Die Habersaathstraße kommt weiterhin nicht zur Ruhe: Die Räumung im Oktober verlief chaotisch und mehr oder weniger erfolglos. Fünf Mieter besitzen immer noch einen unbefristeten Mietvertrag. Einer von ihnen, Daniel Diekmann, errang am Montag erneut einen Sieg vor Gericht: Er darf bleiben. Der langjährige Konflikt: Besitzer Andreas Pichotta von Arcadia Estate will die Immobilie schon lange abreißen und dort neue Wohnungen errichten. Nun soll er nach Angaben von Anwohnern einen „acht bis zehnköpfigen Schlägertrupp“ geschickt haben, der einige Wohnungen in den Hausnummern 44 und 48 zertrümmert und verwüstet haben soll.

Habersaathstrasse: Glasscherben
Habersaathstrasse: Glasscherben auf dem Boden einer Wohnung im Januar 2026. © BM | Privat

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Bewohner sollen am Mittwoch aus Angst vor dem Schlägertrupp die Polizei alarmiert haben. Die Polizei Berlin hat auf Anfrage der Morgenpost aber lediglich bestätigt, „berechtigte Baumaßnahmen“ polizeilich begleitet zu haben, die zusammen mit einem Gerichtsvollzieher durchgeführt werden sollten. In den Wohnungen seien zwei Wohnungslose angetroffen worden. Daraufhin habe man das Polizeiaufgebot verstärkt. Die Lage sei im Großen und Ganzen „dynamisch“. Nach Angaben eines Beobachters soll es am späten Nachmittag zu einer Strafanzeige wegen versuchten Einbruchs und Bedrohung der Polizei gekommen sein.

Polizei Berlin Habersaathstraße
Die Polizei im Januar 2026 in der Habersaathstraße in Berlin-Mitte. Ihr Grund des Einsatzes: "Berechtigte Baumaßnahmen".© BM | Privat

Der Eigentümer Andreas Pichotta soll laut Angaben von Daniel Diekmann Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe vorab in Kenntnis über „die beabsichtigte Zerstörung“ des Wohnraums gesetzt haben. Seine Begründung: die vom Bezirksamt Mitte erteilte Abrissgenehmigung. Am Nachmittag saßen laut Anwohnerschilderungen in der Pension „Arena Rooms“ Ephraim Gothe, Andreas Pichotta und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Hanna Steinmüller, um die Lage zu besprechen.

Hintergründe zu den Unruhen in der Habersaathstraße

Seit dem 20. Oktober nehmen die Polizeieinsätze rund um die Habersaathstraße 40–48 in Berlin-Mitte kein Ende. Am Donnerstag, 20. November, wurden dem Bezirksparlament Mitte über 10.000 Unterschriften übergeben, die sich für eine Rekommunalisierung der Habersaathstraße aussprachen. Seit dem 4. November ist der gesamte Wohnblock ohne Fernwärme. Eine Abstimmung der Bezirksverordnetenversammlung ergab, dass das Bezirksamt die Wärmeversorgung der Mieter in der Habersaathstraße notfalls mit einer Ersatzvornahme wiederherstellen muss. Dies wurde mit einer Mehrheit von 26 Ja-Stimmen entschieden (12 Nein-Stimmen). Auch am Mittwoch wurde das Thema im Bezirksparlament (BVV) besprochen.