Als ich vor gut zwei Jahren von Neukölln in den Nordwesten von Berlin zog, war es die Nähe zum Plötzensee, die mich mit meiner neuen Heimat versöhnte. Ob zum Baden oder als Joggingrunde, einmal um den See und wieder zurück. Dabei muss ich zahllose Male an ihr vorbeigejoggt sein, bis ich sie bemerkte: die Fischerpinte. Ein Kleinod, irgendwo zwischen Geheimtipp und altbekannt. Die Abendsonne glitzert im Wasser, ein Gösser aus der Flasche, im Ascher auf dem Tisch glimmt die Zigarette und es wird Kniffel gespielt, während die Sonne im See versinkt. Solche Szenen sollen nun Geschichte sein.
Auch interessant
Hier fand man, was in Berlin immer seltener wird: ein kühles, bezahlbares Bier ohne Chi‑Chi – dafür Berliner Freundlichkeit. Vor allem aber war die Fischerpinte ein sozialer Ort. Beinahe 40 Jahre führte Wolfgang Düring die Pinte, verlieh Ruderboote, vermietete zeitweise für Feiern. Zahlreiche Stammgäste kamen, aber auch junges Publikum. Kiezkultur am Plötzensee.
Naturschutz versus Kiezkultur am Ufer
Was ich nicht wusste, als ich vergangenen Sommer hier meine Feierabende verbrachte: wie kritisch es schon in der Vergangenheit um die Pinte stand. Das Grundstück liegt im Landschaftsschutzgebiet – wie das übrige Ufer des Plötzensees. Offiziell verstießen Holzhütte, Ausschank und Bootsverleih gegen geltenden Naturschutz. Eine naturverträglichere Lösung zwischen dem Bezirksamt Mitte und dem Betreiber Düring kam zu dessen Lebzeiten nicht zustande.

Nach Dürings Tod tritt nun das ein, was schon lange schwelt. Die Fischerpinte soll abgerissen werden. Das Grundstück fällt an den Bezirk zurück. Laut Bezirksamt ist das vertraglich geregelt, Abriss von Hütte und Steg sei Sache der Erben. Ob dieser Abriss zeitnah geschieht? Ich wage es zu bezweifeln. Vielmehr wird man der Fischerpinte bei ihrem langsamen Verfall zusehen können.
So oder so: Das Aus der Fischerpinte wird wohl einen paradoxen Effekt auf den Naturschutz haben. Denn ohne die Pinte fällt eine der wenigen offiziellen, ufernahen Anlaufstellen weg. Was bleibt, ist der ohnehin schon hohe Druck durch Wildbadende auf das sensible Ufer und dessen schützenswerte Natur. Und das überteuerte Angebot des Strandbad Plötzensees – das sich viele Berlinerinnen und Berliner schlichtweg nicht leisten können.
Auch interessant
Letztlich verschwindet mit dem Tod von Düring und dem Aus der Fischerpinte ein weiteres Stück „altes Berlin“ – auch wenn diesmal nicht ein reicher Investor aus dem Ausland, sondern der Naturschutz entscheidend ist. Gefragt sind nun schlaue Antworten aus der Politik: Wie verbindet man Naturschutz und Berliner Kiezleben so, dass beides überlebt?





