Am Dienstagmittag ist noch keine Ratte auf dem Hermannplatz zu sehen. Die Marktschreier sind in Höchstform und rufen ihre Angebote heraus, aus der Box eines Standes dröhnt Musik, die Leute laufen bei strahlendem Sonnenschein über den Platz. „Jetzt ist gerade zu viel los für die“, sagt eine Verkäuferin in ihrem Stand.

Das Problem kennt sie aber natürlich: „Wir müssen hier drin feste Schuhe tragen“, sagt sie in ihrem Stand, „und einmal, als ich meine Schuhe gewechselt habe, ist mir eine Ratte über das Bein gelaufen.“

Berlin-Neukölln: Rattenplage auf dem Hermannplatz

Das Bezirksamt Neukölln spricht von einem „starken Rattenbefall“ auf dem Hermannplatz und hat deshalb per Allgemeinverfügung ab 1. Juli Anordnungen erlassen, die die Wanderratten eindämmen sollen. Die können im schlimmsten Fall nämlich bis zu hundert verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen.

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„Es ist so, dass überall in der Stadt Ratten auftauchen“, sagt Berlins Wildtierreferent Derk Ehlert gegenüber der Berliner Morgenpost. „Da, wo gefüttert wird, sind sie eben auffälliger. Das ist jetzt kein besonderes Phänomen.“

Müll und Speisereste gehören zum Hermannplatz dazu

In den Köpfen der Menschen am Hermannplatz muss die neue Verfügung mit den neuen Verhaltensregeln aber noch ankommen. Neben einem Gemüsestand stehen am Dienstag zwei Kisten mit Lebensmitteln auf dem Boden, aus denen schon einige herausgepurzelt sind. Daran können sich die Ratten später zu schaffen machen, wenn es ruhiger ist.

Rattenplage auf dem Hermannplatz
Sollte in Zukunft nicht mehr vorkommen: Lebensmittelkisten auf dem Boden, mitten auf dem Hermannplatz und frei zugänglich für Ratten.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Auf einem schmalen Streifen hinter der U-Bahnstation, an der Kreuzung von Karl-Marx-Straße und Hasenheide, picken enorm viele Tauben auf dem Boden herum, hier verstreut jemand regelmäßig Taubenfutter. Heute aber hat es jemand auf die Spitze getrieben, an einer Kante steht eine kaum angerührte Currywurst mit Pommes.. Die Vögel freuen sich jetzt schon, und später wären sonst auch die Ratten gekommen. „Es wäre sinnvoll, wenn man sich im öffentlichen Raum zumindest so weit benehmen würde, dass man keine Nahrung liegenlässt“, sagt Ehlert.

Ein vorbeigehender Passant betrachtet die Szene kopfschüttelnd: „Da fallen sie drüber her.“ An jeder Ecke des Hermannplatzes passiere ähnliches, was Ratten locken würde: „Guck dich hier doch mal um“, sagt der Passant. Überall liegen Müll und Speisereste auf dem Boden, zudem machen viele Baustellen eine Grundsäuberung des Platzes schwierig. Es bleibt abzuwarten, ob sich durch die Allgemeinverfügung ab dem 1. Juli und die angekündigten hohen Strafen gegen den Verstoß von bis zu 25.000 Euro etwas ändert.