In der Redaktion der Berliner Morgenpost gingen anonyme Hinweise über den beunruhigenden Zustand einer Grundschule in Wedding ein. Es geht um die Heinrich-Seidel-Grundschule, eine von 68 Schulen des Bezirks Mitte, die schon 2009 in einem Brandbrief auf ihre prekäre Lage hinwies. Außerdem fehle es vielen Schülern an grundlegenden Fähigkeiten: Der hohe Anteil von Schülern, die nicht deutsch sprechen, ist eine zusätzliche Herausforderung, die eigentlich mehr Personal und/oder Sprachkurse erfordern würde. Dafür fehlen aber die Ressourcen.

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Nun heißt es in einem Leserbrief ohne Namen und Absender, die Schule sei derzeit „kein sicherer Ort für Kinder und Erwachsene“. Behörden und Schulleitung seien informiert, würden aber nichts unternehmen. „Die Schule ist in einem sehr schlechten Zustand“, so das Schreiben, das der Morgenpost vorliegt. Die Toiletten seien teilweise lange unbenutzbar gewesen, sodass Kinder und Personal über Wochen nicht ihrer Notdurft nachkommen konnten. Seit Anfang des Schuljahres funktioniere auch die Heizung in der Sporthalle nicht.
Das Schul- und Sportamt ist nach Angaben des Bezirksamtes bereits über die aktuellen Mängel in der Schule informiert. In den Herbstferien seien die Sanitäranlagen „abschließend saniert“ worden. Auch hat das Bezirksamt nach eigener Aussage die jeweiligen Aufträge zur Beauftragung der notwendigen Firmen ausgeführt.

Mängelvorwürfe der Grundschule auf einen Blick:
- Trillerpfeifen statt Feueralarm (Reparatur der Anlagen ist beauftragt)
- zeitweise unbenutzbare Toiletten (Reparatur im Herbst)
- zeitweise Ratten in der Mensa (von Schulleitung nicht bestätigt)
- keine Heizung in der Sporthalle (Reparatur bereits beauftragt)
Heinrich-Seidel-Grundschule: Improvisierter Feueralarm
Besonders stört den anonymen Kritiker, dass es keinen adäquaten Feueralarm gibt. „Sollte ein Feuer ausbrechen kann nur gehofft werden, dass das schulische Personal eine funktionierende Nase besitzt“, so der Schreiber. Das Feuer müsse mit „Fussballtröten“ gemeldet werden. „Ertönt die Tröte werden hoffentlich alle anderen Trötenbesitzer hellhörig und tröten ebenfalls. (...) Wann soll man nun raus aus dem brennenden Gebäude? Wen rettet man? Auf diese Fragen wurde nur müde gelächelt.“

Die Leitung könne laut anonymem Schreiber nach eigenen Angaben nichts tun. Sie habe die Reparatur in Auftrag gegeben. Das sei bereits mehr als zwei Monate her. Genauso sehe es mit dem „Amok-Alarm“ aus. Diesen besitze die Schule nicht.
Auch dazu nahm das Bezirksamt konkret Stellung: „Die Behebung der Probleme und die Neuinstallation der Anlage sind bereits durch die zuständigen Kollegen des Facility Managements beauftragt worden“, so eine Sprecherin. Der Schule seien als Ersatzgeräte 10 Druckluftsirenen mit einer Lautstärke von 118dB zur Alarmierung ausgehändigt worden. Weitere 10 Handsirenen mit Kurbel und einer Lautstärke von 120dB und zusätzlich 13 Megafone seien bereits bestellt worden und sollen bis zum Freitag, 9. Januar in die Schule geliefert werden.
Rechtslage: Das sind die Sicherheitsanforderungen an Schulen
In Versammlungsräumen mit insgesamt mehr als 1000 Quadratmetern Grundfläche müssen Alarmierungs- und Lautsprecheranlagen vorhanden sein, mit denen alle Personen in der Veranstaltungsstätte alarmiert und Anweisungen erteilt werden können. Weiterhin müssen in Versammlungsräumen dieser Größe zur frühzeitigen Erkennung von Bränden und zur Alarmierung der Feuerwehr Brandmeldeanlagen mit automatischen und nichtautomatischen Brandmeldern vorhanden sein. Für Amok-Alarm-Situationen sind spezielle Alarmsysteme in Bildungseinrichtungen vorgeschrieben, die sich deutlich vom Feueralarm unterscheiden.





