FKK

Weniger Haut: Nacktbaden in Berlin auf dem Rückzug

Ab Februar dürfen Gäste im Meridian Spa in Spandau nicht mehr textilfrei schwimmen. Die Gründe und wo FKK-Freunde willkommen sind.

In diesem Pool des Meridian Spa in Spandau darf demnächst nur noch mit Bikini oder Badehose gebadet werden.

In diesem Pool des Meridian Spa in Spandau darf demnächst nur noch mit Bikini oder Badehose gebadet werden.

Foto: Meridian Spa & Fitness

Bye bye FKK heißt es ab 1. Februar im Meridian Spa in den Spandau Arkaden. Ein Einschnitt für alle, die gern textilfrei baden und entspannen. Durften Gäste bisher wählen, ob sie mit oder ohne Badekleidung in den Pool gehen oder auf der Liege relaxen, müssen sie sich demnächst bedecken. Im Wasser ist Bikini- oder Badehose Pflicht, in den Ruhezonen und beim Herumlaufen sollen die Besucher den Intimbereich zumindest mit einem Handtuch verhüllen.

Wird Berlin etwa prüde? Nur noch eine Handvoll Bäder und Spas der Hauptstadt bieten das Nacktbaden an. Unter den städtischen Bädern hat lediglich das Stadtbad Neukölln noch ein kleines Zeitfenster für FKK-Fans geöffnet. Auch bei den privaten Betreibern ist nackte Haut meist nur im Saunabereich erwünscht. Die wohl bekannteste Ausnahme ist das Vabali Spa in Moabit. Hier wird textilfrei gebadet und sauniert - wie in der Kristall Saunatherme im brandenburgischen Ludwigsfelde.

Die Einstellung zu FKK hat sich geändert

Das Meridian Spa erklärt seinen Schritt hin zum Textil mit dem Wunsch vieler Gäste nach mehr Diskretion und Rücksichtnahme. Es habe zwar keine massiven Beschwerden oder gar Vorfälle gegeben, sagt Christin Lüdemann, stellvertretende Geschäftsführerin bei Meridian Spa & Fitness. Doch habe sich die gesellschaftliche Einstellung zur Freikörperkultur offenbar gewandelt. "Viele unserer Mitglieder sagen: 'In der Sauna ist Nacktheit für mich ok'. Doch außerhalb wird sie als zu direkt und nah empfunden."

Die neue Regelung soll für mehr Wohlbefinden für alle Besucher führen. Im Spa in Frankfurt/Main habe man bereits gute Erfahrungen damit gemacht, sagt Lüdemann. Die in Berlin und Hamburg praktizierte Devise "Jeder wie er mag" habe dort für Irritationen gesorgt, so dass man sie kurz nach der Eröffnung gleich wieder abgeschafft habe. Nun gilt Textilpflicht in allen Meridian Spas in Deutschland. Ausgenommen bleibt der Saunabereich: Beim Schwitzen, im Kalttauchbecken und im Whirlpool muss man aus hygienischen Gründen weiterhin die Badekleidung ablegen.

Der Trend zeigt sich auch in der Bademode

Auch bei den Berliner Bäderbetrieben beobachtet man den Trend, eher weniger als mehr zu zeigen. Wegen des sinkenden Interesses am Nacktbaden gibt es nur noch im Stadtbad Neukölln die Möglichkeit zum Schwimmen "ohne". "Die Zeiten, in denen es als Zeichen von gesellschaftlicher Freiheit galt, nackt zu baden, sind vorbei", sagt Bädersprecher Matthias Oloew. "Heute fühlt man sich auch angezogen frei."

Gleichzeitig steige der Wunsch nach Privatsphäre, stellt Oloew fest. Gerade die Jüngeren legten viel Wert auf Einzelumkleiden. "Und anders als früher, wo Garderobentüren auch mal offen blieben, werden sie heute geschlossen." So ist es nicht überraschend, dass auch bei den Bademoden die Freizügigkeit abnimmt. Stringtanga im Stadtbad? Fehlanzeige. Zu sehen sind überwiegend sportliche Bikinis und der klassische Badeanzug. Statt Haut zeigt man Fitness.

