In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde ein Brandanschlag auf den Fuhrpark des Neuköllner Ordnungsamts verübt. Alle neun Autos brannten aus. Martin Hikel (SPD), als Bezirksbürgermeister verantwortlich für das Ordnungsamt, zeigt sich im Interview entsetzt über das Geschehen der Nacht.

Berliner Morgenpost: Herr Hikel, Sie waren Montag direkt vor Ort. Beschreiben Sie uns bitte was Sie gesehen haben.

Martin Hikel: Es war natürlich ein entsetzliches Bild, unseren gesamten Fuhrpark ausgebrannt und rauchend dort stehen zu sehen. Die Feuerwehr war mit einem großen Aufgebot da und hat durch ihr schnelles Eingreifen einen Übergriff auf die angrenzenden Gebäude verhindern können. Auch viele Kolleginnen und Kollegen der Polizei und des Ordnungsamtes waren vor Ort. Mein Gedanke war: Da will uns einer weh tun, aber das wird nach hinten losgehen. Wir werden aus dieser Sache gestärkt herausgehen und lassen uns nicht unterkriegen

Der gesamte Fuhrpark ist abgebrannt – ist das Ordnungsamt jetzt überhaupt noch einsatzfähig?

Ja, selbstverständlich. Der allgemeine Ordnungsdienst ist seit dem Vormittag wieder unterwegs. Wir haben sofort zwei Wagen aus dem Fuhrpark des Bezirksamtes zur Verfügung stellen können, die jetzt für die Streifen genutzt werden. Im Laufe des Tages werden wir weitere Ersatzfahrzeuge aus anderen Bezirksämtern einsetzen, die dort entbehrlich sind. Wir erfahren gerade sehr viel Kollegialität und Solidarität, das stärkt auch die Kolleginnen und Kollegen.

Wie schnell kann mit den neuen Wagen wieder Streife gefahren werden?

Die ersten Streifen sind wie gesagt schon wieder unterwegs. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der anlaufenden Unterstützung noch innerhalb dieser Woche zur normalen Stärke zurückfinden. Und wir bauen natürlich so schnell wie möglich unseren eigenen Fuhrpark neu auf, damit wurde schon in der Nacht begonnen.

Können Sie die Schadenssumme bereits beziffern?

Nach den ersten Einschätzungen dürfte der Schaden an den Autos und dem Dienstgebäude über 200.000 Euro liegen. Genaueres kann ich noch nicht sagen.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger setzt den Anschlag in Zusammenhang mit Clankriminalität. Was können Sie dazu sagen?

Das ist reine Spekulation. Das LKA ermittelt in alle Richtungen, und wir tun alle gut daran, das Ergebnis dieser Ermittlungen abzuwarten. Wichtig ist: Dieser Anschlag war ein Anschlag gegen den Rechtsstaat. Und davon lassen wir uns nicht unterkriegen, ganz im Gegenteil. Wir werden auch weiter für Sicherheit und Ordnung sorgen und Recht und Gesetz durchsetzen, ganz egal wer hinter diesem Anschlag steckt. Alles weitere liegt jetzt bei der Polizei.

Werden die Sicherheitsmaßnahmen für das Ordnungsamt nun erhöht, sowohl an der Juliusstraße als auch für die Mitarbeiter?

Ich habe heute veranlasst, dass alles auf den Prüfstand gestellt wird – die individuelle Sicherheit der Mitarbeitenden genauso wie die Liegenschaft in der Juliusstraße. Die Kolleginnen und Kollegen sind jeden Tag unterwegs, um für unsere Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Sie erfahren gerade sehr viel Solidarität. Tatsache ist aber auch, dass sie im Alltag oft angefeindet werden. Deshalb will ich, dass die Mitarbeitenden die beste Ausstattung erhalten, die wir ihnen zur Verfügung stellen können.

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