Berlin ist das einzige deutsche Bundesland, in dem sich kein Windrad dreht. Das soll sich bald ändern. Die Senatsumweltverwaltung hat jetzt erstmals die Genehmigung einer Windkraftanlage zur Stromerzeugung angekündigt. Das 148 Meter hohe Windrad soll am nördlichen Stadtrand in einem Gewerbegebiet direkt am Autobahndreieck Pankow aufgestellt werden. Beantragt wurde das Vorhaben von der Umweltplan Projekt GmbH aus dem nahen Bernau (Barnim). Wenn die Antragstellerin keine Einwände gegen den Entwurf erhebe, werde die Genehmigung umgehend erteilt, so die Senatsbehörde.

Das an der B109 geplante Windrad soll eine Leistung von zwei Megawatt haben, es kann damit bis zu 800 Haushalte mit Strom versorgen. Zwei Millionen Euro will der Betreiber investieren.

Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) begrüßt das Vorhaben: "Berlin hat bei der Energieversorgung Beispielgebendes aufzuweisen. In Sachen regenerativer Energien gibt es jedoch Nachholbedarf."

Über das Windrad wird seit Jahren verhandelt. Während Pankower Bezirksamt und Kommunalpolitiker von SPD, PDS und den Grünen das Projekt im Ortsteil Karow nach Kräften unterstützen, stellte sich bis vor kurzem die Naturschutzbehörde des Landes quer. Begründet wurde die Ablehnung noch im März mit Gefahren für seltene und geschützte Vogelarten. "Der Antragsteller hat inzwischen entsprechende naturschutzrechtliche Gutachten vorgelegt, seitens der Naturschutzbehörde gibt es keine Einwände mehr", sagte Regina Kreiding von der Senatsumweltverwaltung.


Naturschutzbund hält den Standort für ungünstig

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bedauert den Sinneswandel sehr. Er begrüße grundsätzlich die Nutzung regenerativer Energiequellen, stellt sein Berliner Landesverband fest, der Standort für das Windrad sei jedoch falsch gewählt. In der Nähe befänden sich mit den Karower Teichen und dem Tegeler Fließ gleich zwei wichtige Naturschutzgebiete. Dort würden viele geschützte Tierarten brüten, darunter die letzten zwei Rotmilan-Paare in Berlin; der Rotmilan ist ein Greifvogel, der in Mitteleuropa inzwischen überaus selten ist. Windkraftanlagen stellen nach Auffassung von Rainer Altenkamp, Vize-Vorsitzender des Nabu Berlin, für Rotmilan und Seeadler eine besonders große Gefahr dar. Der Leiter der Arbeitsgruppe Greifvogelschutz verweist auf Zählungen der Vogelschutzwarte Brandenburg von durch Windräder getötete oder verletzte Vögel und Fledermäuse. Danach sei der Rotmilan mit 81 von 562 Funden (seit 1999) die mit Abstand am häufigsten betroffene Art.

Befürworter des Projekts verweisen auf die Notwendigkeit, angesichts der drohenden Klimaveränderungen noch stärker erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft, Wind und Sonne zu nutzen. Zudem sei das vom Liegenschaftsfonds an den Investor verkaufte 3000 Quadratmeter große Grundstück in der Landesplanung für den Bau von Windrädern ausgewiesen worden. Nur wenige Kilometer entfernt würden sich auf Brandenburger Gebiet bereits seit Jahren die Windräder drehen.