Während sich Berlins Politiker im Hotel Adlon zum Bundespresseball 2026 trafen, demonstrierten am Freitag vor dem Reichstag Tausende Menschen aus ganz Deutschland gegen hohe Spritpreise und die aktuelle Politik. Initiiert hatte die Aktion ein Ostfriese.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Bitte schreiben Sie, dass ich nicht rechtsextrem bin und dass ich friedlich demonstrieren will“, forderte Sebastian „Sebo“ Bormann die Morgenpost auf. Der Landschaftgärtner hatte sich vor Wochen zu einer Großdemo mit Autokorso entschlossen, weil die Spritpreise durch den Konflikt in der Straße von Hormus explodierten.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Demonstration mit Autokonvoi gegen hohe Spritpreise
Sebastian Bormann mit Megafon auf einem Pick-up am Platz der Republik. Der Ostfriese wollte ein Zeichen setzen.© Michael Ukas/dpa | Michael Ukas

Acht Kilometer langer Konvoi

Seitdem trommelte der 41-jährige Garten- und Landschaftsbauer für die „Großdemo“ oder den „Generalstreik“, der in Emden seinen Ursprung nehmen und vor dem Reichstagsgebäude enden sollte. Mit 24 Autos startete ein Konvoi am Freitagmorgen, der bis zum Abend auf rund 200 Autos aus ganz Deutschland angeschwollen war, die eine rund acht Kilometer lange Schlange bildeten. Die Autofahrer waren durch einen Live-Stream Bormanns auf TikTok angelockt worden.

Konvoi
Langer Weg: Ein Autokonvoi fuhr am Freitag über Landstraßen von Emden nach Berlin, um gegen die Spritpreise zu demonstrieren. © BM | Privat

Neben den hohen Spritpreisen wollten Bormann und seine Mitstreiter gegen die allgemeine Inflation sowie angeblich gebrochene Wahlversprechen von Friedrich Merz (CDU) demonstrieren. Zwar war die Demonstration angemeldet und genehmigt, der geplante Konvoi sollte jedoch nicht über die Autobahn fahren.

Mit der Polizei, die den Konvoi begleitete, war eine Alternativroute über die Bundes- und Landstraßen festgelegt worden. Daher benötigte der Konvoi am Ende über zwölf Stunden und kam erst spätnachts gegen 22 Uhr am Reichstag an, wo sich rund 500 Demonstranten versammelten. Viele schwenkten Deutschlandfahnen. Bormann forderte mit einem Megafon die Senkung der Spritpreise und die Absetzung von Merz.

Womit der Ostfriese nicht gerechnet hatte: Dass in Berlin im Augenblick kaum Platz für eine öffentlichkeitswirksame Demo vor dem Reichstag ist wegen der vielen Baustellen. Derzeit versperren Container den Platz der Republik. Dort wird gerade ein temporärer Eingang zum neuen Besucherzentrum gebaut. „Das hat mir niemand gesagt“, so Bormann. Die Demo-Teilnehmer mussten sich also zwischen die Container und Absperrungen klemmen.

„Ich habe viele Hassbotschaften erhalten, muss mich erstmal von der Aktion erholen“, berichtet Bormann der Morgenpost am Samstag. Bis der Demonstrationszug gegen 22 Uhr vorm Reichstag ankam, hatten sich, angeregt durch den Live-Stream auf TikTok laut Bormann „geschätzt 2000 Teilnehmer“ versammelt, die ebenfalls ihrer Unzufriedenheit Ausdruck gegenüber Spritpreisen und Politik verliehen.