Die Spuren des mutmaßlichen Brandanschlags auf die Neuköllner Kulturbar „Bajszel“ sind am Sonntagmittag noch deutlich sichtbar. Durch das Schaufenster ziehen sich tiefe Risse, darunter ist hat sich ein tiefschwarzer Rußfleck in die Fassade eingefressen. Womöglich nur durch einen Zufall ist in den frühen Morgenstunden nichts Schlimmeres geschehen.

Andrea Reinhardt wirkt noch immer aufgewühlt, als sie über den erneuten Angriff auf ihr Lokal erzählt. Es sei der fünfte – allein in dieser Woche. Mehrfach hätten Unbekannte die Bar beschmiert. Dabei sollen sie unter anderem das mit der Spitze nach unten gerichtete Dreieck in roter Farbe verwendet haben. Es wird von Hamas-Sympathisanten genutzt. In den frühen Morgenstunden zu Sonntag haben Unbekannte das „Bajszel“ erneut damit beschmiert. Die Polizei stellte nach Angaben eines Sprechers gegen 4.50 Uhr rote Dreiecke fest sowie einen Aufkleber mit der Aufschrift „Free Palestine“.

Einer der Inhaber schlief zum Zeitpunkt des Angriffs in der Bar „Bajszel“

Mehr als eine Stunde später wird das Café erneut Ziel eines Angriffs. Gegen 6.15 Uhr bemerkte ein Feuerwehrmann auf dem Weg nach Hause einen brennenden Papierkorb an der Fassade des Gebäudes, so die Polizei. Der Feuerwehrmann löschte den brennenden Korb mit einem Eimer Wasser. Zeitgleich sei auch das Schloss der Eingangstür zugeklebt worden sein. Reinhardt erzählt, zu dem Zeitpunkt sei einer der Inhaber in der Bar gewesen, um „Nachtwache zu schieben“. Dabei sei er eingeschlafen. Es hätte Schlimmeres passieren können, so die Barbesitzerin. „Wir sehen das als Mordversuch“, sagt sie.

Bajszal in Neukölln, antisemitischer Angriff
Auch die Scheibe des Lokals ist beschädigt. © Julian Würzer/BM | Julian Würzer

Die Polizei ermittelt nun, ob zwischen den antisemitischen Schmierereien und dem brennenden Papierkorb ein Zusammenhang besteht. Deshalb liegt der Fall auch beim polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamts.

Besitzer des „Bajszel“ fordern dauerhaften Polizeischutz

Reinhardt berichtet, dass die Bar seit dem 7. Oktober immer wieder Ziel von Angriffen sei. Tische wurden in der Bar markiert, vor wenigen Tagen erschien ein Paar und beschimpfte die Inhaber. Die Fälle dokumentiert Reinhardt teilweise auf dem Instagram-Kanal. Eigentlich, sagt sie, sei das „Bajszel“ eine linke Kneipe mit politischem Anspruch. Immer wieder finden Veranstaltungen, die sich mit Feminismus beschäftigen statt, aber auch mit Antisemitismus.

Daher sei das „Bajszel“ wohl in den Fokus geraten. Sie will trotz der Attacken weitermachen. „Wir können die auf keinen Fall gewinnen lassen“, sagt sie. Dafür erhält sie viel Zuspruch, auch Solidaritätsbekundungen aus der Politik. Reinhardt sagt aber, das reiche nicht. Sie benötige mittlerweile dauerhaften Schutz für das Lokal von der Polizei.