Wer das AWO-Digital-Café in der Helene-Nathan-Bibliothek in Neukölln besuchen möchte, muss sich erstmal in der analogen Welt zurechtfinden. Die Bibliothek befindet sich in den Neukölln Arcaden – und der Weg dorthin ist ein kleines Abenteuer: Wer von der falschen Seite kommt, bahnt sich seinen Weg durch Gänge voller Geschäfte, vorbei an einkaufenden Menschen, Bäckereien und Drogerien. Bis endlich der Fahrstuhl den vierten Stock – und die Bibliothek – erreicht.
Hier treffen sich alle zwei Wochen Seniorinnen (Männer sind auch eingeladen, kommen aber praktisch nie) mit Jugendlichen und Helfenden, um sich mit der digitalen Welt vertraut zu machen. Lehrbücher wie „Internet für Senioren“ und „WhatsApp für Senioren“ liegen auf einem Tisch am Fenster. Bibliothekarin Syd begrüßt die Frauen. „Wir haben Kaffee, Kekse und Tee.“ Die Damen schenken sich ein, nehmen Platz, erkennen bekannte Gesichter wieder und kommen ins Gespräch. Einige sind das erste Mal da.
Nach und nach füllt sich der Raum, Brillen werden aufgesetzt, Zettel mit Fragen aus der Handtasche gekramt. Ein lilafarbenes Tablet wird vorsichtig auf den Tisch gelegt, ein Smartphone direkt aus der Originalverpackung gezogen. Die Atmosphäre ist entspannt, alle sind voller Neugier und Tatendrang.
Digital-Café: „Ich brauche erstmal WLAN“
Zum Start stellt Oliver Dürr vom Seniorennetz Berlin die Homepage des Digitalkompasses vor – eine Plattform mit vielen kostenlosen Lernangeboten für Seniorinnen und Senioren. „Das müsste ich eigentlich direkt noch mal hören, Wiederholung hilft bei mir immer ganz gut“, sagt Roswitha Schlegel (69). Zustimmendes Nicken im Raum. Dann geht es los.
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„Ich wüsste gerne, wie man Geräusche aufnehmen kann“, sagt eine Frau in schwarzer Jacke. „Ja, das würde mich auch interessieren“, stimmt eine andere zu. „Ich habe ein neues Tablet und brauche für den Start erstmal WLAN“, erklärt eine weitere Frau und schaut fragend in die Runde.
Austausch zwischen Generationen
Nachdem alle Themen gesammelt sind, verteilen sich die Helfenden im Raum und setzen sich zu den Seniorinnen. Sie erklären geduldig, beantworten Fragen und nehmen sich Zeit. Zwei Jugendliche von „Sonay Soziales Leben e.V.“, einer Initiative zur Förderung sozialer Projekte zwischen Jung und Alt, sind ebenfalls dabei. „Manchmal helfen sich die Besuchenden auch untereinander“, erzählt Syd. „Da sagt eine: ,Das hat mir neulich mein Enkel gezeigt‘ – und plötzlich lernen alle gemeinsam.“

Einige Teilnehmerinnen haben konkrete Fragen zur Nutzung von Apps. Roswitha Schlegel (69) probiert sich an der von der Deutschen Bahn aus: „Ich habe heute gelernt, wie man mit Google herausfindet, welche Blume auf einem Foto ist. Und ich kann jetzt auch Zugtickets online buchen. Ich muss das noch ein paar Mal alleine wiederholen, aber wenn ich es nicht schaffe, komme ich eben in 14 Tagen wieder.“
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Einsamkeit im Alter: Ein Treffpunkt
Helga Künstler (75) ist schon von Anfang an dabei. Seit April 2024 kommt sie alle zwei Wochen. „Ich habe zwar eine sehr versierte Schwester, aber die lebt nicht mehr in Berlin. Als ich von dem Café gehört habe, dachte ich: ,Donnerwetter, das probiere ich aus‘, und bin vorbeigekommen“, erzählt sie und lacht. Frau Künstler hat durch das Digital-Café nicht nur technisches Wissen erworben, sondern auch neue Bekanntschaften geschlossen.

Neben der Technik steht im Digital-Café auch das Zwischenmenschliche im Mittelpunkt. „Es soll auch gegen Einsamkeit helfen“, so Oliver Dürr vom Seniorennetz. „Das AWO-Digital-Café ist nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch zum Zusammensein.“ Viele kommen nicht nur wegen der Technik, sondern auch, weil sie hier Menschen treffen, sich austauschen und gemeinsam Neues entdecken können.
Internetnutzung: Ältere Menschen bleiben informiert
Doch digitale Teilhabe bedeutet mehr als nur das Bedienen von Smartphones oder Tablets. Denn wer online ist, bleibt informiert, vernetzt und unabhängig. Jeder dritte über 80-Jährige in Deutschland nutzt laut Zahlen des Deutschen Zentrums für Altersfragen (dza) das Internet – in der Gesamtbevölkerung sind es fast neun von zehn Personen. Viele ältere Menschen recherchieren online, lesen Nachrichten und kommunizieren über Mails und Messenger – die Digitalisierung kann das Leben bereichern und den Alltag vereinfachen. Doch wer keinen Zugang zur digitalen Welt hat, bleibt oft außen vor.
Das nächste AWO-Digital-Café findet am 14.04. von 16:00 - 17:30 Uhr in der Helene-Nathan-Bibliothek statt. Weitere Angebote des Seniorennetzes Berlin: www.seniorennetz.berlin.de.




