auch den zweiten Schritt vorzubereiten, also die Klagewege mit Rechtsanwälten zu erörtern“. Laut des Initiativensprechers Nils B. Schulz soll die Aktion „geeignet sein, den Lärm durch Flugzeuge in der Nacht auf ein zumutbares Maß zu reduzieren“. Wer keine Unterlagen im Briefkasten findet, kann sie auch auf der Internetseite von „Pankow sagt nein zu Tegel“ herunterladen.

Inwiefern das Vorhaben Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Die Teilnehmer müssten auf dem Rechtsweg durchsetzen, dass weniger Ausnahmen zugelassen werden, obwohl die entsprechenden Szenarien in den Richtlinien geregelt sind. Die liegen in den Händen der Obersten Luftfahrtbehörde – einer Instanz, die der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr untersteht. Und hier antwortet man auf Nachfrage zur Kampagne der Pankower Initiative ausweichend. „Fluglärm ist gerade nachts eine Belastung, deshalb sind Nachtflüge am Flughafen Tegel zwischen 23 und 6 Uhr grundsätzlich nicht zugelassen und nur für bestimmte Ausnahmen möglich. Mit der Eröffnung des Flughafens BER und der Schließung des Flughafens Tegel werden künftig sehr viel weniger Menschen von Fluglärm betroffen sein als jetzt“, sagt Sprecherin Dorothee Winden.

Geht es danach, so kann also nur der Start des BER für Ruhe in den Schlafzimmern sorgen. Dass die Zahl der Nachtflüge im Zeitraum zwischen 23 Uhr und 5.59 Uhr im Laufe des vergangenen Jahres zunahm, lässt sich mit Zahlen belegen. Allein von Januar bis Oktober 2018 registrierte der Senat 1217 Starts und Landungen in der Nacht – das geht aus einer Anfrage der SPD-Abgeordneten Bettina König hervor. Die Pankower Initiative wird auch darüber debattieren. Für Mittwoch, 27. Februar, hat man um 20 Uhr, zu einer Versammlung eingeladen. Interessenten und Mitstreiter für die Kampagne sind im Stadtteilzentrum Pankow, Schönholzer Straße 10, willkommen.

Mehr zum Thema:

Nachtflugverbot: So viel kosten die nächtlichen Flüge

Trotz Verbots: 1792 Nachtflüge am Flughafen Tegel