Berlin

Es ist ein Kreuz mit dem Karower Kreuz

Der Bahnknoten im Berliner Nordosten wird für 200 Millionen Euro modernisiert. Die Fahrgäste werden viele Jahre Behinderungen im Zugverkehr hinnehmen müssen

Wer mit der Bahn von Berlin in Richtung Ostsee fahren will, muss aktuell mehr Fahrzeit und immer mal wieder ein paar Überraschungen einplanen. Die Intercity-Züge auf die Insel Rügen, aber auch die Regionalexpresszüge nach Rostock (RE5) und Stralsund (RE3) werden umgeleitet, einige Fahrten fallen sogar ganz aus. Auch auf dem nördlichen Streckenast der S-Bahnlinie 2 kommt es zwischen Blankenburg und Buch immer wieder zu Sperrpausen. Und das wird auch noch viele Monate lang so bleiben.

Schuld daran ist eine neue Großbaustelle der Bahn im Berliner Nordosten. Anfang Februar hat das bundeseigene Verkehrsunternehmen mit dem Umbau des kaum bekannten, für den Bahnverkehr in und um Berlin aber überaus wichtigen Bahnknotens begonnen. Die Arbeiten werden laut Projektleiter Jens Kulecki mindestens bis 2020 dauern. „Der Abschluss aller Restarbeiten erfolgt wahrscheinlich erst 2022“, sagt er. Bis dahin sollen die Anwohner durch 8491 Meter lange Wände und andere Maßnahmen besser vor dem Lärm der Züge geschützt sein.

Das Projekt „Nordkreuz–Karow“ ist eines der letzten aus dem nach der deutschen Wiedervereinigung gestarteten Milliarden-Programm zur Wiederherstellung und Modernisierung der Bahn-Infrastruktur im Osten des Landes. Pläne für den Umbau des Karower Kreuzes gibt es daher schon seit 1992. Doch immer wieder wurde das sehr komplexe und zudem teure Projekt zurückgestellt. Projektleiter Kulecki rechnet mit Investitionen in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Umbau des weitaus bekannteren Ostkreuzes ist mit 411 Millionen Euro veranschlagt.

In der ersten Bauphase bis April 2018 soll ein Engpass auf der auch als „Stettiner Bahn“ bekannten Fernbahntrasse beseitigt werden. Derzeit steht auf der 4,6 Kilometer langen Strecke zwischen Pankow und Karow nur ein Gleis zur Verfügung. Dort kann eine einzelne Zugverspätung erhebliche Folgen für alle nachfolgenden Züge haben. Nun soll ein zweites Gleis Abhilfe schaffen. Dafür müssen aber erst einmal die Bahndämme verbreitert und zudem acht Eisenbahnbrücken, gebaut zwischen 1910 und 1952, erneuert werden.

Wie schwierig das ist, wird bereits jetzt beim Bau einer Kurve deutlich, über die Züge nach Rostock an der Baustelle vorbeigeleitet werden sollen. Der „schwierige Baugrund“ hat laut Projektleiter Kulecki dafür gesorgt, dass die Ausweichtrasse nicht wie angekündigt ab 6. Juni zur Verfügung stehen wird. Erst ab 14. Juni kann der Intercity Berlin-Rostock RE5 wieder über Karow fahren. Die Line RE3 bleibt vorerst weiter geteilt: Im Norden werden die Züge zwischen Bernau und Berlin über Lichtenberg umgeleitet, das verlängert die Fahrzeit um etwa 25 Minuten.

Die umfangreichsten Beeinträchtigungen stehen den Bahnkunden, speziell den S-Bahn-Nutzern, aber erst noch bevor. Ab November ist eine insgesamt sechswöchige Einstellung des Zugverkehrs auf der S2 zwischen Blankenburg und Buch geplant. In dieser Sperrpause sollen mehrere neue Brücken „eingeschoben“ werden. Bereits im Vorjahr hatte es im Herbst eine vierwöchige Unterbrechung des S-Bahnverkehrs mit einem teils chaotischen Busersatzverkehr gegeben. Es gebe intensive Gespräche auch mit den Berliner Behörden, es beim nächsten Mal besser zu machen, sagt Kulecki.

Auch einen Wunsch der Berliner Verkehrspolitik, die Option für einen Turm-Bahnhof, hat die Bahn in der Planung berücksichtigt. Konkrete bauliche Vorleistungen seien vom Senat aber nicht bestellt, so Kulecki. Dahinter steht die Idee, in Karow einen Umsteigepunkt zwischen den sich dort kreuzenden Regionalbahnlinien zu schaffen. Eine Vision, mit deren Verwirklichung wohl erst nach 2022 gerechnet werden kann.

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