Mitbestimmung

Berliner sollen bei der Gestaltung von Parks mitbestimmen

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Hier spielt die Musik: Der Pavillon am Rosengarten soll sich wieder in eine Konzertkulisse verwandeln

Hier spielt die Musik: Der Pavillon am Rosengarten soll sich wieder in eine Konzertkulisse verwandeln

Foto: Thomas Schubert

Der Bürgerpark in Pankow soll sich neu erfinden. Ein Verein fragt Besucher nach ihren Wünschen. Für den Görli gibt es einen Rat.

Berlin. Noch ist es nur ein Sockel. Aber hier, in einem schattigen Winkel des Pankower Bürgerparks, soll nicht etwa eine Statue stehen. Das steinerne Podest wird zur Bühne für jeden, der sich seinen Mitmenschen vorstellen will. Und dabei Wünsche äußert für die künftige Entwicklung dieses Erholungsorts. „Du bist der Park“ – so nennt Christian Friedrich, der Vorsitzende des Bürgerpark-Vereins Pankow, die Aktion für mehr Mitbestimmung.

Spaziergänger erklimmen den Sockel und sagen ihre Meinung – das ist die Idee des Vereins. So entsteht eine „Speakers’ Corner“ wie im Londoner Hyde Park, hier aber mit lokalpolitischem Bezug. Ob an der Nervenklinik in Wittenau oder am Olivaer Platz in Wilmersdorf – oft genug haben Berliner über mangelnde Mitsprache bei der Planung ihrer Umgebung geklagt. In Pankow melden sie sich selbst zu Wort.

Verein pflegt auch die Beete des Bürgerparks

Damit beim Vorsprechen niemand in Vergessenheit gerät, dürfen sich die Parkbesucher am 17. August ab 17 Uhr bei ihrem Kurzvortrag fotografieren lassen. Zur Kamera greift Autorin Cally Stronk, die Geschehnisse im Bürgerpark regelmäßig dokumentiert. Wer sich anmelden will, findet eine Liste in der Buchhandlung „Pankebuch“ in der Wilhelm-Kuhr-Straße vor den Toren des Parks.

Auch im Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg dürfen Anwohner Einfluss nehmen auf die Zukunft eines Grünzugs. Für den Görlitzer Park, der wegen seiner Drogenszene von sich reden macht, dürfen Nachbarn einen Parkrat wählen, teilte das Bezirksamt am Freitag mit. „Der Görli sucht dich“, heißt es im Aufruf zur Kandidatur. Das elfköpfige Gremium darf Ideen zu Bauvorhaben entwickeln und über Projekte mitentscheiden. Wer für den Parkrat kandidieren will, kann sich bis zum 3. September beim Bezirksamt anmelden.

Die Beteiligungsaktion in Pankow liegt zunächst in den Händen des Bürgerpark-Vereins. „Wir finden, in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung ist es wichtig, sich wieder persönlich zu begegnen, etwas Konstruktives zu machen und einander zuzuhören. Deswegen ist das Motto unseres Vereins: Machen statt motzen“, erklärt Christian Friedrich. Dass der Verein tatsächlich „machen“ darf, geschieht mit Zustimmung des Pankower Grünflächenamts, das den ehrenamtlichen Helfern auch sonst frei Hand lässt. Zum Beispiel beim Gärtnern. Wenn auf den Beeten vor dem imposanten Torbogen jedes Jahr Stiefmütterchen und Sommerblumen sprießen, dann nur wegen ständiger Pflegeeinsätze des Bürgerpark-Vereins.

Wie viel Platz soll für Sportler da sein? Wie viele Veranstaltungen verträgt der stark genutzte Erholungsort? Wo sollen Mütter mit Kleinkindern Ruhe finden? Schon vor der Aktion „Du bist der Park“ stellten sich Christian Friedrich und seine 30 Mitstreiter solche Fragen. Eine erste Evaluation im Jahre 2016 zeigte bereits: Pankow ist uneins, zumal sich im Park auch sehr verschiedene Besuchergruppen tummeln: Hier sind Kaffeerunden von Senioren und Qi-Gong-Kreise gleichermaßen heimisch.

Ähnlich wie es auch im Görlitzer Park geschah, ließ das Bezirksamt Pankow den Bürgerpark Pankow mit Umbaumaßnahmen aufwerten. Ende Juli kamen die monatelangen Sanierungsarbeiten zum Abschluss. Dabei wurden 4000 Quadratmeter Wegfläche mit einem wasserfesten Belag ausgestattet, berichtet die Abteilung von Vollrad Kuhn, der als Grünen-Politiker in Pankow das Stadtentwicklungsressort leitet. Außerdem ließ das Bezirksamt alle Bänke aufarbeiten, zehn neue Sitzgelegenheiten beschaffen und den historischen Rosengarten denkmalgerecht umgestalten, teilt Kuhns Sprecherin mit. 385.000 Euro standen für Gestaltungsmaßnahmen zur Verfügung. Am deutlichsten ins Auge springt die neue Holzkonstruktion zu beiden Seiten des markanten Pavillons an der Panke. Die alten Balken waren so sehr verwittert, dass sie zu brechen drohten.

Pavillon als Konzertkulisse

Geht es nach Rainer Gehrmann, spielt hier künftig die Musik. Mit seinem Partner Moritz Fleck übernahm der Event-Manager im Frühling die Bewirtschaftung des Parkcafés „Rosengarten.“ Den Pavillon wollen sie wieder in eine Konzertkulisse verwandeln. „Bis in die 30er-Jahre war der Pankower Bürgerpark der wohl beliebteste Ausflugsort im Berliner Norden“, erinnert Gehrmann, der sich auch im Vorstand des „Vereins für Pankow“ engagiert. Bald soll hier mehrmals im Jahr Musik erklingen. „Auf der Anhöhe gegenüber des Pavillons wurde früher getanzt. Da wollen wir wieder hin“, sagt Gehrmann. Anders als unter dem alten Pächter soll die Bewirtung im Café zum Herbst nicht enden. „Wir werden den Park ganzjährig bespielen“, verspricht Fleck.

Schon im September will Gehrmann mithilfe der Pankower Vereine die Parkbibliothek an der großen Liegewiese wiederbeleben. „Das war einmal ein Prototyp für Büchereien in anderen Stadtparks der DDR“, erinnert Gehrmann. Als der Bezirk die Bibliothek nicht mehr betreiben konnte, verkam der denkmalgeschützte Bau. Knapp 100.000 Euro wird die Wiederherrichtung kosten.

Bis der Umbau beendet ist, wird auch der Sockel der „Speakers’ Corner“ eine neue Bestimmung haben. Laut Bezirksamt dürfen hier künftig Pankower Künstler ihre Werke präsentieren. Wann die ersten Ausstellungen starten, bleibt offen. Und bis dahin gehört das Podest den Bürgern.