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Diversity-Kinderbuch: Im Bücherregal wird’s bunt

In Kinderbüchern gibt es kaum Figuren mit unterschiedlichen Hautfarben. Eine Mutter hat das geärgert - und selbst ein Buch geschrieben.

Karin Beeses erstes Band von "Nelly und die Berlinchen".

Karin Beeses erstes Band von "Nelly und die Berlinchen".

Foto: Karin Beese

Berlin. Nelly, Amina und Hannah sind zurück. Die drei Kinder sind zwar etwas älter geworden. Aber sie sind noch immer beste Freundinnen und bekannt als „die Berlinchen“. Zumindest (Vor-)Lesern von Kinderbüchern. Die Neuköllner Autorin Karin Beese lässt die drei Kinder ihr zweites Abenteuer erleben. 2016 erschien ihr erstes Buch „Nelly und die Berlinchen – Rettung auf dem Spielplatz“. Nun erleben Nelly, Amina und Hannah Abenteuer auf dem Tempelhofer Feld. „Nelly und die Berlinchen – Die Schatzsuche“ heißt das nun erschienene zweite Buch.

Drei ganz unterschiedliche Freunde

Am Neuköllner Rand des ehemaligen Flugfeldes organisieren die drei Freundinnen eine kleine Schatzsuche. Und werden prompt von älteren Kindern geärgert. „Babyleicht“, so der Vorwurf, sei die Schatzsuche. Das lassen Nelly, Amina und Hannah natürlich nicht auf sich sitzen. Und bereiten für die anderen Kinde eine schwierige Schatzsuche vor.

Auffallend an den Kinderbüchern von Beese ist nicht die Geschichte an sich, sondern der familiäre Hintergrund der Hauptfiguren: Nelly hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater, Amina kommt aus einer muslimischen Familie. Und die blonde Hannah lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter zusammen. Gemeinsam mit ihren Familien bilden die drei so die multikulturelle Gesellschaft von Neukölln und Berlin ab.

Und: Nellys Geschichte sollen Kindern Selbstvertrauen geben und Mut machen, dass sie ganz unabhängig von ihrer Herkunft und Hautfarbe alles schaffen können. Das ist Beeses Wunsch.

Alle begann mit den eigenen Kindern

Beese, selbst Mutter von drei Kindern, erzählt, dass ihr die Idee zu dem Kinderbuch kam, als sie selbst Mutter wurde. Ihre erste Tochter hat – wie Nelly – einen Schwarzen Vater. „Und ich wollte, dass meine Tochter Vorbilder in Kinderbüchern hat. Aber da gab es einfach zu wenig“, erinnert sie sich.

Auch im Internet, das Beese nach Kinderbüchern mit multikulturellen Inhalten durchsuchte, wurde sie kaum fündig. „Und wenn ich da als einzelne Mutter schon Probleme habe, fündig zu werden – dann geht es anderen Familien und Kitas sicherlich auch so“, erinnert sie sich heute an ihre Gedanken von damals. Gemeinsam mit der französischen Illustratorin Mathilde Rousseau, deren zwei Töchter dieselbe Kita besuchten, verfasste Beese das Kinderbuch „Nelly und die Berlinchen“.

Bücher sind in Reimform geschrieben

Die Bücher hat Beese in Reimen geschrieben. Auch das eine Inspiration durch die eigenen Kinder. „Die lieben das“, sagt sie.

Um ihr Kinderbuch veröffentlichen zu können, gründete Beese damals selbst einen Verlag und sammelte per Crowdfunding Geld, um mehrere Tausend Bücher drucken zu lassen. Das Gleiche hat sie dieses Mal wieder gemacht. Seit dem 16. April gibt es ihr neues Buch für 9,90 Euro auf ihrer Webseite zu kaufen: https://hawandel.de/

Diversity-Kinderladen im Internet

Genauso wie Beese, suchte auch Mirjam Schröter lange im Internet nach Diversity-Spielzeug für ihre Kinder. Auch sie wurde lange nicht fündig. Und gründete daraufhin einen eigenen Online-Shop mit Spielzeug, das ihr und ihren Kindern gefällt. Noch während sie Soziale Arbeit studierte, gründete Schröter vor eineinhalb Jahren den Online-Shop „Diversity Spielzeug“. Hier gibt es zum Beispiel Holzpuppen mit unterschiedlichen Hautfarben zu kaufen. „Eigentlich werden die immer als Familienpackung – Vater, Mutter, zwei Kinder – verkauft“, erzählt Schröter. Bei ihr auf der Webseite kann man die Püppchen allerdings auch einzeln kaufen.