Bis zum 27. Februar haben Frauen in Deutschland rechnerisch unbezahlt gearbeitet. 58 Tage – so groß ist der Lohnunterschied, der dem Gender Pay Gap von aktuell 16 Prozent entspricht. Während ihre männlichen Kollegen seit dem 1. Januar bezahlt werden, arbeiten Frauen statistisch gesehen bis zu diesem Datum umsonst.
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Fast überall verdienen Frauen weniger als Männer – auch in Berlin. Doch im Vergleich mit allen Bundesländern lag Berlin rund 15 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt. Der Gender Gap Arbeitsmarkt lag 2025 in Berlin bei 23 Prozent, teilt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg anlässlich des Equal Pay Day am 27. Februar 2026 mit. Mit 24,33 EUR verdienten Frauen in Berlin 2,79 EUR weniger als ihre Kollegen – eine Lohnlücke von 10 Prozent.
Anlässlich des Equal Pay Day am 27. Februar informiert Hanna Steinmüller gemeinsam mit Ehrenamtlichen von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin-Mitte an verschiedenen Orten im Bezirk und spricht mit Bürgerinnen und Bürgern über faire Bezahlung, strukturelle Hürden und politische Lösungsansätze. Wir haben sie dazu befragt.
Frau Steinmüller, Sie haben sich heute in Mitte am S-Bahnhof Bornholmer Straße mit Berlinerinnen über den Equal Pay Day unterhalten und dabei Flyer verteilt. Wie sind Sie auf die Aktion gekommen?

Der Equal Pay Day führt uns jedes Jahr vor Augen, dass Gleichberechtigung im Geldbeutel noch nicht angekommen ist. Auch 2026 verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer. Rechnerisch sind das 58 Arbeitstage im Jahr ohne Bezahlung. Zwar ist der Gender Pay Gap 2024 so deutlich gesunken wie noch nie seit Beginn der Erhebung 2006. Das zeigt: Politisches Handeln wirkt. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Die Lohnlücke ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Schieflagen: Von der Bewertung bestimmter Berufe bis zur Verteilung von Sorgearbeit. Unser Ziel bleibt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Mit der Aktion wollten wir diese Debatte aus der Statistik herausholen und in den öffentlichen Raum tragen. Eben dort, wo Arbeit und Lebensrealitäten sichtbar werden.
Das Rathaus Mitte hisst die Equal-Pay-Day-Flagge – ist das mehr als Symbolpolitik?
Ein sichtbares Zeichen ist gut, aber es ersetzt natürlich keine strukturellen Veränderungen. Entscheidend ist, ob aus Symbolen verbindliche Regeln werden. Das Entgelttransparenzgesetz war ein erster Schritt, doch die bisherigen Erfahrungen zeigen: Es braucht deutlich wirksamere Instrumente.
Was muss denn genau passieren, um die strukturellen Probleme zu minimieren?
Beschäftigte müssen tatsächlich nachvollziehen können, wie Gehälter zustande kommen, und Verstöße müssen Konsequenzen haben. Die EU hat klare Vorgaben für mehr Entgelttransparenz beschlossen. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug, diese Vorgaben konsequent umzusetzen. Dazu gehört: Lohnunterschiede offenzulegen, Gehälter in Stellenausschreibungen transparenter zu machen und sicherzustellen, dass typische Frauenberufe nicht systematisch geringer bewertet werden als vergleichbare männerdominierte Tätigkeiten.
Wie geht es Frauen im öffentlichen Dienst? Werden Sie dort gleich behandelt wie Männer?
Positiv hervorheben muss man, dass der öffentliche Dienst, also auch das Bezirksamt Mitte, bei gleichen Eingruppierung Frauen und Männer gleich bezahlt – aber auch da geht noch mehr.
Kennen Sie den aktuellen Global Gender Gap Report des WEF? Bis zur Gleichstellung von Mann und Frau soll es noch 123 Jahre dauern, wenn es im gleichen Tempo vorangeht wie bisher.
Solche Prognosen sind kein Naturgesetz, sondern ein politischer Auftrag. Die Lohnlücke hängt eng mit der Verteilung unbezahlter Arbeit zusammen. Frauen übernehmen weiterhin den größeren Teil von Sorgearbeit. Das wirkt sich direkt auf Erwerbsverläufe, Einkommen und Altersvorsorge aus. Deshalb müssen wir nicht nur über Löhne sprechen, sondern auch über Zeit und Verantwortung. Wir brauchen verlässliche Kinderbetreuung, bessere Unterstützung bei Pflege, flexible Freistellungsmodelle und Rahmenbedingungen, die gleichberechtigte partnerschaftliche Aufteilung ermöglichen. Wer familiäre Verantwortung übernimmt, darf daraus keine dauerhaften finanziellen Nachteile haben. Gleiche Löhne entstehen nicht von allein. Sie sind das Ergebnis politischer Entscheidungen und müssen endlich Realität werden.



