Der traditionsreiche Berliner Club SchwuZ, ein zentraler Treffpunkt der queeren Szene, muss nach fast 50 Jahren seinen Betrieb einstellen. Nachdem der Club bereits im August Insolvenz angemeldet hatte, teilte das SchwuZ nun auf Instagram mit, dass alle Bemühungen, Investoren zu finden und den Club zu retten, gescheitert seien.
„Nach monatelangen Gesprächen, intensiven Gesprächen und einem umfassenden Prozess mit potenziellen Investor*innen hat sich keine Partei gefunden, die das SchwuZ im jetzigen Zustand übernehmen und weiterführen möchte, oder die nötigen Mittel aufbringen kann“, heißt es in der Mitteilung. Die letzte Party ist für den 1. November geplant. Der Club ruft seine Gäste auf, die verbleibende Zeit zu nutzen, um gemeinsam zu tanzen, zu lachen, zu weinen und Erinnerungen zu teilen.
Gegründet 1977 als „Schwulen-Zentrum“, zählt das SchwuZ zu den ältesten queeren Clubs Deutschlands und war über Jahrzehnte hinweg eine wichtige kulturelle Institution. Es spielte eine zentrale Rolle bei der Organisation des ersten Berliner Christopher Street Day 1979 und bei der Entstehung der Stadtzeitung „Siegessäule“. 2013 zog der Club von Kreuzberg nach Neukölln und bezog die ehemalige Kindl-Brauerei im Rollbergkiez.
Dass das SchwuZ schließen muss, löst Bestürzung in der Community aus. „Ich bin unendlich traurig“, schrieb jemand bei Instagram unter die Ankündigung des Clubs. Ein großes Stück queere Geschichte breche weg. Jemand anderes postete: „Danke für die schönen Jahre“.
Bürgermeister-Kandidat Krach: „Ein schmerzlicher Verlust“

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026, sagte zur angekündigten SchwuZ-Schließung: „Das SchwuZ ist nicht nur ein Club. Es ist eine Institution, die für Berlins queere Vielfalt steht. Davon habe ich mich erst kürzlich vor Ort selbst überzeugen können.“ Die Schließung sei für Gäste und für die Stadt ein schmerzlicher Verlust. „Ich werde mich dafür stark machen, dass sie nicht das Ende dieser wichtigen Institution bedeutet.“
Werner Graf: „Senat hat hier auf ganzer Linie versagt“

Heftige Kritik kam auch von den Grünen. „Das Aus des SchwuZ ist ein Schock. Kai Wegners Senat hat hier auf ganzer Linie versagt“, sagte Fraktionschef Werner Graf. „Statt zu unterstützen hat Kai Wegner nur zugesehen. Wer queeres Leben und Clubkultur nur feiert, wenn Kameras laufen, hat nicht verstanden, dass queere Räume kein Beiwerk sind, sondern das Rückgrat einer freien und offenen Stadtgesellschaft“, so Graf weiter.
Klaus Lederer: „Weckruf für die Landespolitik“

Klaus Lederer, queerpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke, erklärte: „Das Ende des SchwuZ ist auch ein Weckruf für die Landespolitik. Beim Senat herrscht weiterhin business as usual, ja, teils sogar Gleichgültigkeit und Ablehnung gegenüber queeren Belangen. Ein echtes Bemühen des Senats zur Unterstützung der SchwuZ-Rettung war nicht erkennbar. Man schneidet Regenbogenkuchen an, hisst Pride-Flaggen und organisiert sich Gala-Events, um die „Regenbogenhauptstadt“ und zuallererst sich selbst zu feiern.“


