Algen stehen bis jetzt selten auf dem Speiseplan in Europa. Doch das soll sich schon bald ändern, glaubt man Wunderfish-Gründerin Deniz Ficicioglu. Aus Algen erzeugt ihr Unternehmen ansprechend verpackten Fischerersatz, der in etwa aussieht und schmeckt wie Lachs und Thunfisch. Das entlastet unsere überfischten Meere und bindet CO2. Dafür hat Deniz Ficicioglu, Gründerin und Geschäftsführerin der Wunderfish GmbH, soeben den Preis als beste Berliner Kleinstunternehmerin des Landes Berlin gewonnen.

Ficicioglu war eine von sechs Unternehmerinnen, die vom Land Berlin ausgezeichnet wurden. Seit 2004 würdigt Berlin engagierte Unternehmerinnen, „die den Wirtschaftsraum Berlin mitgestalten und gleichzeitig Vorbild für Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit sind“, heißt es in der Begründung.
Fleischersatz mischt bereits seit einigen Jahren den Nahrungsmittelmarkt auf, Fischerersatz gab es bisher praktisch noch nicht. Dabei ist Lachs aus Aquakulturen wegen der Antibiotika umstritten und Thunfisch stammt laut Wunderfish-Gründerin Ficicioglu in der Regel immer aus Wildfang und trage zur Überfischung der Meere bei. „Wir wollen in fünf Jahren die Algen-Pioniere in Europa sein“, sagt sie. Rund 150.000 Dosen à 140 Gramm hat Wunderfish im Jahr 2024 verkauft. Dazu kamen Ein-Kilo-Beutel, die an Großhändler verkauft wurden.

Wie kam Deniz Ficicioglu ausgerechnet auf Algen? Wegen konstanter Bauchschmerzen und depressiver Verstimmungen erhielt Ficicioglu schon 2010 den medizinischen Rat, auf Weizen und Fructose zu verzichten. Das gab für sie den Anstoß, sich intensiver mit gesunder Ernährung zu befassen. Die heute 40-Jährige schrieb 2014 und 2018 zwei Kochbücher. Nach ihrem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste (UdK) arbeitete Ficicioglu 2017 und 2018 in dem von Bahlsen betriebenen Food-Innovation Hub „Hermann’s“ in der Torstraße.
„Ich stellte bei meinen Recherchen zwei Dinge fest: Erstens, dass fast alle Lebensmittel auf Mais und Weizen basieren. Und zweitens: Es gibt fast kein Zukunfts-Szenario, in dem wir NICHT Algen essen“, so die Erkenntnis von Deniz Ficicioglu. 2020 gründete sie das Start-up Wunderfish in Gesundbrunnen. „Wir sind heute ein kleines Team von sieben Personen in Gesundbrunnen, dazu gehören Lebensmitteltechniker, Köche und Produktentwickler“, sagt die Gründerin. Das Ziel: Mehr Algen als Zutat zu verwenden. Und in Zukunft etwa 30 Prozent aller Lebensmittel aus Algen zu erzeugen.
„Algen wachsen schnell und brauchen keinen Input“
Was ist denn das Tolle an Algen? „Sie wachsen schnell, zwei Meter in vier Monaten, und nehmen so gut wie keines Schwermetalle oder Mikroplastik auf“, erklärt Ficicioglu. „Zum Vergleich: Ein Thunfisch schwimmt etwa vier Jahre im Meer, bevor er gefischt wird.“ Außerdem bräuchten Algen keinen Input und schmeckten wirklich gut und natürlich nach Fisch.“ Bei Algen sei natürlich das Umfeld sehr entscheidend.

Wenn Algen so gesund sind, warum kann man dann nicht einfach Gerichte mit den Meerespflanzen essen? „Überall auf der Welt wird Fisch gegessen. Doch das Interesse an Algen ist bis jetzt sehr gering. Deshalb haben wir beschlossen, eine Art trojanisches Pferd zu bauen, mit dem Algen attraktiver werden.“
Preis für Wunderfish vom Land Berlin
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) zeichnete am 14. November sechs herausragende Unternehmerinnen in Berlin aus, die aus über 130 Bewerbungen – ein neuer Rekord – von einer unabhängigen Jury ermittelt wurden. In jeder Kategorie erhielten die Preisträgerinnen ein Preisgeld von 10.000 Euro, ein filmisches Unternehmensporträt sowie eine Preisskulptur der Berliner Bildhauerin Gisela von Bruchhausen.

„Transformation, Impact und Nachhaltigkeit sind so gern gesprochene Begriffe“, hieß es in der Laudatio. „Die diesjährige Preisträgerin in der Kategorie ‚Kleinstunternehmen‘ Deniz Ficicioglu, Gründerin von Wunderfish, füllt diese Begriffe mit Leben. Denn wenn aus Algen Fisch(ersatz) wird, hilft das allen. Es entlastet das Meer, bindet CO2 und versorgt uns mit Proteinen. Wunderfish ist eine Alleskönnerin und Deniz Ficicioglu eine begeisternde Berliner Unternehmerin“, so Angeliki Krisilion, Vorständin der Investitionsbank Berlin (IBB).
Übrigens: Wer möchte, kann für den Fischersatz von Bettafish voten, den es unter anderem bei REWE gibt. Das V-Label, ein einheitliches Gütesiegel der Europäischen Vegetarier-Union, kürt nämlich per öffentlichem Voting die besten veganen Produkte, die in Deutschland verkauft werden.



