Am 30. Oktober um 18.45 Uhr wird im Hamburger Bahnhof der Tiemann-Preis verliehen, einer der höchstdotierten Museumsankaufspreise Deutschlands. Für das Berliner Museum ist es eine besondere Auszeichnung: Erstmals seit Einführung des Preises im Jahr 2023 geht die Förderung nach Berlin.

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Aus 25 Bewerbungen deutscher Museen wählte die unabhängige Fachjury den Hamburger Bahnhof aus. Das Preisgeld von 50.000 Euro ermöglicht den Ankauf von sechs „Späti-Paintings“ von Elif Saydam für die Dauerausstellung „1000 Mal Berlin“. Die Werkgruppe soll dort mindestens bis 2029 zu sehen sein und die Sammlung des Hauses dauerhaft erweitern.

Wer ist das Stifter-Ehepaar Tiemann?

Der Tiemann-Preis wurde von Ingeborg und Jürgen Tiemann ins Leben gerufen. Das Ehepaar lebt in Berlin-Dahlem und auf Rügen und gründete 2018 eine Stiftung, die gesellschaftliche und kulturelle Projekte unterstützt. Da die beiden keine Kinder haben, entschieden sie sich früh, ihr Vermögen über die Stiftung gezielt für gemeinnützige Zwecke einzusetzen.

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Drei der erworbenen „Späti-Paintings“ mit 23-karätigem Gold, Inkjet-Transfer und Öl auf Leinen: v. li. „Before (The Rent is too high)“, „Herkese Çay“ (dt. „Tee für alle“) und „After (The Rent is too high)“.© BM | Elif Saydam

In einer Zeit, in der viel über KI, digitale Kunst, immersive Installationen und neue Medien gesprochen wird, bekennen sich die Tiemanns zur zeitgenössischen Malerei. „Ich glaube nicht, dass die Malerei durch die KI abgelöst wird“, sagte Jürgen Tiemann der Morgenpost. „KI kann ja nur das aufgreifen, was eingeflossen ist. Malerei ist dagegen die Ausgeburt des Künstlers zum Zeitgeist.“

So vielseitig ist die Tiemann-Stiftung

Zu den bislang geförderten Einrichtungen zählen unter anderem die Studienstiftung des deutschen Volkes, die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Humboldt Forum und die Heinz-Sielmann-Stiftung. Eines der wichtigsten Projekte der Stiftung ist jedoch der Tiemann-Preis, mit dem Museen beim Erwerb zeitgenössischer Kunst unterstützt werden.

Spätiriehe 1
„Späti-Paintings“ von Elif Saydam: v. l. „Zu spät III“, „Misrecognition“ (dt. „Fehlerkennung“) und „Zu spät VII“.© BM | Elif Saydam

Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Fachjury. Das Preisgeld fließt direkt in Kunstwerke, die dauerhaft öffentlich zugänglich bleiben. Den Auftakt machte 2023 das Museum Folkwang in Essen, das mit der Förderung Arbeiten des Künstlers Armin Boehm erwerben konnte. Seitdem hat sich der Preis in der deutschen Museumslandschaft etabliert.

Warum sich die Stiftung auf zeitgenössische Kunst konzentriert? Jürgen Tiemann sieht darin eine Möglichkeit, gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen. Zeitgenössische Kunst sei eine Reflexion dessen, was in der Welt gerade geschehe. Ihn fasziniert die Idee, auf diese Weise den Zeitgeist festzuhalten.

Dauerausstellung „1000 Mal Berlin“

Für den Hamburger Bahnhof bedeutet die Auszeichnung nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch zusätzliche Aufmerksamkeit für die eigene Sammlung. Mit den Werken von Elif Saydam erhält die Dauerausstellung „1000 Mal Berlin“ einen prominenten Neuzugang.

Elif Saydams Späti-Paintings
Acht „Späti-Paintings“ von Elif Saydam sind derzeit in der Dauerausstellung „1000 Mal Berlin“ im Hamburger Bahnhof zu sehen. Sechs können durch den Tiemann-Preis dauerhaft erworben werden.© BM | C. Pagel mp

Zugleich unterstreicht die Entscheidung der Jury die Bedeutung des Berliner Museums als Ort für Gegenwartskunst und als zentrale Institution im kulturellen Leben der Hauptstadt. Die Preisverleihung findet am 30. Oktober im Hamburger Bahnhof statt. Dort werden die neuen Arbeiten offiziell in den Bestand des Museums aufgenommen.