Gentrifizierung

Eigentümer reicht Räumungsklage gegen "Syndikat" ein

Die Pears Group will die Kneipe "Syndikat" im Neuköllner Schillerkiez rausklagen. Die Bar-Betreiber leisten aber weiter Widerstand.

Stammgast Kristian (l.) und Kollektivmitglied Christian in der Kneipe „Syndikat“.

Stammgast Kristian (l.) und Kollektivmitglied Christian in der Kneipe „Syndikat“.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Im vergangenem Sommer lag die Kündigung im Briefkasten der Traditionskneipe "Syndikat" im Neuköllner Schillerkiez. Verhandlungen über einen neuen Mietvertrag? Ausgeschlossen. Ohne Begründung wurde dem acht Mann starken Kollektiv, das die Kneipe betreibt, gekündigt. Und das nach 33 Jahren.

Nun folgte Ende Januar die nächste Hiobsbotschaft: Die Hauseigentümer - das milliardenschwere, multinationale Unternehmen, die Pears Global Real Estate Group - hat Räumungsklage beim Landgericht Berlin eingereicht. Denn eigentlich hätte die Kneipe schon Anfang des Jahres schließen müssen - aber das Kollektiv gab einfach die Schlüssel nicht ab und ließ die Bar weiterhin geöffnet.

"Damit haben wir aber eigentlich schon gerechnet", sagt Kristian mit Blick auf die Räumungsklage. Er ist Stammgast im Syndikat „seitdem ich legal Bier trinken darf, also seit gut 17 Jahren“ - und kämpft mit dem Kollektiv für den Fortbestand der Kiezkneipe. Die Klage ändert an der aktuellen Situation vom Syndikat nichts. "Wir haben weiterhin geöffnet", sagt Kristian. Und auch der guten Stimmung in der Kneipe hat die drohende Klage keinen Abbruch getan. "Eigentlich ist es jeden Abend voll bei uns", sagt er.

Pears Group würde für den Auszug bezahlen

Über das Angebot der Pears Group, den Umzugswagen zu bezahlen, konnte das Kollektiv nur lachen, erzählt Kristian. "Die wollen uns unbedingt raus haben - da lassen sie sich dann beim Umzugswagen nicht lumpen", sagt er.

Doch ans Aufgeben haben die Betreiber der Bar nie gedacht. Sie kämpfen um ihre Existenz. "Wir werden natürlich bis dahin keine Däumchen drehen, sondern weiterhin unseren Protest und unsere Wut in die Öffentlichkeit, auf die Straße und zu den Verantwortlichen tragen", schreibt das Kollektiv auf der Webseite des Syndikats.

Und weiter: "Die Gegenseite weiß, dass sie mit uns keine einfache 08/15-Kneipe rausschmeißen will und hat das mit vielfachem Protest und Öffentlichkeit auch zu spüren bekommen."

Nächte Gegendemo für den 2. März geplant

Seitdem die Kündigung ins Haus geflattert ist, organisiert die Kneipe unzählige Protestaktionen. Die nächste folgt am 2. März vor dem "Syndikat". "Wir glauben noch immer, dass wir das hinbekommen und bleiben können", sagt Kristian optimistisch.

Die Pears Group hat das „Syndikat“-Haus 2015 aufgekauft. Was genau mit dem Haus künftig passieren soll und auch mit den Kneipenräumen im Erdgeschoss, ist bisher noch unklar.

Die Pears Group ist ein sogenannter Global Player mit Sitz in London. Das britische Finanzmagazin „This is money“ schätzt das Vermögen der Immobiliengruppe auf rund sechs Milliarden Euro. Damit gehört das Familienunternehmen zu einem der größten auf dem Immobilienmarkt, sowohl in Großbritannien als auch in Berlin. Bundesweit besitzt die Gruppe nach eigenen Angaben rund 6200 Miet- und Gewerbeeinheiten, die meisten davon in Berlin.

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