Vor dem Brandenburger Tor wuselt eine asiatische Influencerin herum im weißen Kleid vor ihrem Handy auf dem Stativ, die betrügerischen Unterschriften-Sammler machen gleich zu viert Jagd auf gutherzige Touristen am Pariser Platz. Am Beet vor der amerikanischen Botschaft liegen Blumen und Grab-Kerzen für den erschossenen US-amerikanischen Maga-Aktivisten Charlie Kirk und die in einem Zugabteil in North Carolina ermordete junge Ukrainerin Iryna Zarutska.

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Berlins bekanntestes Wahrzeichen ist ein Treffpunkt für die unterschiedlichsten Anliegen und Gruppen. Und es ist viel los an diesem Montagmittag am Brandenburger Tor. Und zwar so viel, dass die beiden nur mit pinkfarbenen Bikinis und Schuhen bekleideten Frauen, eine davon großflächig tätowiert, und der Mann mit nacktem Oberkörper unter schwarzer Schürze, kaum bemerkt werden. Sie haben sich in zweiter Reihe postiert, ungefähr auf Höhe des Hotels Adlon. „Vorne sind gerade Schulklassen ausgestiegen“, sagt Walter Hasenclever, Sprecher der Sex- und Erotik-Messe Venus, „da bleiben wir lieber ein bisschen weiter hinten.“ Die Frage, ob dem eine gewisse Zurückhaltung, die Angst vor zu viel Fan-Kontakt oder die Sorge um den freien Blick aufs Brandenburger Tor zugrunde liegt, bleibt ungeklärt.
Egon Kowalski und Micaela Schäfer: Früchte ja, Sahne nein
Der Fototermin trägt den Namen „Futterluke füttert Nacktschnecke – Venus serviert heißes Vorspiel zur Messe“. Der Termin soll aufmerksam machen auf die Venus, die vom 25. bis 28. September zum 28. Mal stattfindet. Nacktschnecke ist der Beiname der Berlinerin Micaela Schäfer, die seit knapp zwei Jahrzehnten äußerst erfolgreich ihren Lebensunterhalt mit ihren textilarmen Auftritten bestreitet. „Futterluke“ ist hingegen das Signalwort des Darstellers, der den wohl unglamourösesten Künstlernamen gewählt hat, den man sich vorstellen kann: Egon Kowalski. Eigentlich sollten Kowalski und Schäfer „eine scharfe Show mit Sahne, Früchten und jeder Menge nackter Haut“ bieten, unterstützt von Venus-Markenbotschafterin Inked Lorena, einem Tattoo-Model. Aber Micaela Schäfer ist froh, als die Sahne nicht zum Einsatz kommt, sie nur ein bisschen lüstern auf Egons Weintrauben gucken muss.

Kowalski hatte seine ersten kleineren Einsätze 1992 in deutschen Erwachsenenfilmen. Schnell machte er sich einen Namen mit einem ruppig-machohaften Ruhrpott-Verhalten, seiner eher durchschnittlichen Figur und seinem überdurchschnittlichen Penis.
Jüngst hat er in Social Media und seinem Podcast eine – zumindest weitgehend – jugendfreie Karriere gestartet und gilt auch bei jüngeren Zuschauern als irgendwie cooler Opi. Und so hat auch die Venus dieses Maskottchen des traditionellen Videokassetten-Pornos engagiert. Obwohl die Venus seit Jahren mit zusehends diverseren Plakatmotiven auch um neue Zielgruppen wirbt. Er sei „sexuell und gendermäßig oldschool“, gibt Kowalski im kurzen Morgenpost-Gespräch zu. Aber er findet Diversität bei der Venus gut: „Da ist für jeden was dabei, manche Leute mögen ja auch andere Richtungen und Fetische, das ist bunt.“
Für Geld wirbt Kowalski auch für eine Potenz-Apotheke
Aber Kowalski ist eher kurz angebunden, er friert „ein bisschen“ so halbnackt unter der Schürze. Und 12 Uhr am Montag sei schon früh, obwohl seine Drehs eigentlich auch so um die Zeit losgehen würden. Aber er sei ja Profi. „Alles für die Coins“, sagt der Darsteller, der nebenbei auch für eine Online-Apotheke für Männer mit Erektionsstörungen wirbt.
Kowalski posiert also mit den Weintrauben, gerahmt von den beiden Damen. Kowalski nimmt Micaela Schäfer zweimal auf den Arm fürs Foto. „So, Leute, ich kann nicht mehr“, sagt der 61-Jährige dann schließlich, stellt sich abseits. Während die Fotografen noch Micaela Schäfer in V-Pose („für Venus“) und die Kehrseiten der Damen vor dem Tor ablichten, raucht Kowalski schon die Zigarette danach. Dann fängt es an zu regnen und die Venus-Delegation verlässt den Platz und es ist, als wäre nie etwas passiert.





