Hasenheide

Corona-Partys in Berlin werden als Kundgebung getarnt

Jedes Wochenende finden in der Neuköllner Hasenheide Massenveranstaltungen statt. Das ruft nun die Politik auf den Plan.

Corona-Party als Kundgebung getarnt

Die "Dance-Demo" in der Hasenheide ist eher eine Corona-Party.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Es sind unglaubliche Szenen, die sich Woche für Woche in der Neuköllner Hasenheide abspielen. Während die Corona-Infektionszahlen unverändert hoch sind, treffen sich Hunderte Jugendliche zu Techno-Partys und Tanz-Events. Sie feiern mit freiem Oberkörper und ohne Mundschutz zu wummernden Bässen.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) ist entsetzt und sagte der Berliner Morgenpost: „Das ist ein absolutes No-Go. Da hat sich eine Szene etabliert. Das geht gar nicht“. Zum einen würden durch die regelmäßigen Partys die Parks zerstört, und zum anderen habe man immer noch eine Pandemie. „Dieses Verhalten ist absolut rücksichtslos“, so Hikel weiter.

Auch interessant: Nach Corona-Partys: Senatorin erwägt höhere Bußgelder

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister plädiert dafür, Flächen zu suchen, an denen Veranstaltungen unter Auflagen stattfinden können. „Ich kann die jungen Menschen durchaus verstehen. Aber Parks sind der falsche Ort“, sagte Hikel. Als mögliche Fläche für Freiluftveranstaltungen käme etwa das Rollfeld vor den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof infrage. Aber solang angemeldete Kundgebungen in der Hasenheide stattfinden dürfen, seien dem Bezirk die Hände gebunden, sagte Hikel.

Kommentar zum Thema: Berlin braucht starkes Durchgreifen gegen illegale Partys

Veranstaltung in der Hasenheide nennt sich „Dance-Demo“

Neben Raves finden auch Kundgebungen statt. Eine trägt den Titel: „Dance-Demo. Für die Anerkennung der Freien Tanzszene Berlins als vitaler Beitrag zur Volksgesundheit in der herausfordernden Zeit von Covid-19 und des Klimawandels“. Auf Aufnahmen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, ist zu sehen, wie Menschen zusammen zu elektronischer Musik tanzen. Ein Schild am Rand der Tanzfläche steht. Darauf wird gebeten, keinen Alkohol oder Drogen zu konsumieren, Fotos und Videos zu unterlassen und keine Handygespräche zu führen. Die nächste Veranstaltung soll am 29. August stattfinden.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes sagten der Berliner Morgenpost, dass man mittlerweile jede Woche in der Hasenheide Müllberge beseitigen müsse. Zudem würden sich die Beschwerden von Anwohnern massiv häufen. Personen aus dem Umfeld der Kundgebung, die zur „Conscious-Dance-Scene“ gehören, sagten der Berliner Morgenpost, dass man bedacht sei, keinen Müll zu hinterlassen und hier auch im Austausch mit den Behörden stehe*.

Höhepunkt der Veranstaltungen in der Hasenheide war bislang eine illegale Party Ende Juli. Damals kamen dort 3000 Menschen zusammen. Die Polizei löste das Fest auf. Anfang August feierten 200 Menschen mit DJ und Musikanlage. Abstandsregeln wurden nicht eingehalten, auf Masken verzichtet. Gegen drei Uhr erschien die Polizei, beendete die Party und beschlagnahmte einen Lautsprecher.

Lesen Sie auch: Darum gibt es keine Partys auf dem Tempelhofer Feld

Polizei schickt regelmäßig Streifen auch zu anderen Partylocations

Neben der Hasenheide sind auch zahlreiche weitere Orte in Berlin bekannt, an denen Partys stattfinden, etwa am Park am Gleisdreieck, in der Wuhlheide, im Viktoriapark, in Mitte im Weinbergspark, im Monbijoupark und im James-Simon-Park. Man wisse um diese Orte und schicke regelmäßig Streifen, heißt es von der Polizei. Wegen der schieren Größe Berlins und der Vielzahl von großen und wechselnden Partylocations könne man nicht alle immer überwachen, heißt es weiter.

Der Senat hatte bereits vor einigen Wochen die Bezirke aufgefordert, öffentliche Freiflächen für legale Partys mit entsprechenden Hygienekonzepten zu benennen. Die Diskussionen dazu dauern noch immer an.

*Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels ist der Eindruck entstanden, dass der Müll in der Hasenheide von der Kundgebung gekommen sein könnte. Teilnehmer bestreiten das.

Mehr zum Thema:

Polizei schickt Feiernde nach Hause: Keine Zwischenfälle

Berliner Parks zwischen Drogen, Feiern und Erholung

Club-Szene: Wo ist Platz zum Feiern in Berlin?