Neuköllns Bürgermeister

Hikel: "Berlin darf man nicht nur bis zur Grenze denken"

Ob Verkehr oder Wohnungsbau: Die Bürgermeister von Neukölln und Schönefeld denken über eine bessere Vernetzung nach.

Aus zwei mach eins: Die A113 bei Schönefeld mit Blick nach Neukölln. Bürgermeister Martin Hikel will Neukölln enger mit Schönefeld verzahnen.

Aus zwei mach eins: Die A113 bei Schönefeld mit Blick nach Neukölln. Bürgermeister Martin Hikel will Neukölln enger mit Schönefeld verzahnen.

Foto: imago/pa

Berlin. Wenn Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) über die Zukunft seines Bezirks spricht, dann hat er auch Brandenburg im Blick. „Berlin darf man nicht nur bis zur Grenze denken“, sagte er der Berliner Morgenpost. Gemeinsam mit seinem Schönefelder Amtskollegen Udo Haase unterzeichnet er diesen Dienstag ein gemeinsames Papier, in dem sich die Gemeinde und der Bezirk auf eine engere Abstimmung in der Verkehrsplanung und dem Wohnungsbau sowie auf eine engere Kooperation der Ordnungsämter verständigen.

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Berlin wächst und die Umlandgemeinden wachsen auch. „Wir müssen enger zusammenarbeiten“, so Hikel weiter. Damit trifft der Berliner Bezirksbürgermeister einen Nerv seines Amtskollegen in Schönefeld. Denn die Gemeinde und der Berliner Bezirk wachsen immer enger zusammen. Wer beispielsweise mit dem Auto die Rudower Chaussee oder die Karl-Marx-Straße entlangfährt, merkt kaum, wenn er plötzlich in Brandenburg ist. Und die Verdichtung im Umland wird noch größer werden. Schönefeld plant zum Beispiel in Großziethen und Neukölln am Buckower Feld neue Wohnsiedlungen. „Schönefeld wird von Lichtenrade und Neukölln umschlungen“, sagt der Schönefelder Bürgermeister Udo Haase. Schaut man auf die Karte, dann sieht es tatsächlich so aus, als würde die Brandenburger Gemeinde von Berlin verschluckt.

Schönefelds Bürgermeister: U7 muss verlängert werden

Und die Verflechtung wird noch viel größer. Da ist sich Udo Haase sicher. „Wenn der Hauptstadtflughafen öffnet, steigen die Passagierzahlen perspektivisch auf 40 bis 50 Millionen Passagiere“, sagt er. Diese Passagiere müssten aber auch bequem und zuverlässig zum BER kommen. Man brauche also eine Verlängerung der U7 und breitere Straßen für den Individualverkehr. „Bestimmte Sachen müssen das Land und der Senat entscheiden“, sagt Haase. Vor Ort könne man aber den Grundstein für eine engere Zusammenarbeit legen. Dass die Verflechtung schon heute groß sei, zeigten etwa die Investitionen der Berliner Wasserbetriebe in Waßmannsdorf. Berlin investiert für den Aus- und Umbau knapp 300 Millionen Euro. Nach dem BER ist das die zweitgrößte Investition in der Gemeinde.

Die Planungen gehen aber weiter. Wenn Neukölln und Schönefeld wachsen, müssen auch neue Schulen und Kindergärten gebaut werden. Es ist aber nicht möglich, dass Eltern, die in Berlin wohnen, ihre Kinder in die neue Schönefelder Kita schicken, die zwar in Sichtweite, aber in Brandenburg liegt. „Das sind aber Fragen, die perspektivisch geklärt werden müssen“, fordert der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Zwar war eine Länderfusion zwischen Brandenburg und Berlin in der Vergangenheit mehrfach abgelehnt worden. Allerdings gebe es vor Ort andere Realitäten. Hikel glaubt daher, dass man auch über das Thema einer Länderfusion noch einmal diskutieren wird. Im Kleinen, zwischen Gemeinde und Bezirk, sei das sowieso schon normal, so Hikel weiter.

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