In den Pool mit Textilien, in die Sauna ohne: So wird an den meisten Orten in Berlin gebadet und sauniert. Auch im exklusiven Club Olympus Spa & Fitness Center im Grand Hyatt am Marlene-Dietrich-Platz (Tageskarte: 70 Euro pro Person). Eine andere Regelung kommt dort auch gar nicht infrage. "Wir haben ein sehr internationales Publikum, mindestens die Hälfte unserer Gäste kommt nicht aus Europa", sagt eine Mitarbeiterin. "Ihnen ist schon das in Deutschland übliche textilfreie Saunieren häufig unbekannt und schwierig zu erklären."

Kein lästiges An- und Ausziehen

Doch auch wenn die Nachfrage abnimmt: FKK-Inseln wird es in Berlin weiter geben. "Wenn wir die Nacktbadezeiten in Neukölln einschränken würden, gäbe es Proteste", weiß Bädersprecher Oloew. Und bei anderen Betreibern gehört die Freikörperkultur fest zum Konzept. So ist im Vabali Spa am Fritz-Schloß-Park in Moabit das Nacktbaden ausdrücklich erwünscht. Der dortige Spa-Knigge liest sich so: In die Sauna und in die Pools geht es textilfrei. Außerhalb der Saunen und Pools müssen die Gäste einen Bademantel tragen.

"Diese Regelung gehört sei der Eröffnung des Vabali im Juni 2014 zum Wellness-Konzept", sagt Pressesprecherin Roaya El Tahwy. Sie werde von den Besuchern, darunter viele Berliner Stammgäste, auch gut angenommen. Die Regelung hat einen entscheidenden Vorteil: Die Gäste müssen sich nicht ständig an- und ausziehen, der Kampf mit nassen Badeklamotten entfällt. Auf der Website und am Eingang werden die Besucher deutlich auf die Textilfreiheit hingewiesen. Dann geht es im Vabali nur noch um eins: Entspannung pur.

Ähnlich sieht es in der Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde aus. Hier gehört FKK fest dazu - ob in den Becken, auf den Liegen oder in den Saunen. Ausnahme ist das Sportbad. Auch in der Poolbar schlürft man den Cocktail nackt. Nur mittwochs und in der Familienzeit am Sonntag (zwischen 9 bis 17.30 Uhr) gibt es eine Ausnahme: Da ist das Baden wahlweise mit oder ohne Textilien erlaubt.

Die Reaktionen sind gemischt

Das Meridian Spa befürchtet nicht, durch seine Textil-Offensive Gäste zu verlieren. "Ich sehe die Regeländerung nicht als Verschärfung, sondern eher als Angleichung an die Praxis in anderen Spas", sagt Christin Lüdemann. Es werde auch keine "Wellness-Polizei" im Spa geben. Schon jetzt werden Gäste auf die Veränderung ab Februar hingewiesen. Die Reaktionen? Es gibt Kritik - aber genauso viel Lob für die Entscheidung.

Möglichkeiten zum Nacktbaden:

Stadtbad Neukölln, Ganghoferstraße 3, 12043 Berlin, Tel. 22 19 00 11. FKK-Baden in der Großen Halle immer sonntags und montags von 20 bis 22.30 Uhr. Kosten: sonntags zum Haupttarif (5,50 Euro), montags zum Abendtarif (3,50 Euro). Die 3-Stunden-Sauna-Karte kostet zusätzlich 16 Euro (geöffnet täglich von 10 bis 22.30 Uhr, montags nur für Frauen). Mehr Infos auf der Website

Vabali Spa Berlin, Seydlitzstraße 6, 10557 Berlin, Tel. 911 48 60. Öffnungszeiten: täglich 9 bis 24 Uhr. Die 2-Stunden-Karte kostet montags bis freitags 21,50 Euro, an Wochenenden 23,50 Euro. Mehr Infos auf der Website

Kristall Saunatherme Ludwigsfelde, Fichtestraße, 14974 Ludwigsfelde, Tel. 03378 / 518 79-0. Öffnungszeiten: So bis Do 9 bis 22 Uhr, Fr und Sa 9 bis 23 Uhr. Eintrittspreise: Textilfreie Saunatherme: drei Stunden Erwachsene 19,50 Euro, Kinder/Jugendliche (6-15 Jahre) 10,80 Euro, Kinder unter 6 Jahren 6 Euro. Mittwochstarif Saunatherme (Baden mit oder ohne Textil): 15,50 Euro / 8,50 Euro / 6 Euro. Mehr Infos auf der Website

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