In kaum einem anderen Berliner Bezirk scheinen sich Ratten so wohlzufühlen wie in Neukölln. Erst im vergangenen Jahr war die Gegend rund um den Hermannplatz als Hotspot für die Schädlinge ausgemacht worden. Das Bezirksamt warnte vor der Gefahr von Infektionskrankheiten und setzte zum 1. Juli 2025 per Allgemeinverfügung Maßnahmen in Kraft, die eine weitere Ausbreitung der Ratten verhindern sollen. Seitdem darf etwa auf Plätzen kein Futter mehr ausgelegt werden; Abfälle müssen unverzüglich in verschließbaren Behältern entsorgt werden.

Gleich um die Ecke, am Reuterplatz, eskaliert nun offenbar das Rattenproblem. In einer Grünanlage und auf einem Spielplatz haben sich die Nager breitgemacht und großflächig Rattentunnel angelegt. Wie die B.Z. nun berichtet, scheiterte das Bezirksamt zum wiederholten Male mit der Bekämpfung der Tiere, weil Unbekannte etwa Köderboxen mit Bauschaum verkleben und Giftköder stehlen oder zerstören.

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Rattenplage am Reuterplatz: Bezirk erwägt drastische Maßnahmen

Grünflächen-Stadtrat Jochen Biedermann reagiert fassungslos. „Aus welchen Gründen diese Leute das auch immer tun und die Ratten in ihr Herz geschlossen haben – sie tun damit niemandem einen Gefallen“, sagte Biedermann der B.Z. Auch Anwohner und Inhaber der Geschäfte in der Nähe reagieren mit Unverständnis. Die Tiere können über 100 Krankheiten auf den Menschen übertragen, darunter Hepatitis, Tuberkulose, Tollwut, Fleckfieber, Toxoplasmose, Cholera und Salmonellen. Vergangenes Jahr warnte das Bezirksamt eindringlich: „Es besteht durch die unmittelbare Nähe zu vielen Menschen und offenen Lebensmitteln wegen des festgestellten Rattenbefalls eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass diese Krankheiten übertragen werden.“

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Biedermann denkt nun über radikale Maßnahmen nach. In einem Protokoll der Schädlingsbekämpfer, das der B.Z. vorliegt, wird vorgeschlagen, den von Ratten befallenen Bereich mit Kameras beziehungsweise Wachschützern überwachen zu lassen. Wie der Bezirk das bezahlen will, ist jedoch vollkommen unklar. Allein der vierte und vorerst letzte Versuch, mit Absperrungen und Ködern der Plage Herr zu werden, habe mehr als 5000 Euro gekostet, sagt Biedermann. Vielleicht hilft ja ein Blick zum Hermannplatz. Dort wurden nicht nur strikte Regelungen getroffen. Zusammen mit der Allgemeinverfügung drohte der Bezirk auch empfindliche Sanktionen und Geldbußen bis zu 25.000 Euro an.

tok