Zusammenarbeit

Müll und Verkehr: Neukölln und Schönefeld wollen kooperieren

Der Berliner Bezirk Neukölln und die Brandenburger Gemeinde Schönefeld kooperieren stärker – bei Müll, Wohnungsbau und Verkehr.

Neukölln und Schönefeld wollen gemeinsam gegen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten vorgehen

Neukölln und Schönefeld wollen gemeinsam gegen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten vorgehen

Foto: pa

Berlin/Schönefeld.  Der Berliner Bezirk Neukölln und die Brandenburger Gemeinde Schönefeld wollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Das betrifft neben einer gemeinsamen Verkehrswegeplanung auch den Wohnungsbau und eine behördenübergreifende Zusammenarbeit der Ordnungsämter. Das geht aus einem gemeinsamen Strategiepapier hervor, das der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt.

Demnach wollen Neukölln und Schönefeld gemeinsam insbesondere besser gegen grenzübergreifende Ordnungswidrigkeiten und Straftaten vorgehen. „Das betrifft zum Beispiel die illegale Müllentsorgung“, sagte Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) der Berliner Morgenpost. Da die Grenzen zwischen Gemeinde und Bezirk im Berliner Südosten fließend seien, hätten die Ämter bereits häufig beobachtet, wie Müllsünder aus Berlin ihren Abfall in Schönefeld abgelagert hätten und umgekehrt.

Das gemeinsame Papier wollen Hikel und Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) am morgigen Dienstag unterzeichnen. Hauptpunkt der Vereinbarung ist neben der stärkeren Zusammenarbeit der beiden Ordnungsämter ein gemeinsames Verkehrskonzept. Dafür sind gleich mehrere Punkte aufgelistet. Neben der seit Jahren diskutierten Verlängerung der U-Bahnlinie 7 von Rudow bis nach Schönefeld gehen die beiden Bürgermeister noch einen Schritt weiter und fordern eine Streckenerweiterung der U7 bis zum künftigen Hauptstadtflughafen BER, ebenso die Verlängerung der Straßenbahn vom Zwickauer Damm bis ins Zentrum von Großziethen.

Ein neuer Ortsteil entsteht vor den Toren Berlins

Das Papier ist keine bindende Verpflichtung. Neukölln und Schönefeld bringen aber „auf freiwilliger Basis ihr gegenseitiges Interesse für eine engere Zusammenarbeit zum Ausdruck“, heißt es in dem Schreiben. Sowohl Hikel als auch sein Amtskollege Haase halten eine engere Zusammenarbeit von Brandenburg und Berlin für unausweichlich. „Vor unseren Toren wächst mit Schönefeld ein neuer Ortsteil heran“, sagte Hikel.

Schönefeld gehört zu den am stärksten wachsenden Gemeinden im Berliner Umland und gilt aufgrund der hohen Steuereinnahmen als reichste Kommune Brandenburgs. Nach dem Mauerfall lebten hier rund 5000 Menschen, heute sind es bereits knapp 16.000. Und laut Bürgermeister Udo Haase werden es schon im nächsten Jahrzehnt mindestens 40.000 sein. „Wir müssen jetzt über die Zukunft nachdenken“, sagte Bezirksbürgermeister Hikel der Berliner Morgenpost und liegt damit auf einer Wellenlänge mit seinem Schönefelder Amtskollegen. „Eine gute Zusammenarbeit ist für uns unabdingbar. Grenzen spielen da für uns keine Rolle mehr“, so Haase.

Die beiden Bürgermeister telefonieren nach eigenen Aussagen regelmäßig zu wichtigen Themen – auch zum Wohnungsbau. Neukölln errichtet am Buckower Feld in Rudow ein neues Stadtquartier, und Schönefeld baut in Großziethen. „Das ist eine gemeinsame Metropolenregion“, sagte Hikel.

Um der Unterzeichnung fachliches Gewicht zu verleihen, sind nach Informationen dieser Zeitung auch der Neuköllner Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, Jochen Biedermann (Grüne), und sein Amtskollege, der Vorsitzende des Schönefelder Entwicklungsausschusses, Olaf Damm, dabei. Neben einem massiven Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel soll auch der Individualverkehr gefördert werden. Hier sind neue Verbindungen für Fußgänger, Radfahrer und Autos zwischen Neukölln und Schönefeld geplant. Das betrifft etwa den Stuthirtenweg, die Grenzstraße und den Lavendelring. Gleiches gilt für den Bereich Schönefelder Straße, Rudower Chaussee, Waltersdorfer Chaussee, Südpark und Schönefeld Nord. Auch bereits bestehende Planungen sollen nachgebessert werden. Das betrifft etwa den Buckower Damm, der breiter ausgebaut werden soll.

Verkehrschaos als eines der drängendsten Probleme

„Wenn in Neukölln und Schönefeld viel mehr Menschen wohnen, dann können wir Straßen nicht zu klein planen“, sagte Hikel der Berliner Morgenpost. Man können über Kooperationen in vielen Bereichen auch länger nachdenken, aber das Verkehrschaos auf den Straßen sei eines der ersten Probleme, das die Menschen merken würden, so Hikel.

Perspektivisch müsse auch wieder über eine Fusion der Länder Berlin und Brandenburg gesprochen werden. Ein erster Anlauf dafür war bei einem Volksentscheid im Mai 1996 am ablehnenden Votum der Brandenburger Bevölkerung gescheitert.

Mehr zum Thema:

Die Zukunft Berlins könnte in Brandenburg liegen

Hikel: "Berlin darf man nicht nur bis zur Grenze denken"