In Moabit, der von Wasserstraßen umgegebenen Insel in Mitte, die nicht weit vom Berliner Hauptbahnhof entfernt ist, begegnet man derzeit immer wieder rätselhaften Silhouetten, zum Beispiel in der Wald- oder in der Wiclefstraße. Die schwarzen, nahezu lebensgroßen Figuren finden sich über ganz Moabit verteilt und es werden immer mehr. Sie sind Teil eines Projekts des Vereins „Sie waren Nachbarn“, der 2011 in Berlin gegründet wurde, um auf die durch das NS-Regime Ermordeten aufmerksam zu machen, die einmal in Moabit gelebt haben.

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Zu Moabit gehört auch der Gedenkort Güterbahnhof Moabit in der Putlitzer Straße. Eine ehemalige Rampe erinnert dort an die Deportation von mehr als 32.000 Menschen aus Berlin in Konzentrationslager. Außerdem gibt es in Moabit das Mahnmal in der Levetzowstraße. An diesem Ort befand sich eine ehemalige Synagoge, die von 1941 bis 1943 als zentrales Sammellager für die Deportationen aus Berlin diente.
2000 Jüdinnen und Juden vor 1933 in Moabit
Vor 1933 lebten weit mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden in Moabit. Bis 1933 lebten sie weitgehend unbehelligt. Nach der Machtübernahmedurch die Nazis änderte sich ihre Lage dramatisch. Diskriminierende Gesetze erschwerten ihnen das Leben. Hass und Hetze nahmen zu. Plötzlich „verschwanden“ jüdische Nachbarn aus dem Haus und jüdische Kolleginnen kamen nicht mehr zur Arbeit.
Im Oktober 1941 begannen die Deportationen von etwa 55.000 Berliner Jüdinnen und Juden. Etwa 30.000 von ihnen wurden vom Güterbahnhof Moabit in die Ghettos und Vernichtungslager verbracht. Damit war der Güterbahnhof Moabit der größte Deportationsbahnhof Berlins. Am Ende des Krieges war jüdisches Leben in Moabit fast ausgelöscht.
FIguren noch bis Ende Mai 2026 zu sehen
Mit der Aufstellung der Schattenfiguren „Die Verschwundenen“ will der Verein „Sie waren Nachbarn“ an die ermordeten Menschen erinnern. Der QR-Code auf den Figuren führt zur Webseite: „DieVerschwundenen“.
Dort sind rund 2000 Namen von in Moabit vor 1933 lebenden Jüdinnen und Juden gelistet. Viele Lebensgeschichten hat der Verein recherchiert und dokumentiert.
„Mit den geringen Mitteln und Möglichkeiten unseres Vereins ‚Sie waren Nachbarn‘ möchten wir darauf aufmerksam machen, dass es gelingen konnte, Menschen aus der direkten Nachbarschaft herauszureißen und vor aller Augen in den Tod zu verschleppen“, so Sabine Weissler gegenüber der Morgenpost.
Die Ausstellung ist noch bis Ende Mai überall in Moabit zu finden. Das Projekt wurde unterstützt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, dem Bezirksamt Mitte und Moabitern, die uns die Nutzung ihres Geländes erlaubten.





