Architektur

Besucherzentrum am Reichstagsgebäude kommt frühestens 2029

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Isabell Jürgens
Entwurf für das Besucherzentrum des Bundestags an der

Entwurf für das Besucherzentrum des Bundestags an der

Foto: Markus Schietsch Architekten GmbH

Mit dem Bau des bereits 2014 beschlossenen Gebäudes wird erst ab 2025 begonnen – falls nicht noch weitere Umplanungen kommen.

Berlin. Bauen in Berlin ist tendenziell eine eher langwierige Sache. Da macht auch der bereits 2014 vom Bundestag beschlossene Neubau des Besucher- und Informationszentrums des Deutschen Bundestages (BIZ) als sicherheitskontrollierter Zugang für Besucher samt unterirdischem Gang in den Reichstag keine Ausnahme. Nachdem das Preisgericht 2016 zwei Siegerentwürfe prämierte und Anfang 2017 den überarbeiteten Beitrag des Züricher Büros Markus Schietsch Architekten zum endgültigen Gewinner kürte, wurden angesichts von Sicherheitsbedenken jedoch weitere Änderungen nötig und der für 2020 in Aussicht gestellte Baustart verschoben. Wie weit diese gediehen sind, darüber informierten am Montag der Architekt sowie die für den Bau zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) im Berliner Baukollegium.

Baukosten auf mehr als 200 Millionen Euro gestiegen

Architekt Markus Schietsch überbrachte dem Gremium, in dem sechs unabhängige Experten gemeinsam mit der Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt Projekte von besonderer Bedeutung beraten, die schlechte Nachricht: Die provisorischen Container, in denen seit Jahren die Sicherheitskontrollen für den Besucherzutritt stattfinden, werden - werden wohl noch von langer Dauer sein: „Wir befinden uns noch in der Planungspahse, gehen von einem Baustart 2025 aus“, so Schietsch Eingerechnet einer Bauphase von vier Jahren sei mit der Fertigstellung also im Jahr 2029 zu rechnen.

Die Baukosten, ursprünglich mit 150 Millionen angesetzt, sind nicht nur aufgrund der zwischenzeitlich enorm gestiegenen Baukosten obsolet. Auch, weil unter anderem die Sicherheitsanforderungen weiter hochgeschraubt wurden, ist nun nach Angaben des Architekten mit Gesamtkosten von mehr als 200 Millionen Euro zu rechnen – inklusive eines zehn Meter breiten und 2,5 Mieter tiefen sogenannten Aha-Grabens, der das Gebäude auf seiner Frontseite hin absichern soll, sowie daran angrenzend zwei jeweils 55 Meter lange, 2,50 Meter hohe Zäune aus vertikalen Metallstäben, die das Gebäude seitlich abgrenzen.

Der Tunnel, der das Besucherzentrum mit dem Reichstagsgebäude verbinden soll, war ohnehin schon gesetzt. Neu dazu gekommen, so der Architekt, sei weiter auch noch eine unterirdische Kältezentrale, die das Gebäude klimatisieren soll. Neu dazu gekommen ist allerdings auch noch der Bau eines weiteren Pavillons südlich der Scheidemannstraße, der im Baukollegium auf erhebliche Kritik stieß.

Streit um das Toilettenhäuschen

Die Toilettenanlage, die neben dem BIZ errichtet werden soll, werde in deutlicher Abgrenzung zum Besucherzentrum mit seiner Fassade aus Glas und den schlanken weißen Säulen optisch deutlich anders gestaltet. Patinierte Messingplatten geben dem Gebäude eine deutlich dunklere, bräunliche Optik.

Im Baukollegium kam das sogenannte „Kleinbauwerk“ gar nicht gut an. „Wir empfehlen, noch einmal zu überprüfen, ob das Toilettengebäude nicht in das Besucherzentrum integriert werden kann“, resümierte Architekt Ansagar Schulz für das Beratungsgremium: „Es ist nicht schön, wenn sich die Bundesrepublik ihren Besuchern zuallererst mit einem Toilettenhäuschen präsentiert.“

Bima-Chef warnt vor weiteren Verzögerungen

Christoph Krupp, Vorsitzender Bundesanstalt für Immobilienaufgaben , reagierte sichtlich genervt auf den Vorschlag. „Das Projekt ist vollständig mit dem Land Berlin abgestimmt und wir sind endlich in der Phase der Realisierung“, sagte Krupp. „Es wäre gar nicht gut, wenn dieses Projekt jetzt noch einmal aufgehalten wird“, mahnte der Bima-Chef. Und erinnerte daran, dass das Land Berlin sich ausdrücklich für den Ersatz der öffentlichen Toiletten im Tiergarten, die im Zuge der Baumaßnahmen wegfallen, eingesetzt habe. Die Toieletten im Untergeschoss des BIZ seien ja nur für die Besucher zugänglich, die die Sicherheitsschleuse im Untergeschoss passiert hätten. Aus Sicherheitsgründen sei es nicht möglich, weitere öffentliche Toiletten in das Gebäude zu integrieren:“dafür sehen wir keinerlei Chance“, betonte Krupp.