Kein breiter Radweg

Verengung der Schönhauser Allee: Projekt liegt auf Eis

Der Senat lässt auf der Magistrale Sitzmöbel aufstellen, verzichtet aber auf eine breitere Spur für Radfahrer - ein Rückschlag.

Auf der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg bleiben Radfahrern auch weiterhin nur schmale Streifen auf dem Bürgersteig

Auf der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg bleiben Radfahrern auch weiterhin nur schmale Streifen auf dem Bürgersteig

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es ist ein Balanceakt. Zwischen Baugerüsten und Autotüren schlängeln sich Tag für Tag Karawanen von Radfahrern die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg entlang. Auf schmalen Spuren zwischen den Bürgersteigen und Autotüren werden sie von Bodenwellen geschüttelt, von Falschparkern gestoppt, von überholenden Fahrradkurieren bedrängt. Mit dem Rangeln auf engstem Raum sollte es eigentlich bald vorbei sein.

Doch jetzt liegt die geplante Umwandlung einer Autofahrspur in einen breiten Radweg zwischen Stargarder und Wichertstraße in Fahrtrichtung Pankow auf Eis. Denn die Gefahr, einen Verkehrskollaps zu erzeugen, scheint zu groß. „Wir können die Konsequenzen nicht tragen“, sagte Dirk Bartel, Planer bei der Senatsverwaltung für Verkehr, im Rahmen einer Veranstaltung. Sie war dazu gedacht, Bedenken von Einzelhändlern gegen die Verkehrswende zu zerstreuen.

Bei der Präsentation des gemeinsamen Projekts „2Rad 1Kauf 0Emissionen“ zeigten Vertreter der Technischen Universität Berlin (TU) am Dienstagabend, wie sich Gewerbetreibende besser auf Kunden einstellen können, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen. Im Fall der örtlichen Händler liege der Anteil dieser Kunden schon jetzt bei mehr als 70 Prozent, sagte Luisa Lorentz-Leder, die Centermanagerin des Shoppingcenters Schönhauser Allee Arcaden.

Doch jetzt ist klar: Die Straße vor dem Center wird sich dem zunehmenden Radverkehr nicht so anpassen lassen wie erhofft. Bedenken gibt es laut Bartel nicht nur bei der Frage, wie man die Magistrale auf eine Fahrbahn verengen kann, ohne andere Straßen massiv zu belasten, sondern auch bei der Finanzierung des Projektes.

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Senat plant bereits andere Finanzierungsmöglichkeiten

Nach bisherigen Überlegungen sollte für den Umbau der Schönhauser Allee eine Förderung durch das Bundesumweltministerium für ein Vorhaben im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative beantragt werden. Dann ließ der Senat ein Ingenieurbüro die Pläne konkret prüfen. „Dabei wurde festgestellt, dass dieses Projekt für diese Fördermöglichkeit zu klein ist. Wir haben es deswegen zurückgestellt“, sagte der Planer. Zwar prüfe der Senat bereits andere Finanzierungsmöglichkeiten, „aber wir können den Umbau nicht in den nächsten ein oder zwei Jahren behandeln“. Erklärtes Ziel bleibe es, „Flächengerechtigkeit zwischen dem motorisierten und dem nichtmotorisierten Verkehr herzustellen“.

Parklets aus der Kreuzberger Bergmannstraße ziehen um

Schon im September wird dafür eine andere Maßnahme umgesetzt. An vier Stellen können Fußgänger auf den Bänken von sogenannten Parklets Platz nehmen. Die hölzernen Sitzmöbel will die Senatsverwaltung für Verkehr in der Bergmannstraße in Kreuzberg abbauen und dafür auf der Schönhauser Allee montieren lassen. Jedes Parklet nimmt dabei den Raum von jeweils zwei Parkbuchten auf dem Seitenstreifen der Straße ein. Als Standorte im Gespräch sind die Kinderkunstgalerie Klax, das Blumencafé und die Schönhauser Allee Arcaden.

Anfang 2019 wollen Senat und Bezirksamt dann das Sammelsurium von Fahrradbügeln an der Straße neu ordnen. Dabei könnten auch doppelstöckige Radständer zum Einsatz kommen, sagte Vollrad Kuhn (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung in Pankow. Außerdem werden die Parklets mit neuen Fahrradabstellplätzen kombiniert. Für Kuhn ist klar: Wenn sich Straßen nicht einengen lassen, müssen Verkehrsplaner Autoparkplätze streichen. „Wir wollen ran an den ruhenden Verkehr“, so der Stadtrat. Die Umwandlung von Parkbuchten in Parklets sieht er als ersten Schritt.

Dass eine Verkehrswende im Sinne von Radfahrern und Passanten größere bauliche Veränderungen braucht, betonte bei der Veranstaltung TU-Professor Oliver Schwedes: „Der öffentliche Raum muss neu aufgeteilt werden. Und diese Änderung vollzieht sich nicht konfliktlos.“

Überzeugungsarbeit bei Händlern

Im Rahmen des Projekts „2Rad 1Kauf 0Emissionen“ habe man bei Händlern in Prenzlauer Berg Überzeugungsarbeit leisten müssen, betonte Schwedes Mitarbeiterin Susanne Thomaier. „Es gibt die alte Vorstellung, dass man Umsatz einbüßt, wenn Kunden nicht den Kofferraum eines Autos volladen.“ Sie sieht dieses Vorurteil durch das Projekt, an dem sich in den vergangenen zwei Jahren 15 Händler an der Schönhauser Allee beteiligten, widerlegt.

Nun kann man an der Straße ein Lastenfahrrad ausleihen, bekommt kostenlose Warnwesten und kann in vielen Läden Luft aufpumpen. „Radfahrer kaufen zwar nicht so viel ein wie Autofahrer. Dafür kommen sie öfter wieder und halten an mehreren Geschäften“, so Thomaier. Aber noch heißt es: Durchkommen auf dem schmalen Radwegen der Schönhauser Allee.

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