An der Friedrichstraße Ecke Französische Straße bilden sich derzeit immer wieder kleine Menschentrauben. Verantwortlich dafür ist die ungewöhnliche Weihnachtsdeko im Schaufenster der Galeries Lafayette. Auch Mia Estella (18) bleibt stehen, ruft erst mal spontan „Hilfe!“, als sie den Baumbehang näher betrachtet. Nach ein paar Fotos sagt sie: „Das einzig Passende ist, dass sie Tannenzapfen ähneln.“ Familienvater Marcus (54) erkennt sofort, worum es sich handelt, und grinst. Sein Kommentar: „Die sind ja dermaßen krass eindeutig. Optisch nicht mal schlecht, aber an einem Weihnachtsbaum?“ Ein chinesischer Tourist, der namentlich nicht genannt werden will, fügt hinzu: „I don‘t understand Berlin!“ Fotos knipst er dennoch.

Sprecher des Luxus-Kaufhauses: „Wir haben überwiegend postive Rückmeldungen“

Die Schaufenster-Dekoration ist eine Werbe-Kooperation zwischen der Kaufhauskette Galeries Lafayette und dem Tourismusministerium in Bhutan. Die dortige Marketingchefin, Carissa Nimah, hatte die Idee dazu. Fabian Winkelseßer, Pressesprecher des Kaufhauses in Berlin: „Wir haben bisher überwiegend positive Rückmeldungen von unseren Kunden erhalten, hatten aber ehrlich gesagt auch keine Bedenken.“ Er fügt hinzu: „Die Anhänger und auch sonstige Phallus-Statuen sind nicht im Handel erhältlich. Es handelt sich hierbei um handgefertigte, echte Unikate.“ Bis Ende Januar 2024 könnten die Objekte noch im Schaufenster besichtigt werden.

In Bhutan ganz normal: Ein Mann steht im Dorf Nobding auf der Eingangsschwelle zu einem Restaurant, dessen Wand mit bemalten Penissen dekoriert ist.
In Bhutan ganz normal: Ein Mann steht im Dorf Nobding auf der Eingangsschwelle zu einem Restaurant, dessen Wand mit bemalten Penissen dekoriert ist.© Gamma-Rapho/Getty Images | Getty Images

Bhutan: Brutto-Nationalglück und Phallus-Kult

Was für viele Menschen hierzulande obszön anmutet, ist am östlichen Rand des Himalayas ganz normal. Seit Jahrtausenden gilt der Phallus in Bhutan als Symbol für Fruchtbarkeit, Kraft und Glück. Penisse lachen in Bhutan überall von den Wänden und sind als Statuen beliebte Souvenirs für Touristen. Der Lieblingsheilige im buddhistischen Königreich Bhutan ist ein Yogi, der einen Dämon mit der Macht seines Penis besiegt haben soll. Bisher machte Bhutan vor allem Schlagzeilen, weil es als einziges Land der Welt einen Index fürs Glücklichsein eingeführt hat, den „Gross National Happiness Index“ (GHI). Wenige dürften den dortigen Phallus-Kult samt Phallus-Tempel und Phallus-Dorf kennen. Wer jetzt neugierig auf Bhutan geworden ist, sollte wissen, dass das Reiseland nicht ganz billig ist: Das Touristen-Visum für 90 Tage kostet zwar nur etwa 40 Euro. Zu den Reisekosten kommt aber die sogenannte „Sustainable Tourism Fee“ mit 100 US-Dollar pro Tag hinzu. Deren Ziel ist es, hochwertigen Tourismus zu fördern und die eingenommenen Gelder in laufende Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsprojekte zu investieren.