Berlin – die Stadt der Freiheit, der Kultur und der schlaflosen Nächte. Letztere verbringen viele Hauptstädter mittlerweile nicht mehr in Clubs, sondern auf Immobilienportalen. Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum ist zum existenziellen Stresstest geworden. Berlin war einmal ein Wohnparadies, ein historischer Ausnahmefall, in dem jeder eine Nische für sich finden konnte. Spätestens seit den 2010er-Jahren ist das vorbei.

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Wo einst Künstler und Freigeister Nischen fanden, regiert heute die nackte Verdrängungsangst. Die Krise im Bezirk Mitte wirkt dabei wie ein Brennglas für die Verwerfungen einer ganzen Metropole: Eine permanente Unsicherheit hat das Leben der Menschen im Kern erschüttert. Umwandlungen in Eigentum, drastische Eigenbedarfskündigungen und luxuriöse Modernisierungen vertreiben die Altmieterschaft systematisch aus ihrem gewohnten Lebensmittelpunkt.
Serie: Nahaufnahme Wohnungsmarkt
- Mietpreise: Nur noch leichter Anstieg in Berlin – doch Entspannung ist nicht in Sicht
- Wohnen in Berlin: Das sind die sechs günstigsten Bezirke für Neumieter
- Wohnen in Berlin: Das sind die sechs teuersten Bezirke für Neumieter
- Reportage: Zwischen Wohlstand und Armut: Wohnen im teuersten Kiez im Berliner Südosten
- Mieten im Wandel: Niederschöneweide teuer, Friedrichshagen günstig – warum?
- Siedlung Westend: Neustart für Bauprojekt – mehr Häuser geplant
- Siemensstadt Square: Bedeutende Änderung am Plan für den „Siemensstadt Square“
- Tegeler Flughafen: Wohnungsbau mit Holz und Lehm
Wer seine Bleibe verliert, steht oft vor dem Nichts. Die Neuvermietungspreise sind astronomisch. Viele flüchten nach Brandenburg. Doch die Medaille hat zwei Seiten. Auch Immobilien-Eigentümer, die in „Betongold“ investieren wollten, sind gefrustet. Sie blicken auf ein schwerfälliges, deutsches Mietrecht, das sie bei Mietausfällen zur Verzweiflung treibt. Jahrelange Räumungsklagen und strategisch ausgenutzte Schutzrechte können finanziell ruinös sein.
Auf beiden Seiten gibt es schwarze Schafe. Das bittere Resultat des gegenseitigen Misstrauens ist: Immer mehr Vermieter lassen Wohnungen lieber leer stehen, als sich mit renitenten Mietern herumzuärgern. Vielen Wohnungssuchenden bleibt nichts übrig, als brav Horrorpreise für immer kleinere, befristete Apartments zu zahlen. Die Fronten sind verhärtet. Ist es Zeit, Berlin zu verlassen? Oder müssen nur die Gesetze besser werden? Fest steht nur: So wie es ist, sollte es auf keinen Fall weitergehen.





