Genehmigung fehlt

Senat bläst Start von Berlins erstem Windrad ab

Senatorin Katrin Lompscher (Die Linke) hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geladen - doch der wurde dann wieder abbestellt: Der Start von Berlins erstem Windrad ist schief gegangen. Denn kurz vor der offiziellen Übergabe stellte sich heraus, dass die Anlage keine Betriebsgenehmigung hat.

Foto: mur/mw / DDP

Die Inbetriebnahme von Berlins erster Windkraftanlage muss verschoben werden. Heute sollte das Windrad in einem Gewerbegebiet in Pankow offiziell übergeben werden. Doch dazu kommt es jetzt erst einmal nicht. Die Anlage am Arkenberger Damm besitzt noch keine endgültige Betriebsgenehmigung. Seitens der Senatsverwaltung hieß es, das Windrad sei nicht fertiggestellt worden, die endgültige Abnahme steht noch aus.

Baumängel an der Anlage wollte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsumweltverwaltung, gegenüber Morgenpost Online nicht bestätigen. Für den Betrieb freigegeben seien bisher nur der untere Bereich des Windrades, Rotoranlage und Fahrkorb sowie weitere Teilbereiche müssen noch von der Pankower Bauaufsicht abgenommen werden. Als neuen Starttermin nannte Kneiding den 1. Juli.

Zu der festlichen Eröffnung wurde neben Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Die Linke), die der Genehmigungsbehörde vorsteht, auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erwartet. Doch der Termin am Nachmittag wurde nun kurzfristig abgesagt. "Wir heben uns das auf, bis es endgültig soweit ist“, sagte Kneiding. Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) und Vertreter der Naturschutzorganisation BUND wollen dennoch an der geplanten Veranstaltung, zu der auch ein buntes Rahmenprogramm gehört, teilnehmen.

Im Vorfeld des Starttermins hatte sich Lompscher für die verstärkte Nutzung alternativer Energien in Berlin ausgesprochen. „Wenn auch in einer dicht besiedelten Metropole die Windkraft nur sehr bedingt nutzbar ist, so kann auch Berlin auf Wind als klimafreundlichen Energielieferanten nicht völlig verzichten. Jede einzelne Maßnahme, die den C0 2 -Ausstoß bei der Energieherstellung reduziert, zählt.“

Die Anlage am nördlichen Stadtrand hat eine Leistung von etwa zwei Megawatt. Die geplante Jahresproduktion von 4000 Megawatt entspricht dem Bedarf von mehr als 800 Vier-Personen-Haushalten. Die Baukosten für die 180 Meter hohe Anlage mit dem dreiflügeligen Rotor beliefen sich nach Betreiberangaben auf rund 3,4 Millionen Euro. Bauherr der Windkraftanlage ist die Firma Neue Energie Berlin GmbH.

Auch der Grünen-Landesvorsitzende Stefan Gelbhaar begrüßte die Errichtung des Windrades in Berlin. Es sei dem Engagement des Bezirks zu verdanken, dass diese Technologie auf Berliner Territorium endlich in Betrieb gehen soll. Das sei „zumindest ein Zeichen, dass sich Berlin zu erneuerbaren Energien bekennt“.

Der Bau der Windkraftanlage war lange umstritten, der Spatenstich erfolgte dann im Januar 2008. Umweltschützer befürchteten, dass vom Aussterben bedrohte Greifvögel wie Rotmilan und Seeadler in die Rotorblätter geraten könnten. Der Naturschutzbund (Nabu) hatte gegen die Senatsumweltverwaltung geklagt und so einen Baustopp erreicht. Das Berliner Verwaltungsgericht wies die Klage letztlich jedoch ab.

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