Ein Plattenbau in der Habersaathstraße 40–48 in Berlin-Mitte ist seit Jahren ein Symbol für den Streit um Wohnraum in Berlin. Am frühen Dienstagmorgen wurde das Gebäude in der Hausnummer 44 per Gerichtsvollzieher und mit einem großen Polizeiaufgebot geräumt. Doch in der vierten Etage des Gebäudes hatte sich noch ein Mensch befunden.

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Türen mit Spanplatten und Bauschaum verschlossen

Nach der Räumung wurden die Eingänge fest gesichert. Spanplatten wurden vor die Türen montiert, Fugen mit Bauschaum abgedichtet. Üblich ist das, um ein erneutes Betreten zu verhindern. Bei der Kontrolle des Hauses wurde jedoch offenbar eine obdachlose Frau übersehen. Sie hatte sich aus Panik vor dem Räumungskommando versteckt.

Geräumte Wohnung
Der Eingang zur geräumten Wohnung wurde von außen mit Spanplatte und Bauschaum versiegelt. © BM | Privat

Als die Frau bemerkte, dass das Haus verschlossen war und sie sich nicht selbst befreien konnte, geriet sie in Panik. Mit ihrem Handy machte sie auf sich aufmerksam, rief laut um Hilfe und sprach Passanten an. Diese alarmierten Hilfe, glaubten erst die Stimme eines eingeschlossenen Kindes zu hören. Nach der Rettung durch die Feuerwehr, stellte die Polizei sicher, dass das geräumte Haus wieder verschlossen wurde. Die Frau konnte ihre Sachen nicht mitnehmen, will aber zunächst bei Freunden unterkommen.

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Fragen an Behörden und Eigentümer

Der Vorfall wirft Fragen auf. Wie gründlich wurde das Gebäude vor dem Verschließen durchsucht? Wer war dafür verantwortlich: Polizei, Gerichtsvollzieher oder die vom Eigentümer beauftragte Firma? Und wie konnte es passieren, dass ein Mensch in einem Haus eingeschlossen wurde, das nach der Räumung als leer galt? Besonders in der kalten Jahreszeit kann ein verschlossenes, unbeheiztes Gebäude für einen Menschen lebensgefährlich werden

Frau gerettet
Erleichterung: Eine stark ausgekühlte, eingeschlossene Frau konnte von der Feuerwehr mit einer Drehleiter aus der vierten Etage gerettet werden.© BM | Privat

Habersaathstraße: Ein Haus als Symbol

Die Habersaathstraße 40 bis 48 steht seit Langem im Fokus. Seit Jahren tobt im Gebäudekomplex, Spitzname „Papageienplatte“, ein Streit ums Wohnen. Der Besitzer hat eine Abrissgenehmigung erwirkt, um neue Wohnungen zu bauen. Es befinden sich aktuell aber noch drei Mieter mit gültigen Mietverträgen in dem Gebäudekomplex.

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Der Fall der eingeschlossenen Frau zeigt, wie angespannt die Lage ist und wie schnell Menschen in solchen Situationen durchs Raster fallen. Sozialverbände fordern seit Jahren, bei Räumungen müsse sichergestellt sein, dass für Betroffene Unterkünfte bereitstehen und niemand zurückbleibt. Ob und welche Konsequenzen der Vorfall hat, ist offen. Polizei, Bezirksamt und Eigentümer waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.