Radweg statt Parkstreifen

Parkplätze an der Schönhauser Allee sollen verschwinden

Es gibt einen neuer Plan zur Rettung des Verkehrswende-Projekts in Prenzlauer Berg. Die CDU und der ADAC üben aber Kritik.

Radeln mit Hindernissen: Auf der Schönhauser Allee bleibt Radfahrern bislang nur ein schmaler Streifen

Radeln mit Hindernissen: Auf der Schönhauser Allee bleibt Radfahrern bislang nur ein schmaler Streifen

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Auf schmalen Wegen drängen sich täglich Tausende Radfahrer auf der Schönhauser Allee, quälen sich hinauf und hinab. Väter mit Lastenrädern neben Frauen auf Citybikes und Studenten auf Rennflitzern – dieses Durcheinander auf engstem Raum ist Alltag. Im August wurde klar: An dem Ist-Zustand wird sich so bald nichts ändern. Und das, obwohl ein Umbau der Schönhauser Allee zugunsten von Radfahrern als Paradeprojekt der rot-rot-grünen Landesregierung galt.

Doch bei den Voruntersuchungen mit einem Planungsbüro stellte die Senatsverwaltung für Verkehr fest: Einen der beiden Fahrstreifen der Schönhauser Allee in Richtung Pankow als breiten Radweg auszuweisen und den motorisierten Verkehr auf eine einzige Fahrspur zu beschränken, hätte gravierende Folgen. Selbst auf dem kurzen Abschnitt zwischen Stargarder und Wichertstraße könnte die Verengung auf eine Pkw-Fahrbahn, die sich Autos dann auch noch mit der Straßenbahn teilen müssten, zum Verkehrskollaps führen. Außerdem stellte sich heraus, dass die Finanzierung des Projekts aus einem Förderprogramm der Bundesregierung nicht funktioniert.

Nach dieser Vollbremsung folgt jetzt ein neuer Anlauf. Statt den fahrenden Autos Raum wegzunehmen, sollen die Verkehrsbehörden die Möglichkeit prüfen, alle Parkplätze am Rand der Schönhauser Allee zu streichen – zunächst zwischen Stargarder und Wichertstraße in Fahrtrichtung Norden. So haben es die Bezirksverordneten in Pankow mit den Stimmen der rot-rot-grünen Zählgemeinschaft beschlossen. Der gewonnene Platz käme dann den Radfahrern zugute. Und den bisherigen Radstreifen auf dem Bürgersteig könnte man danach den Fußgängern zuschlagen. Dies würde allerdings bedeuten, dass im betroffenen Abschnitt rund 35 Parkplätze wegfielen.

„Mit dieser Umgestaltung sollen eine geschützte, durchgängige und extrabreite Radverkehrsanlage und ein verbreiterter Gehweg entstehen, mit denen dem rasant steigenden Rad- und Fußverkehr Rechnung getragen wird“, heißt es im Antragstext der Pankower Grünen.

Nur ein erster Schritt

Der verhältnismäßig kleine Abschnitt von zwei Straßenblocks soll aber nur ein erster Schritt sein. Als Endziel gilt die komplette Umgestaltung der Allee in Fahrtrichtung Pankow zwischen der Eberswalder und der Bornholmer Straße nach diesem Schema. Damit wären etwa 100 Parkplätze von der Streichung bedroht.

Das Bezirksamt leitet die Forderung nun an die Senatsverkehrsverwaltung weiter, die prüft und entschiedet. Aber auch den ursprünglichen Plan, eine Fahrspur für Radfahrer umzuwidmen, will man im Hause von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) noch nicht begraben – trotz des Rückschlags im August. Laut Sprecher Matthias Tang wird derzeit untersucht, eine Straßenbahnhaltestelle zu verlegen und die Ampelschaltung der angrenzenden Kreuzungen so zu ändern, dass man doch mit einer einzigen Pkw-Fahrspur auskommt. Außerdem suche man nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für das Projekt.

Pankow bevorzugt nur Streichung der Parkspur

In Pankow will man so lange nicht mehr warten. Hier bevorzugen die Fraktionen von Linke, Grünen und SPD nun die einfache Variante, die nur die Streichung der Parkspur umfasst und die Pkw-Fahrspuren unberührt lässt. „Das funktioniert einfach und ohne viel Tamtam“, nennt der SPD-Verordnete Roland Schröder den Vorteil. „Radfahren ist ein gefährliches Abenteuer, das momentan zu viele mit Leben bezahlen“, mahnt Dirk Gloger von den Grünen zur Eile.

Doch selbst den kleineren Umbauvorschlag lehnt der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, strikt ab. Er sagt: „Der Parkstreifen sollte bleiben. Es gibt ohnehin kaum noch Parkplätze dort. Und Prenzlauer Berg wächst überdurchschnittlich.“ Nur unter einer Ausnahme könne man Parkplätze streichen: wenn man sie in gleicher Zahl in direkter Nähe neu anlege.

Kritik vom ADAC

Kritik an der Idee übt auch der ADAC Berlin-Brandenburg. „Die Schönhauser Allee ist von extremer Bedeutung für den Pendlerverkehr. Eine Reduzierung von Parkplätzen würde hier zu weitreichenden Problemen führen, zum Beispiel für den Lieferverkehr. Die Folge wäre ein zunehmender Parksuchverkehr, der für noch höhere Umweltbelastungen sorgt“, erklärt ADAC-Sprecherin Sandra Hass. Seit Langem fordert der Club ein separates Fahrradstraßennetz, das parallel zu den Hauptverkehrsrouten verläuft.

Andere Ziele verfolgen der ADFC und der Verein Changing Cities. Nach einem tödlichen Unfall am 8. September auf der Kastanienallee wollen sie bestimmte Straßen, auf denen Radfahrer, Pkw und Straßenbahn gemeinsam fahren, für den motorisierten Verkehr komplett sperren. Changing-Cities-Sprecher Jens Blume ärgert sich besonders über das Verwirrspiel, das um die Pläne zur Schönhauser Allee entstanden ist. Mit dem zögerlichen Handeln habe die Senatsverwaltung für Verkehr die Radfahrer im Stich gelassen.

Das ist Berlins absurdester Radweg

Nein, dies ist kein analoges Tetris-Spiel von Schülern. Dies ist ein Fahrradweg auf der der Leo-Baeck-Straße in Steglitz-Zehlendorf.
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