Wenn demnächst nackte Demonstranten vor dem Rathaus Pankow aufmarschieren sollten, liegt das an der Schließung der Pankower Wellness-Oase "Saunarium." Schon seit Wochen kursierten im Ruheraum Gerüchte. Nun hat Betreiberin Franziska Witt offiziell bestätigt: Die Sauna an der Breite Straße muss Ende April nach 18 Jahren ihre Räume verlassen. Unfreiwillig, wie Witt betont. „Am 30. April endet unser Vertrag. Dann müssen wir hier leider raus.“
Nach drei Verhandlungsrunden mit der Cajewitz-Stiftung, die den 500 Quadratmeter großen Bereich um Erdgeschoss und zwei Außenanlagen an das „Saunarium“ vermietet, sehen sie und ihr Partner Eckehard Gurtz kaum noch Hoffnung auf eine Einigung. „Die Stiftung will jetzt selber hier rein“, berichtet Witt. Aber nicht, um die Wellness-Einrichtung für die Bewohner ihrer umliegenden Seniorenhäuser in Eigenregie zu betreiben, sondern um ein Verwaltungsbüro mit Concierge-Service zu eröffnen. So hat es die Senioren-Stiftung den Saunabetreibern mitgeteilt.
Auf Anfrage der Berliner Morgenpost begründet der Stiftungssprecher Peter-Alexis Albrecht den Schritt mit einem „gemeinnützigen und mildtätigen“ Einsatz zum Wohle der Alten. „Das Feld der Betreuung alter Menschen ist eine immer drängendere gesellschaftliche Aufgabe. Gewerbliche Interessen Dritter müssen gegenüber den satzungsgemäßen Zwecken der Altenhilfe zurücktreten“, schreibt Albrecht in einer Stellungnahme. Wohn- und Nutzungsraum für Senioren in großstädtischen Ballungszentren müsse verfügbar sein. Diesem Ziel sei die Cajewitz-Stiftung aufgrund ihrer Satzung sogar rechtlich verpflichtet. Seit 1999 hat die Stiftung in Pankow sechs Seniorenzentren mit 160 Wohnungen errichtet und versorgt die Bewohner mit Hausdamen, Mitarbeitern für kulturelle und soziale Betreuung und mit einer geriatrische Beratung.
Witt betont, dass sie keinen Streit sucht und die Verhandlungen freundlich und konstruktiv verlaufen seien. Man habe ihr immerhin Unterstützung beim Umzug angeboten. Dafür müssten Witt und Gurtz nur wissen, wohin die Transporter das Mobiliar bringen sollen. „Wir suchen händeringend nach geeigneten Ersatzräumen. Alles in einem Radius von zehn Kilometer kommt in Frage“, erklärt die Betreiberin. Doch kaum ein geeignetes Gewerbeobjekt in Berlin besitzt einen Garten – den will das „Saunarium“ mit seinem Tauchbecken und den Requisiten im römischen Stil aber unbedingt bespielen. Auch ein alleinstehendes Haus mit großer Freifläche kommt in Frage. Dann könnte ein Teil der Saunalandschaft auch im Freien stehen. Noch will Witt die Hoffnung nicht aufgeben und hofft, dass sich Immobilienanbieter bis April beim „Saunarium“ melden. Die Zukunft von zehn Mitarbeitern hängt davon ab.
Stiftung müsste die Sauna aufwendig zur Bürofläche umbauen
Besonders ärgerlich für die Betreiber: Sie haben in den vergangenen Jahren mehr als 25.000 Euro in die Einrichtung des „Saunariums“ investiert – nicht ahnend, dass der Aufwand für den zukünftigen Erfolg des Hauses umsonst sein würde. Die neuwertige Finnische-Sauna-Einrichtung wäre in dieser Passform an einem anderen Standort vielleicht nicht mehr zu gebrauchen. Von Anfang an wurde das Erdgeschoss des Gebäudes als Sauna konzipiert, was an den speziellen Bodenabflüssen zu bemerken ist. Wenn die Stiftung hier ein Büro einrichten wollte, müsste sie die Etage aufwändig entkernen, meint Witt. Und fragt sich, ob es nicht einfacher und billiger wäre, andernorts ein fertiges Büro zu mieten.
Abwegig scheint die Eröffnung eines Cajewitz-Büros an dieser Stelle trotzdem nicht. Im Nachwende-Neubau, der die Räume des „Saunariums“ beherbergt, befinden sich bereits stiftungseigene Seniorenwohnungen. Viele der Nachbarn berichten aber, dass sie im Erdgeschoss lieber weiter in der Sauna schwitzen würden als bürokratische Angelegenheiten zu regeln oder einen Concierge-Service zu nutzen.
Schwerere Geschütze fährt eine andere Gruppe von Stammbesuchern des „Saunariums“ auf. Sie hat eine Petition gestartet und sammelt Unterschriften gegen die Schließung der Einrichtung. In wenigen Tagen fanden sich 250 Unterstützer. Und dann ist da noch die Idee einer Nacktdemo vor dem Rathaus. Sie zielt auf eine Einmischung der Politik. Ob Sozialstadträtin Rona Tietje (SPD) mit der Stiftung verhandeln kann? Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen.
Wenn das „Saunarium“ tatsächlich schließt, werden die Pankower bis 2025 ohne Aufgüsse und Massagen auskommen müssen. Dann bauen die Berliner Bäder-Betriebe an der Wolfshagener Straße ein Spaßbad für 5000 Besucher pro Tag. Eine neue Sauna gilt als gesetzt.



