In Berlin-Mitte wurde 1790 der allererste Spielplatz Berlins errichtet. Die Kriterien und Gründe für solche Freiräume zum Toben haben sich seither stark verändert. Berlin-Mitte hat jetzt 210 seiner 247 Spiel- und Bolzplätze untersucht, um sie schöner, fairer und hitzesicherer zu machen. Die Ergebnisse und eine Übersichtskarte stehen ab sofort online bereit. Das Bezirksamt hat zum ersten Mal alle öffentlichen Spielplätze nach den gleichen Regeln genau unter die Lupe genommen. Die Morgenpost hat sich die besten etwas genauer angesehen.

Der Bezirk wollte herausfinden, wo Plätze verbessert, umgebaut oder neu gebaut werden müssen. Der Bezirk weiß jetzt genau, welche Spielplätze am dringendsten eine Renovierung benötigen. Jeder kann ab jetzt auf einer Internetseite selbst nachsehen, wie gut die Spielplätze in der eigenen Nachbarschaft ausgestattet sind. Punktesieger nach den Maßstäben der Jury ist der Spielplatz auf dem Zeppelinplatz. Er erhielt 23,93 Punkte.

Das waren die wichtigsten Kriterien:
- Abwechslung (40 Prozent): Die Spielplätze sollen spannend sein und Spaß machen.
- Gerechtigkeit für alle/Inklusion (40 Prozent): Barrierefreiheit auch für Kinder mit Behinderungen.
- Schutz vor Hitze (5 Prozent): Schatten und Abkühlung für heiße Sommertage durch Bepflanzungen. Hier gibt es noch Steigerungsbedarf im Rahmen des Klimaanpassungsgesetzes.
- Rahmenbedingungen (10 Prozent): Zum Beispiel Geländemodellierung, Mehrdimensionalität.
- Sicherheit der Kinder (5 Prozent): Hier ist der Standard bereits überall gut.

Einige Spielplätze haben eine besondere Geschichte
Schlossgeschichte im Sand: Wo heute Kinder auf dem Spielplatz Monbijoupark klettern, stand bis zu seiner schweren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden DDR-Abriss das wunderschöne Rokoko-Schloss Monbijou. Die Kinder toben hier also im ehemaligen königlichen Schlossgarten direkt an der Spree. Heute ist der Spielplatz ein beliebtes Ausflugsziel für Eltern mit Kind. Bei den Experten erhielt der Spielplatz immerhin 20,48 Punkte.

Vom Luxusgarten zum Kletterschiff: Der versteckte Krausnickpark blickt auf eine über 250-jährige Geschichte zurück. Ende des 18. Jahrhunderts nutzten wohlhabende Berliner das Areal als privaten „Lustgarten“. 1931 erwarb ihn der preußische Staat. Erst seit 1990 ist der idyllische Park mit Liegewiese und Spielplatz öffentlich nutzbar. Der Eingang liegt hinter einer Metallgitter-Tür zwischen der Oranienburger Straße 19 und 20.

Bezirk als Vorreiter: Erster Spielplatz 1790 in Mitte
Der Spielplatz in der Siemensstraße 27 ist einer der jüngst wiedereröffneten Spielplätze in Mitte. Er erhielt bei der Untersuchung durch die Experten immerhin 19,5 von 31 möglichen Punkten. Obwohl der Bezirk 470.000 Euro in die Sanierung investiert hat, gab es aber auf Facebook Kritik: „Eine Metallrutsche wird im Sommer leider zu heiß“, sagt eine Mutter namens Jacqueline Sonntag. „Außerdem fehlen Sonnensegel.“

Der historisch erste öffentliche Spielplatz Deutschlands wurde übrigens 1790 in Berlin gestiftet. Damals ahnte man noch nichts von Sonnensegeln oder Inklusion durch barrierefreie Zugänge. Es ging damals weniger um „Spaß“ als vielmehr darum, den Schülern des elitären Joachimsthalschen Gymnasiums, das damals in Mitte lag, nach dem extrem langen Unterricht kontrollierte Bewegung zu verschaffen. Andernfalls, so die Befürchtung damals, würden die Schüler auf den Straßen herumlungern. Im 19. Jahrhundert entstanden weitere Spielplätze in ganz Deutschland, vor allem um Kinder beim Spiel vor den Gefahren der zunehmend verkehrsreichen und industrialisierten Großstadt zu bewahren.



