Vielfältigkeit

Diese Neuköllnerin verkauft "Diversity-Spielzeug"

Im Online-Shop der Neuköllnerin Mirjam Schröter gibt es Puppen, die so vielfältig wie Berlin selbst sind.

Mirjam Schröter ist Inhaberin eines Spielzeughandels, in dem es Puppen mit unterschiedlicher Hautfarbe gibt. Oder auch Barbies, die nicht superschlank sind.

Mirjam Schröter ist Inhaberin eines Spielzeughandels, in dem es Puppen mit unterschiedlicher Hautfarbe gibt. Oder auch Barbies, die nicht superschlank sind.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Neukölln. Nia Ballerina hat große, braune Kulleraugen. Sie trägt ein rosa Tutu und rosa Schuhe. Nia Ballerina ist eine Puppe – mit schwarzer Hautfarbe. Die Idee dazu entstand, weil eine Mutter für ihre schwarze Tochter auf der ganzen Welt eine schwarze Ballerina in einer Musik-Schmuckbox suchte, aber nirgends eine fand und sie kurzerhand selbst bastelte. Verkauft wird die Puppe mittlerweile im Online-Shop von Mirjam Schröter.

Und Schröter, selbst Mutter zweier dunkelhäutiger Kinder, kennt diese Situation nur allzu gut. „Ich will meine Kinder stärken und ihnen Vorbilder geben – in Büchern oder mit Puppen – mit denen sie sich identifizieren können. Aber es ist total schwierig, das zu finden“, erzählt die 32 Jahre alte Neuköllnerin.

Die Suche in Spielzeugläden gab sie schnell auf, und auch im Internet wurde sie kaum fündig. Zwar gibt es, erzählt Schröter, auf amerikanischen Webseiten durchaus dunkelhäutige Puppen. „Aber da kosten dann der Zoll und Versand sehr viel.“

Kinder lernen beim Spielen die Welt kennen und verwirklichen sich und ihre Ideen. Wenn Kindern aber schon beim Spielzeug die Identifikationsfigur fehlt, weil sie beispielsweise dick sind, im Rollstuhl sitzen oder homosexuelle Eltern haben, wie können sie dann eine eigene starke Persönlichkeit bekommen, fragt sich Schröter. „Wenn meine Kinder in Büchern nur weiße Kinder sehen, dann fühlen sie sich weniger sichtbar.“

Die Spielzeugindustrie: Drei Milliarden Jahresumsatz

Tatsächlich: Geht man in einen Spielzeugladen, fällt schnell auf: Der Großteil der angebotenen Spielwaren entspricht westlichen Normalvorstellungen: Die meisten Spielfiguren sind weiß, ohne körperliche Beeinträchtigungen, schlank und jung. Sie tragen teure Kleidung und gehen gut bezahlten Berufen nach. Zudem werden sie sehr häufig speziell für Mädchen oder Jungen produziert.

Rund drei Milliarden Euro werden im Schnitt in Deutschland jedes Jahr für Spielzeug ausgeben. Pro Kind sind das 290 Euro. Und damit der Spitzenplatz in Europa.

Noch während sie Soziale Arbeit studierte, gründete Schröter vor eineinhalb Jahren den Online-Shop „Diversity Spielzeug“. Hier gibt es zum Beispiel Holzpuppen mit unterschiedlichen Hautfarben zu kaufen. „Eigentlich werden die immer als Familienpackung – Vater, Mutter, zwei Kinder – verkauft“, erzählt Schröter. Bei ihr auf der Webseite kann man die Püppchen allerdings auch einzeln kaufen.

„So kann man auch eine Familie mit zwei Müttern oder zwei Vätern zusammenstellen.“ Schröter hat sich nicht nur den verschiedenen Hautfarben verschrieben. Sie möchte die gesellschaftliche Vielfalt allgemein darstellen und als Spielzeug unter die Kinder bringen.

Aber nicht nur Puppen verkauft Schröter im Internet. „Der totale Renner sind die Hautfarbenstifte“, erzählt sie. So kann jedes Kind seinen Zeichenfiguren eine spezielle Hautfarbe verpassen. Insbesondere Kitas kaufen diese Stifte gern, berichtet die 32-Jährige.

Barbie als "Curvy"-Modell

Um ihre Produktpalette stetig zu erweitern und zu vergrößern, durchstöbert Schröter selbst die Kataloge von Großhändlern. Was ihr gefällt, schafft es in den Online-Shop. Und ihre Kunden sind so verschieden, wie das Angebot selbst: Kitas, Familienzentren und Schulen gehören ebenso dazu wie Familien. Dabei gehen die Bestellungen vor allem in Deutschlands Großstädte. „Aber manchmal mache ich auch ein Paket für den ländlichen Raum fertig“, erzählt Schröter.

Und obwohl die Jung-Unternehmerin sehr viel Wert auf Vielfalt und Diversität legt, gibt es bei ihr auch die klassische Barbie im Shop zu kaufen – dann allerdings als „Curvy“-Modell, also nicht super schlank, oder mit dunkler Hautfarbe. Schröter selbst ist zwar nach eigener Aussage kein Fan dieser Spielzeugpuppen. „Meine Tochter ist fünf Jahre alt und steht gerade total auf Barbies, Prinzessinnenkleider und rosa. Wenn sie damit also spielen will, dann soll sie das ruhig tun können – aber eben mit einer schwarzen Barbie, mit der sie sich besser identifizieren kann.“

Ihren Online-Shop leitet Schröter von Zuhause in Neukölln aus. Während des Studiums blieb ihr neben Kindern, Lernen und Beruf nicht genug Zeit für einen analogen Einkaufsladen. „Aber jetzt geht meine ganze Energie in den Shop, damit er noch bekannter wird“, erzählt sie. Ein ganzes Zimmer ihrer Wohnung ist mit Ware gefüllt – Platz, der der vierköpfigen Familie fehlt. Ein zusätzlicher Lagerraum muss also her. Aber noch lieber wäre Schröter ein eigenes Ladengeschäft. „Der Traum ist auf alle Fälle da“, sagt sie.

Online-Shop „Diversity Spielzeug“,www.diversity-spielzeug.de

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