„Ich habe schon mal etwas darüber in der Zeitung gelesen, aber jetzt kann ich mir endlich vorstellen, was das hier eigentlich soll“, sagt Britta Nehmann. Sie wohnt auf der Weddinger Seite des Mauerparks, und in den vergangenen Monaten war die Baustelle vor ihrer Tür ziemlich laut und anstrengend. „Bis vor zwei Wochen war sogar nachts Lärm“, erzählt die 43-Jährige. Am Sonnabendmittag ist sie zur Besichtigung des neuen Stauraumkanals der Berliner Wasserbetriebe unter dem Park zwischen Gleim- und Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg gekommen. Der wurde vor 14 Tagen fertiggestellt.

Nehmann ist eine von rund 1600 Interessierten. Am Südeingang an der Eberswalder Straße werden sie mit Helm und Warnweste ausgerüstet. Von dort geht es fast zwölf Meter hinunter, zunächst vorbei an der Heiligen Barbara – der Schutzheiligen der Grubenarbeiter, die als kleine Figur am Eingang des 654 Meter langen Tunnels steht. Lampen, die alle paar Meter an den Wänden befestigt sind, tauchen die runde Stahlbetonröhre abwechselnd in blaues, grünes und pinkfarbenes Licht. Wer will, kann sich am Eingang ein Stück Kreide mitnehmen und sich künstlerisch an den Wänden verewigen. In bunten Farben finden sich dort nun politische und philosophische Botschaften, Filmzitate, klare Bekundungen zum Lieblingsfußballverein oder Häme über einen anderen. „Man muss ja auch mal festhalten, dass der HSV in der Zweiten Liga spielt“, sagt Markus Felgmann, nachdem er seine Botschaft fertiggeschrieben hat. Daneben erfährt man, dass Anja, Karla, Jens und Norbert hier waren und sich Hansi und Petra wohl für immer lieben werden.

Erstmals ist ein Bauprojekt dieser Dimension zugänglich

Es ist das erste Mal, dass die Wasserbetriebe ein Bauprojekt in dieser Dimension der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Ziel der zweitägigen Aktion sei es, für Akzeptanz und Verständnis zu werben, sagt Unternehmenssprecher Stephan Natz. „Wir waren mit der Baustelle unter den Leuten, mitten im Verkehr und im Wohngebiet, immer ein Fremdkörper.“ Passanten hätten oft Fragen gestellt. Dass man das Ergebnis zu gegebener Zeit zeigen wolle, habe bereits länger festgestanden. „Ein echter Blick sagt halt mehr als Worte oder Fotos“, so Natz.

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Das scheint gelungen, wie eine kurze Umfrage unter den Besuchern ergibt. Klara Weinhold aus Pankow bestätigt: „Die Organisation war gut und wir sind jetzt gut im Bilde, was hier geschieht.“ Das sei insbesondere dem Audio-Guide zu verdanken, auf dem Sprecher Natz alle wesentlichen Informationen rund um das Projekt zusammengefasst hat.

Der Zwischenspeicher ist Teil des Stauwasserprogramms, das in den 90er-Jahren zwischen den Wasserbetrieben und dem Land Berlin verabredet wurde. Ziel war es, die Kapazität der unterirdischen Wasserspeicher von damals 90.000 auf 300.000 Kubikmeter zu erhöhen. „240.000 sind bereits fertig und mit diesem Tunnel kommen weitere 7600 dazu“, so Natz. Er sei damit der größte Berlins. Die Baukosten lagen bei 20 Millionen Euro.

Notwendig seien diese Speicher aus ökologischen Gründen. Wo es am Berliner Stadtrand getrennte Systeme für Ab- und Regenwasser gibt, fließen sie in der Innenstadt gemeinsam ab. Diese deutlich ältere Mischwasserkanalisation stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. „Und für sehr starke Regenfälle ist dieses System nicht gemacht“, sagt Natz. Denn dann könnten die Klärwerke nicht die komplette Wassermenge in Echtzeit stemmen. Ein Teil würde mit Fäkalien belastet direkt in die Gewässer fließen – in der nordöstlichen Innenstadt über die Panke in die Spree. Die Folge: mehr Nährstoffe, weniger Sauerstoff und letztlich sterbende Fische. In den Speichern kann Wasser zurückbehalten werden, bis die Klärwerke entlastet sind. Der Speicher unter dem Mauerpark kann dann binnen 21 Stunden abgepumpt werden. Der Tunnel soll Ende 2019 in Betrieb genommen werden und ist für 50 solcher Flutungen im Jahr geplant. Bereits Anfang kommenden Jahres sollen die Gleise der Tram M10 wieder an ihren ursprünglichen Ort verlegt werden.

Tunnelbesichtigung auch am Sonntag noch möglich

Auch am heutigen Sonntag kann der Tunnel noch zwischen 9 und 16 Uhr besucht werden. Alle Plätze waren zwar schon Mitte der Woche ausgebucht. „Wir dürfen wegen Brandschutzauflagen nur Gruppen von maximal 99 Personen reinlassen“, sagt Natz. Allerdings könnten Interessenten ohne Voranmeldung doch eine Chance haben, denn immer mal würden Plätze kurzfristig frei. Aus Sicherheitsgründen sind Kinder unter zwölf Jahren nicht zugelassen. Man schaue aber nicht so genau auf die Ausweise, so Natz.

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