Urteil

Lebenslange Haft für Mord an Uwe Lieschied

Ein 40-Jähriger hatte vor einem Jahr in Neukölln acht Schüsse auf den Berliner Polizisten abgefeuert. Eine besondere Schwere der Schuld erkannte das Gericht nicht an. Damit hat der Verurteilte die Chance, nach 15 Jahren Haft auf Bewährung aus dem Gefängnis zu kommen.

Foto: jd/man / DDP

Knapp ein Jahr nach den Todesschüssen auf den Polizisten Uwe Lieschied ist der Mörder vom Berliner Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 40-jährige Kurde habe aus etwa fünf Metern in nahtloser Folge acht Schüsse abgefeuert, bis sein Magazin leer war, sagte Richter Hans Luther. Er sprach von einem Verdeckungsmord. Der Angeklagte habe sich nach einem vorausgegangen Raub den Fluchtweg freigeschossen.

Eine besondere Schwere der Schuld, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, erkannte das Gericht nicht an. Damit hat der Verurteilte die Chance, nach 15 Jahren Haft auf Bewährung aus dem Gefängnis zu kommen. Der Täter habe nur einen Augenblick Zeit gehabt, sich zu entscheiden. „Zu unserem Bedauern hat er den falschen Weg gewählt“, sagte der Richter. Der Mitangeklagte erhielt fünf Jahre Haft wegen schweren Raubes.

Polizeihauptkommissar Uwe Lieschied war am 17. März vorigen Jahres im Berliner Problembezirk Neukölln auf Zivilstreife. Ein tödlicher Schuss traf den engagierten Beamten in die Schläfe. Der 42-jährige Polizist verstarb nach vier Tagen im Koma. Seine Witwe und zwei Söhne saßen schwarz gekleidet in Saal 500 – hinter ihnen der Todesschütze in seiner Anklagebox. Zahlreiche Polizisten füllten den Zuschauerraum. Der Mörder nahm das Urteil ohne Regung entgegen. Die Witwe schien sehr gefasst. Später, vor laufenden Kameras, wirkte sie aufgewühlt. „Ich muss das erst verkraften“, sagte die 40-Jährige.

Oberstaatsanwalt Ralph Knispel ging davon aus, dass der Todesschütze wegen der Tatumstände nicht bereits nach 15 Jahren Haft entlassen wird. Der Ankläger will eine Revision sorgsam prüfen. Knispel hatte auf besondere Schwere der Schuld plädiert, da die Tat einen Vernichtungswillen von erbarmungsloser Brutalität zeige.

Der Anwalt des Todesschützen gab „keinen Kommentar“ zur Revision. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert, nachdem sein Mandant zu Prozessbeginn plötzlich ein früheres Geständnis widerrief. Der aus einem Bergdorf in der Osttürkei stammende Mann hatte behauptet, er sei von der Polizei misshandelt worden. Er habe versucht, sich das Leben zu nehmen. Bei den Verhören, habe er alles gesagt, was der Vernehmer hören wollte.

Das Gericht fand keine Anhaltspunkte für ein Verwertungsverbot dieser Vernehmung. Es sei keine Verwirrung zu erkennen, argumentierte der Richter. Außerdem gebe es handfeste Beweise. Der geschiedene Familienvater hatte die Polizei nach seiner Verhaftung zum Versteck der Waffe geführt. Die Pistole war nahe dem Berliner Wannsee vergraben. Außerdem fanden sich seine DNA-Spuren auf einem Handschuh, der im Volkspark Hasenheide – nicht weit vom Tatort – lag.

Lieschied war mit einem Kollegen auf Streife, der sich vor den Schüssen hinter geparkte Autos retten konnte. Der 29-jährige Beamte erinnerte sich im Prozess an die dramatische Szene, als Lieschied ohne Reaktion am Boden lag. Er zeigte sich erschüttert. Bewegt waren auch die Menschen in der Hauptstadt. In einem Trauermarsch unter dem Motto „Berlin gegen Gewalt“ wurde des ermordeten Polizisten gedacht.